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Conference Stage
Das OMR-Festival 2019 (Foto: Benner)
OMR Marketing Trends

OMR19 - Highlights von der Online-Marketingsause

Die OMR 2019 war in diesem Jahr Treffpunkt für 50.000 Besucher aus der Digitalbranche, für die ein Feuerwerk aus Insights, Entertainment und Freibier entfacht wurde. Patrick Benner, CEO und Inhaber von ARTUS interactive, berichtet von dem Event.

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Um die Erfolgsgeschichte der Online Marketing Rockstars zu begreifen, muss man sich eines vergegenwärtigen: Die Berufe der zahlreichen Besucher gab es vor 10 oder 15 Jahren so noch gar nicht. Daher wirkt das Event eher wie ein Branchen-Sommerfest und nicht wie eine bierernste, inhaltsgetriebene Marketingkonferenz im klassischen Sinne – und das trotz prominenter Besetzung.

Rückblickend waren sie irgendwie alle da: hochrangige Vertreter von Google und Facebook, branchenfremde wie Sylvie Meis und Tim Mälzer, der Oberbürgermeister von Hamburg, Scooter, Yoko, Bowen Zhou von JD.com und Vordenker unserer Zeit wie der Bestseller-Autor Yuval Noah Harari. Sich bei dieser bunten Mischung auf Highlights festzulegen fällt schwer – abgesehen vielleicht von Harari, der definitiv ein Highlight war.

Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Philipp

Philipp Westermeyer
OMR - Philipp Westermeyer (Foto: Benner)

Der erste Tag mit Expo und Masterclasses bot den Besuchern schon reichlich Programm, doch der zweite Hauptkonferenztag legte dann biblisch nach: OMR-Gründer und neuerdings Cover-Boy Philipp Westermeyer rundete seinen Vortrag zum "State of the German Internet" mit seiner Erkenntnis zu den "sieben Todsünden" und ihrer Bedeutung für Marketingstrategien ab.

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Hintergrund ist die Beobachtung, dass ein gutes Produkt alleine längst nicht mehr ausreicht, um dessen Absatz zu garantieren. Mit den sieben Todsünden beschrieb Westermeyer Strategien, die Marketer nutzen, um aktuell an die Urinstinkte des Verbrauchers zu appellieren. Beispielsweise rufen Haltungskampagnen Wut bei bestimmten Zielgruppen hervor, Verknappung sorgt für Neid und Marken-Kollaborationen erzeugen Begehren. Insgesamt eine gelungene Übersicht erfolgreicher Strategien und Kampagnen des letzten Jahres.

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Yuval Noah Harari: "Technologie ist nicht deterministisch!"

Yuval Noah Harari
OMR - Yuval Noah Harari (Foto: Benner)

Machine Learning, künstliche Intelligenz oder Algorithmen ­­– die Werkzeuge, auf deren Basis Maschinen immer selbstständiger Informationen auswerten und Entscheidungen treffen können, rufen seit jeher Zweifler auf den Plan. Doch der israelische Bestseller-Autor und bekennende Technophob Yuval Noah Harari ist sich sicher: "Die Maschinen werden uns eines Tages besser kennen, als wir uns selbst!".

Seine Annahmen illustrierte er mit Hilfe eines sehr persönlichen Beispiels: Während er als Teenager lange brauchte, um sich der eigenen Homosexualität bewusst zu werden, wäre eine Maschine durch Auswertung seiner Verhaltensweisen und -muster wesentlich früher zu dieser Erkenntnis gelangt. "Zukünftig könnte es so sein, dass Coca-Cola früher weiß, dass ich schwul bin, als ich selbst", so sein ernüchtertes Fazit. Aber auch menschliche Beziehungen werden sich anders gestalten, "wenn mein Kühlschrank mehr über mich weiß als mein Partner." Dass diese technischen Möglichkeiten das Online-Marketing fundamental verändern können, versteht sich von selbst.

Harari versteht sich als Realist, der sich optimistischen wie pessimistischen Beurteilungen verweigert. Nichtsdestotrotz gibt er zu bedenken: "Technologie ist nicht deterministisch!" Er beschreibt, dass die USA und China in der Forschung zu AI die Europäer längst abgehängt haben und dass diese sich klar auf die Nutzung von künstlicher Intelligenz zum Vorteil von Marken und Regierungen konzentrieren. Von Europa wünscht er sich daher, nicht den Weg der anderen zu kopieren, sondern neue Technologien zum Wohle der Menschheit zu nutzen.

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Andy Puddicombe schafft Platz im Kopf

Andy Puddicombe
Andy Puddicombe (Foto: Benner)

Ein weiteres, (ent)spannendes Highlight war der Auftritt von Andy Puddicombe. Der ehemalige Mönch und Betreiber der Meditations-App Headspace lud zu einer einleitenden Meditationsrunde, um mit den Klischees rund ums Meditieren aufzuräumen. Es gehe eben nicht darum, an nichts zu denken, sondern seine Gedanken zu ordnen, zu strukturieren und sich ihrer bewusst zu werden.

Dadurch ­– der Name der App ist die beste Definition – entstehe Platz im Kopf. Durch diese Ordnung werden Meditierende sich ihrer selbst bewusst. Meditation mache beispielsweise nicht müde, man realisiere aber seine generelle Müdigkeit. Sie mache nicht nachdenklich, aber man erkenne die Fülle seiner eigenen Gedanken.

Sympathisch zeigte sich Puddicombe auch im anschließenden Gespräch mit Westermeyer – insbesondere hinsichtlich seines Führungsstils. Wie oft er im Büro sei? Vielleicht einen Tag die Woche, um an wichtigen Meetings teilzunehmen. Wisse er, wie viel Umsatz sein Unternehmen überhaupt mache? Fehlanzeige. Seine Leidenschaft sei es, im Studio zu sitzen und das Produkt für den Konsumenten besser zu machen – der vielleicht beste, wenn nicht einzige Kommentar zu Consumer Centricity auf den OMR19.

Du willst mehr über Marketing-Strategien erfahren? Auf der Munich Marketing Week erfährst du, was mit den oder trotz der Online-Riesen möglich ist.

Marketing durch und durch

Tatsächlich dreht sich alles ums Verkaufen, inhaltlich wie peripher – bei diesem Publikum wenig überraschend. H.P. Baxxter von Scooter, der im Gegensatz zu den Veranstaltern "noch nie über Zielgruppen nachgedacht" habe, bekommt zunächst einen Jägermeister serviert.

Red Bull-Dosen drängen sich beiläufig auf der Leinwand in den Vordergrund und selbst die in der Branche immer noch beachtliche Zielgruppe der Raucher wird nicht außer Acht gelassen: So befinden wir uns auf der ersten Konferenz, auf der überall Marlboros Iqos-Zigarrettenverdampfer erworben und gepafft werden dürfen.

Auch die Vorträge der beiden großen Player erinnern mehr an eine Werbeveranstaltung. Google in Gestalt des Europa-VPs Philipp Justus und Facebooks Global VP für Global Agency Development, Patrick Harris, nutzten ihre Vorträge für politische Reden, in denen sie sich jeweils als Hüter der Privatsphäre inszenierten.

Eine perfekt organisierte Branchenparty

Viele der Vorträge hätten das Potenzial gehabt, auch einmal den Branchen-Wehwehchen auf den Zahn zu fühlen. Dies ist vielleicht der einzige Kritikpunkt. Denn das Vertrauen der Menschen in Werbung, in die großen Media-Plattformen wie Google und Facebook sowie in Marken überhaupt, schwindet. Neue Technologien werden das alleine nicht lösen können. Ein "Alles ist super und wird noch besser!" greift oftmals zu kurz.

Daher bringt Hamburgs Oberbürgermeister Peter Tschentscher den Zweck dieser alljährlichen Zusammenkunft vielleicht am besten auf den Punkt: "Das ist keine Messe, das ist keine Konferenz. Das ist eine Party hier!" – und keine schlechte. Gutes Essen, jede Menge Drinks, Live Shows von Scooter, Casper und Marteria – und vom Check-in bis zur Bratwurst so gut wie keine Wartezeiten!

Wir können einen Rückblick auf die OMR19 nicht abschließen, ohne ein Riesenlob an die Veranstalter auszusprechen, die 50.000 Besuchern eine Super-Zeit bereitet haben. Na gut, das WLAN... aber wer braucht schon WLAN, wenn es Freibier gibt?

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Über den Autor: Patrick Benner führt seit über 20 Jahren die Digital-Agentur Artus interactive in Frankfurt als Inhaber. Als Experte für digitale Markenführung betreut er dabei internationale Kunden wie Procter & Gamble, De'Longhi und Henkell.

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