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LEAD-Kolumnistin Tijen Onaran nutzt ihre Erfahrungen aus der Politik auch im Job (Bild: Urban Zintel)
Kolumne Lead Faces Politik

Was ich von der Politik für die Karriere lernte - und was nicht

Wenn man sich politisch engagiert, lernt man wichtige Dinge. Dinge, die man auch später für die Karriere braucht. Welche das genau sind, erzählt LEAD-Kolumnistin Tijen Onaran.

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Als ich anfing mich politisch zu engagieren, sagte mir ein damaliger Parteifreund: "Alles was du jetzt lernst, wird dir später in allen Jobs helfen!" Was ich damals nicht ahnte: es war wirklich so. Vieles was ich damals erlebte, ist die Basis meiner heutigen Arbeit, sowie meines Handelns und Denkens. 

Die drei D's: Disziplin, Durchhaltevermögen und Diplomatie

Viele werden diese Momente kennen; Momente an denen Du denkst: warum? Warum tue ich mir das an? Warum sitze ich in "the middle of nowhere" und versuche Menschen zu überzeugen mit mir Projekte zu realisieren, sie für das was ich tue zu begeistern. Ich könnte doch jetzt auch auf der Couch liegen und einfach nichts tun. 

Aber dann ist da dieser Antrieb, diese Lust auf mehr, mehr zu erreichen und sich einfach Träume zu erfüllen, selber formulierte Ziele zu erreichen. Ein gutes Vehikel ist in solchen Momenten die Disziplin. Ich würde sagen, vor meinem politischen Engagement war ich engagiert, aber nicht ausgesprochen diszipliniert. Beim Spiel Couch oder Aktivität, gewann immer die Couch. Während meiner Studienzeit arbeitete ich zwar sehr viel, aber dieser innere Antrieb, das Erreichen-Wollen von Zielen war nicht Top 1 auf meiner Agenda. 

Durch die Politik lernte ich mich zu fokussieren, mir Etappenziele zu setzen, auch dann weiterzumachen, wenn der innere Antrieb mal spazieren geht. Sonntag um 7:30 Uhr am Wahlstand stehen und auf wildfremde Menschen zugehen erfordert nicht nur Mut, sondern vor allem auch Disziplin. So sehr die eigene Überzeugung auch Antrieb und Motivator für den eigenen Kompass ist, umso stärker ist auch das Durchhaltevermögen gefragt. Denn auf dem Weg zu selbstgesteckten Zielen gibt es immer Abzweigungen, Überraschungen, und eben auch Niederlagen, die genau die Durchsetzungskraft von einem selbst fordern, die eben dann die größte Herausforderung ist.

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In der Politik kann vieles sehr schnell gehen und einiges eben auch sehr langsam. Während dir heute noch die Präsidentschaft zugetraut wird, musst du morgen um dein Beisitzeramt im Kreisvorstand bangen. Die Mehrheitsverhältnisse können sich so rasant verändern wie die Gewinnchancen beim Roulette. Und manchmal musst du eben genau dann diplomatisch sein, auch wenn du es gar nicht willst. Diplomatie erfordert Größe – die Größe auch mal die eigene Position zu überdenken, das eigene Handeln zu reflektieren und auch mal einzugestehen, dass man sich geirrt hat. Diplomatie bedeutet vor allem aber auch Diversität auszuhalten. Diverse Meinungen, Ansichten, Aktionen und vor allem mit Menschen aus komplett anderen Bereichen mit anderen Erfahrungswerten zu akzeptieren und Gemeinsamkeiten zu gestalten. 

Strategie ja, Taktik nein

Im Schachspielen war ich immer schon schlecht. Nicht, weil ich keine guten "Moves" in petto hatte, sondern weil ich bevor ich einen Zug tat, meine Gesichtsmimik genau das ausgestrahlt hatte was ich wollte. Pokerface ist demnach nicht mein zweiter Vorname.

Die Politik lehrt einem aber strategisches Denken, sich manchmal eben nicht in die Karten schauen zu lassen und dann auch taktisch zu handeln. Bei der Strategie bin ich noch dabei, für die Taktik zu sehr Widder als dass ich jeden meiner Züge planen und gut vorbereiten könnte. Die strategische Denkweise hat mir in meinen bisherigen Jobs sehr geholfen, vor allem genau dann, wenn die Diplomatie und das Durchhaltevermögen versagten. Es macht eben manchmal einfach keinen Sinn, Kolleginnen oder Kollegen lange E-mails mit Analysen ihrer eigenen Arbeitsleistung zu schicken und die Zeit darin zu investieren, sie vermeintlich von dem zu überzeugen, was man selbst für richtig hält. 

Manchmal ist es strategisch klüger abzuwarten, nicht direkt zu reagieren und vor allem auch mal "sacken" zu lassen bis sich die Wogen geglättet haben. In der Politik ist der Anteil der Taktik stärker gefordert als der der Strategie. Beide Komponenten, Strategie und Taktik, sind sicherlich auch welche, die zum Teil auch in Unternehmen gefragt sind. Aber aus meiner Erfahrung ist der strategische Zusammenhalt am Ende doch eher gelebt als der rein Taktische. Die strategische Denkweise hilft mir übrigens heute in meinen unternehmerischen Tätigkeiten sehr. Die Taktik überlasse ich lieber anderen. 

Tijen Onaran ist Gründerin von startup affairs, einer PR und Digitalberatung. Wenn sie nicht publiziert, moderiert und spricht, bringt sie mit ihrer Initiative Global Digital Women ziemlich tolle Frauen aus ziemlich tollen Bereichen zusammen. Sie hat ein Herz für Freigeister, Menschen mit Macher-Gen und ihre Hunde Paul und Leo. Sie gehört außerdem zu den 100 Köpfen im jährlichen Ranking von W&V.

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