Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Alex Tew Lucas Fladzinski All Rights Reserved
Alex Tew ist gleich mehrfach gelungen, wovon viele nur träumen können: Er ist Millionär (Bild: Lucas Fladzinski All Rights Reserved)
OMR App

Von der "Million Dollar Homepage" zum App-Millionär

Mit 21 Jahren wurde der Brite Alex Tew Millionär. Er hatte eine Million Pixel auf seiner Webseite verkauft, um sich die Uni leisten zu können. Danach war lange nichts von ihm zu hören. Bis Tew mit der App "Calm" wieder auf der Bildfläche erschien und zum Multimillionär wurde.

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Mit 21 Jahren wurde der Brite Alex Tew Millionär. Er hatte eine Million Pixel auf seiner Webseite verkauft, um sich die Uni leisten zu können. Danach war lange nichts von ihm zu hören. Mittlerweile ist er wieder Millionär – nur etwas nachhaltiger. Seine Meditations-App "Calm" wurde von Apple 2017 zur App des Jahres gekürt und soll 60 Mio. US-Dollar, das sind knapp 51 Mio. Euro, Jahresumsatz machen.

Im Kinderzimmer fing alles an...

Alex Tew sitzt 2005 als 21-Jähriger in seinem Kinderzimmer im englischen Wilshire und überlegt, wie er den teuren "Business Management"-Kurs an der Nottingham University bezahlen soll. Statt nebenher als Kellner zu arbeiten, fasst er einen anderen Plan: "Ich hatte überhaupt kein Geld und machte mir Sorgen um meine Ausbildung. Ich habe über diesen vollkommen verrückten "Get Rich Quick"-Plan nachgedacht, der dann ein Eigenleben entwickelt hat“, sagt Tew zur BBC.

The Million Dollar Homepage  Own A Piece Of Internet History
50 US-Dollar, etwas mehr als 42 Euro, hat Alex Tew für die Domain "milliondollarhomepage.com" bezahlt (Screenshot: The Million Dollar Homepage)

Er sichert sich die URL milliondollarhomepage.com für 50 US-Dollar (aktuell etwas mehr als 42 Euro) und baut ein Feld mit 1.000 mal 1.000 Pixeln. Er verkauft jeden Pixel für einen US-Dollar, jeweils mindestens als 10×10-Pixel großes Banner (für 100 US-Dollar). Zuerst kaufen Freunde und Familie insgesamt 4.700 Pixel. Von dem so eingesammelten Geld engagiert er eine PR-Agentur. Kurze Zeit später berichten die BBC und der Guardian. Die Seite geht daraufhin viral. Anfang 2006 hat er alle Banner-Plätze verkauft und eine Million US-Dollar verdient (circa 850.000 Euro). Unter den Werbepartnern ist damals etwa die britische Times, größtenteils werben jedoch Online-Casinos und Webhoster auf der Seite.

Anzeige

Die Leere nach dem Erfolg

"Erfolg kann auch schlecht sein und dich die falschen Dinge lehren", sagt Tew gegenüber The Hustle. "Ich habe nur über Ideen nachgedacht, die Aufmerksamkeit bringen, statt echten Mehrwert."

Zwischen 2006 und 2010 startet er verschiedene Projekte, die ausschließlich von der Bekanntheit der "Million Dollar Homepage" profitieren sollen. Darunter zum Beispiel Pixelotto, die nach dem gleichen Prinzip funktionierte. Mit dem Unterschied, dass Advertiser zwei statt einem US-Dollar pro Pixel zahlen mussten. Ein Glücklicher Pixel-Käufer sollte dann am Ende die Hälfte des Seitenumsatzes – also eine Million US-Dollar – bekommen. Für Tew sollte die gleiche Summe herausspringen.

"Niemand will etwas über den Typen wissen, der mal eine Million verdient hat und am Ende depressiv wurde." Alex Tew, Gründer von Calm

Pixelotto scheint genauso wie seine weiteren Seiten OneMillionPeople oder PopJam gescheitert zu sein. Nach diesen Misserfolgen zieht Tew 2010 nach San Francisco und arbeitet für den Incubator Monkey Inferno seines Freundes Michael Birch. Nach eigener Aussage schläft Tew zu der Zeit schlecht und kann sich kaum auf die Meditationen konzentrieren, die er eigentlich täglich macht. "Niemand will etwas über den Typen wissen, der mal eine Million verdient hat und am Ende depressiv wurde", sagt er. Also überlegt Tew, wie er aus seinem Wissen über Meditation ein Geschäftsmodell machen kann.

Aus einer einfacher Webseite wird die App des Jahres

Das Ergebnis ist donothingfor2minutes.com, eine einfache Seite mit Timer. Die Nutzer werden aufgefordert, zwei Minuten nichts zu machen; bewegen sie die Maus, startet der Timer von vorn. Schon in der Zeit rund um 2010 kämpfen viele Internetnutzer mit Reizüberflutung und suchen im Netz gleichzeitig nach Pausen für ihr Hirn. Bis heute kommt die Seite laut dem Analyse-Tool Similar Web regelmäßig auf über 160.000 Visits im Monat. 2012 fasst Tew dann den Plan, ein professionelles Business aus der Idee zu machen. Am besten mit einer App.

Die Idee in seinem Kopf nennt er "Calm" – eine App, die einem helfen soll, zur Ruhe zu kommen. Doch zu Beginn habe kein Investor Interesse gezeigt: "Es war schwer, eine erste Investitionsrunde auf die Beine zu stellen, weil es ein komplett anderes Projekt war und auch ein komplett anderes Business. Das Projekt war nicht extrem technisch – obwohl es viele technische Aspekte beinhaltete", sagt Tew. "Wenn Menschen sagen, die Idee ist irgendwie komisch oder 'Das versteh ich nicht', kann das eine gute Sache sein. Und ich wusste, dass es das Richtige war."

In zwei Seed-Runden sammeln er und sein Co-Gründer Michael Acton Smith dann bis 2014 knapp 1,5 Mio. US-Dollar ein (1,27 Mio. Euro) und starten die App "Calm".

60 Mio. Euro Umsatz?

Die App in ihrer heutigen Form (die Webseite funktioniert ähnlich) verspricht gegen Angstzustände, Stress und Schlafstörungen zu helfen und soll den Nutzer beim Aufbau von Selbstwertgefühl, Glück, Fokus und Dankbarkeit unterstützen. Dabei sollen zum Beispiel Meditationsübungen und Schlafgeschichten helfen. Eine zufällige Übung pro Tag soll die Nutzer immer wieder in die App ziehen. Spannender als die Funktionen ist aber das Geschäftsmodell: Subscriptions. Nach einer nur siebentägigen Testphase zahlt jeder Nutzer knapp 50 Euro pro Jahr. Wer die Testphase starten will, muss einwilligen, dass das Abo nach sieben Tagen automatisch beginnt.

Calm
Alex Tews App wurde 2017 von Apple zur App des Jahres gekrönt (Bild: Calm)

2013, im ersten Jahr des Bestehens macht Calm 100.000 US-Dollar Umsatz (circa 85.000 Euro). 2015 liegt sind es bereits zwei Mio. US-Dollar (circa 1,7 Mio. Euro). Die Vermutung: 2016 hat die US-Präsidentenwahl Meditations-Apps einen Schub gegeben und den Umsatz von "Calm" auf sieben Mio. US-Dollar (circa 5,94 Mio. Euro) steigen lassen.

Der große Durchbruch gelingt dann aber durch eine Auszeichnung: Apple prämiert "Calm" in den USA als App des Jahres 2017 – in der schwierigen App-Ökonomie ein Download-Bringer inklusive prominenter Platzierung im App Store. 2017 schnellt der Umsatz deshalb auf etwa 40 Mio. US-Dollar (knapp 34 Mio. Euro) – die Zahl wurde später auf 60 Mio, US-Dollar (circa 51 Mio. Euro) erhöht. Bei 20 involvierten Mitarbeitern dürfte das Unternehmen profitabel arbeiten.

Viel Konkurrenz auf dem Meditations-Markt

"Calm" hat mittlerweile etwa 600.000 Subscriber und vor Kurzem eine Investition von über 25 Mio. US-Dollar (circa 21 Mio. Euro) eingesammelt – von der bekannten VC Insight Venture Partners. Damit wäre "Calm" insgesamt 250 Mio. US-Dollar (knapp 212 Mio. Euro) wert.

Der nächste Schritt soll jetzt der Verkauf physischer Produkte über die Webseite und App sein. Das soll den Weg zu einer riesigen Meditations-Consumer-Brand ebnen. Schon heute verkauft das Unternehmen 30 US-Dollar teures Schlaf-Spray, das auf das Kissen gesprüht wird und einen tieferen Schlaf bringen soll. Auch das Buch "Calm" gibt es bereits im Handel. Weitere Bücher aber auch "Calm"-Kleidung, ein "Calm"-Hotel oder eine "Calm"-Insel seien geplant.

Und "Calm" darf sich tatsächlich nicht ausruhen. Auf dem Markt der Meditations-Anwendungen tummeln sich mittlerweile mehrere große Player. Headspace etwa konnte unlängst eine Investitionsrunde über 37 Mio. US-Dollar vermelden (das sind etwas mehr als 31 Mio. Euro). Und war Anfang 2017 so viel Wert wie Calm heute.

Dann wäre da noch Simple Habit, ein Unternehmen aus dem bekannten Inkubator Y Combinator, in das gerade 2,5 Mio. US-Dollar (entspricht 2,12 Mio. Euro) investiert wurden. Dazu kommen Apps wie Buddhify, Insight Timer und Digipill. In Deutschland ist vor allem 7Mind bekannt. Es dürfte also für Tew und seinem Co-Gründer Michael Acton Smith nicht ganz so einfach werden, das von ihnen erdachte Milliarden-Unternehmen inklusive eigener Insel zu verwirklichen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei den Online Marketing Rockstars.

Anzeige
Anzeige
Verlagsangebot
Anzeige
Anzeige
Aktuelle Stellenangebote
Alle Stellenangebote