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21062018 Vreni Innen
© Instagram/Vreni Frost
Influencer Marketing Recht Influencer

Neue Runde im #Abmahngate

„Es ist eine Ohrfeige für alle Medienmacher.“ Das schreibt Bloggerin Vreni Frost auf ihrer Website nach dem gegen sie gefällten Urteil. LEAD sprach mit der Influencerin über ihren Kampf gegen die Abmahnwelle.

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Es ist eine Ohrfeige für alle Medienmacher.“ Das schreibt Bloggerin Vreni Frost auf ihrer Website. In ihrem Kampf gegen die Abmahnwelle auf Instagram gab es jüngst ein erstes Urteil. Einstweilige Verfügung. Vreni Frost muss alle ihre Beiträge kennzeichnen, sobald sie Marken oder Unternehmen auf ihren Instagram-Kanal markiert. „Das Urteil hat mich erschüttert.“

Aber erst einmal von vorn: Vreni Frost bloggt seit fast einem Jahrzehnt im Internet, sie ist gut vernetzt und macht sich schon immer stark für eine klare Kennzeichnung von Werbung. In Blogposts erklärte sie, worauf man bei Werbung achten muss, nutzte ihre Reichweite für Aufklärung. Bezahlte Beiträge auf dem Blog sowie auf Instagram wurden bei ihr immer gekennzeichnet, Empfehlungen ihrerseits jedoch nicht. „Ich sehe das als redaktionelle Handlung.“ Abgemahnt wurde sie aber dann doch. Vom Verband Sozialer Wettbewerb.

Das sagt die betroffene Bloggerin

Im März flatterte Vreni Frost ein Brief ins Haus, in dem sie für drei Bilder auf Instagram abgemahnt wurde. Auf diesen Fotos hatte sie Marken vertaggt. „Ich tagge im Normalfall alles, da das Vernetzen für mich Teil des Internets ist. So findet man spannende Personen, neue Marken und andere Accounts.“

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Auch die abgemahnten Bilder zeigten ausschließlich Produkte, für deren Präsentation Vreni Frost kein Geld erhalten hatte. „Ich persönlich fand es erst einmal völlig absurd, dass man mir unterstellt, dass alles, was ich zeige, Werbung sein soll.“ Das Problem: Eine klare Rechtsprechung gibt es in Deutschland nicht, entschieden wird momentan von Einzelfall zu Einzelfall. Vreni Frost entschied sich, die geforderte Unterlassungserklärung nicht abzugeben und einen Anwalt zu suchen. Der Fall landete vor Gericht.

Wenige Wochen nach dem Prozess fiel nun das Urteil: eine einstweilige Verfügung. Vreni Frost darf keine Bilder mehr taggen, ohne sie als Werbung zu kennzeichnen. „Mich hat das Urteil erschüttert“, sagt die Bloggerin. Das Urteil bedeute für sie, dass ihr journalistisches Arbeiten und Pressefreiheit abgesprochen werden. „Es muss möglich sein, Meinungsfreiheit zu haben – egal, ob man jetzt tiefgründige Sachen postet oder eben Beauty, Mode und sonstige Lifestyle-Themen.“ Auch Frauenmagazine würden Produkte am laufenden Band in positivem Kontext besprechen – und es nicht als Werbung kennzeichnen.

Das sagt der Anwalt

Auch Rechtsanwalt Christian von Strobl-Albeg von der Kanzlei Löffler-Wenzel-Sedelmeier in Stuttgart sieht das Urteil kritisch. „Der Verband Sozialer Wettbewerb hat in einem weiteren Verfahren vor dem Landgericht Berlin gegen eine in Anspruch genommene Influencerin obsiegt.

Nach Auffassung der Richter handelt es sich bei den beanstandeten Posts durchweg um Werbung: „Die … Instagram-Posts der Antragsgegnerin sind… geschäftliche Handlungen zur Förderung fremder Unternehmen. Daneben handelt die Antragsgegnerin mit ihrem Instagram-Auftritt auch zur Förderung ihres eigenen Unternehmens. Hierzu werden Produkte zu kommerziellen Zwecken präsentiert und deren Herkunft benannt. Bei den verfahrensgegenständlichen Posts kann eine möglicherweise vorhandene private Motivation nicht sauber von der zweifelsohne vorhandenen gewerblichen Motivation getrennt werden. Diese nicht vorhandene Trennschärfe, die die Posts für manche Beobachter privater erscheinen lässt als diese tatsächlich sind, macht es für Unternehmen besonders attraktiv, wenn ihre Waren dort präsentiert werden.“

Bei der Formulierung eines solchen Generalverdachts ist es ein schwacher Trost, wenn die Kammer im Tenor in geringfügiger Weise vom Antrag des VSW abweicht, um es der Antragsgegnerin selbst zu überlassen, Wege zu finden, die aus einem Verbot hinausführen.“

Crowdfunding für Gerechtigkeit

Vreni Frost hat sich entschieden, sich noch nicht geschlagen zu geben. „Ich werde gegen das Urteil vorgehen und hoffe, in der nächsten Instanz ein faires Urteil zu bekommen.“ Damit sie sich den Prozess leisten kann, hat ihr Freund eine Crowdfunding-Seite eingerichtet, viele Blogger-Kollegen, Follower und Geschäftspartner unterstützen sie bereits. Es geht um mehr als nur einen Einzelfall. Eine ganze Branche ist in Aufruhr. „Das ist zum Teil auch problematisch“, sagt Vreni Frost. „Dadurch, dass es keine klare Rechtssprechung gibt, kursiert wahnsinnig viel gefährliches Halbwissen über eine richtige Werbekennzeichnung.“

Das soll sich aber ändern. Vreni Frost hofft auf einen guten Ausgang. „Ich wünsche mir eine faire Rechtssprechung, die uns Online-Medienmachern weiterhilft, redaktionell zu arbeiten und Transparenz zu schaffen.“ Werbung und Inhalte sollen auch auf Instagram weiterhin klar getrennt sein. Genau wie in anderen Publikationen.

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Die neue LEAD ist da!

Der Fall Vreni Frost ist auch Teil der aktuellen Print-LEAD. Influencer gehören mittlerweile zum Marketing-Alltag. Zahlreich sind aber auch die Fallstricke, die nicht selten zu rechtlichen Auseinandersetzungen führen. In der aktuellen Ausgabe der LEAD zeigen wir, wie Unternehmen und Influencer erfolgreich zusammenarbeiten.

LEAD 02/18 erhältst du ab sofort am Kiosk, als E-Paper oder im Abo. Weitere Online-Geschichten zum Thema findest du auch unter #InfluencerMarketing.

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