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Zum 14. September treten Änderungen der Zahlungsdiensterichtlinie in Kraft (Bild: Fotolia-Billionphotos)
Online-Shopping Recht Gesetz

Neue PSD2-Richtlinie: So verändert sich der Zahlungsverkehr in der EU

Zum 14. September 2019 treten Änderungen der Zahlungsdiensterichtlinie in Kraft. Ferry Hötzel von Shopify erklärt, wie der Schutz der Kunden damit weiter gestärkt wird – und worauf Händler künftig achten müssen.

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Die überarbeitete Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) reguliert die Zahlungsverkehr-Branche in der Europäischen Union. Konkret soll durch diese EU-Richtlinie die Sicherheit im Zahlungsverkehr erhöht, der Verbraucherschutz gestärkt, Innovationen gefördert und der Wettbewerb gesteigert werden. Bereits zum 13. Januar 2018 trat ein Teil der EU-Richtlinie in Kraft.

Damals wurde unter anderem die Haftungsobergrenze auf 50 Euro bei Kartenmissbrauch gesenkt, zusätzliche Gebühren beim Bezahlen mit den meisten Kreditkarten abgeschafft und der Anwendungsbereich auf Zahlungen mit Staaten außerhalb der EU und in Fremdwährungen erweitert. Am 14. September treten weitere Änderungen der PSD2 in Kraft. Ferry Hötzel von Shopify – einer Software, mit der weltweit über 800.000 Unternehmen ihre Onlineshops gestalten, einrichten und verwalten – erklärt, was es damit auf sich hat.

LEAD: Was ändert sich am 14. September genau?

Ferry Hötzel: Eine der größten Änderung ist der nochmals erhöhte Schutz der Kunden, die mit Kreditkarten oder anderen Zahlungsmethoden online einkaufen.

LEAD: Wie wird der Kundenschutz konkret mit der PSD2-Richtlinie gestärkt?

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Ferry Hötzel: Ab September müssen Online-Händler sicherstellen, dass ihr Bezahlprozess die Vorgaben der sogenannte Strong Customer Authentication (SCA) einhält. Konkret bedeutet dies: Wenn ein Kunde online mit seiner Karte oder anderen Zahlungsmitteln, wie zum Beispiel PayPal, etwas kauft, fordert die SCA unter Umständen zwei Arten der Authentifizierung.

Zum Beispiel wird der Kunde bei der SCA aufgefordert, zusätzlich zu seiner PIN oder seinem Passwort einen Code, der von der Banking-App generiert wird, als zweiten Schritt einzugeben. Dadurch werden betrügerische Transaktionen in den allermeisten Fällen unterbunden.

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LEAD: Was ändert sich für die Kunden konkret?

Ferry Hötzel: Jede Online-Zahlung muss mit Inkrafttreten der PSD2 durch die SCA bestätigt werden. Eine Authentisierung erfolgt nur, wenn der Kunde sich über zwei der drei definierten Merkmale identifiziert. Diese Merkmale müssen aus den Bereichen Wissen (Passwort, Pin), Besitz (Kontokarte, Smartphone, Token) und Inhärenz (Irisscan, Fingerabdruck, Stimme, Bewegungsmuster) stammen.

Die geläufigste SCA ist für viele vermutlich die Kombination von Kontokarte und Pin. Kunden sollen so beweisen, dass ausschließlich sie selbst hinter der Zahlung stecken. Banken werden ihren Kunden unterschiedliche Möglichkeiten anbieten, diesen Nachweis zu erbringen: Neben der Kreditkartennummer und der Sicherheitsnummer auf der Rückseite der Karte kann die Bank beispielsweise zusätzlich ein Passwort, eine TAN oder eine Bestätigung per Fingerabdruck verlangen.

LEAD: Welche technischen Voraussetzungen sind zu erfüllen?

Ferry Hötzel: In vielen Fällen wird das Bezahlen im Internet mit Kreditkarte oder anderen Zahlungsmitteln zukünftig nur funktionieren, wenn die Kunden den Kauf in einer App bestätigen. Wer das nicht will oder kein Smartphone hat, muss seine Einkäufe dann anders bezahlen, zum Beispiel per Rechnung oder Lastschrift.

LEAD: Wie können sich Kunden vor dubiosen Drittanbietern schützen?

Ferry Hötzel: Drittanbieter unterstehen in Deutschland mit Inkrafttreten der neuen EU-Richtlinie der Aufsicht und Kontrolle der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die BaFin hat eine Liste der zugelassenen Drittdienstleister auf ihrer Website veröffentlicht. Es gibt daher keinen Grund zur Sorge, denn unseriöse Drittanbieter werden von Beginn an vom Markt ausgeschlossen.

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Ferry Portrait
Ferry Hötzel ist Produktmanager für Deutschland bei Shopify. (Bild: Shopify)

LEAD: Was ändert sich für die Händler?

Ferry Hötzel: Auf den Händler kommt im Prinzip keine Arbeit zu, da alle Zahlungsanbieter wie Klarna, PayPal oder Shopify Payments darauf achten müssen, dass sie die Anforderungen von PSD2 und SCA einhalten. Die Händler haben also keine technischen Voraussetzungen. Sie müssen nur sicherstellen, dass sie ein Beschwerdeportal zu Verfügung stellen.

LEAD: Unter den Händlern sind Bedenken zu spüren. Sind diese gerechtfertigt?

Ferry Hötzel: Die neue Richtlinie wird sich auf europäische Einzelhändler aller Größen auswirken und sorgt daher für große Unsicherheiten bei allen Betroffenen. Natürlich kann es sein, dass es zu Beginn zu vereinzelten Startschwierigkeiten kommt. Allerdings sind wir gut auf die Umstellung vorbereitet und arbeiten eng mit unseren Partnern zusammen, um sicherzustellen, dass dieser Übergang so reibungslos wie möglich verläuft.

LEAD: Welche Bedeutung hat die PSD2 für den Online-Handel allgemein?

Ferry Hötzel: Der Online-Handel erhält durch die PSD2 endlich eine allgemeingültige und rechtskräftige Grundlage, die ihn vom “Nebenprodukt” des stationären Handels endgültig zu einer eigenständigen Säule des Handels macht.

Bessere Sicherheitsstandards und eine Belebung des Wettbewerbs durch Drittanbieter machen den Online-Handel noch attraktiver und werden sicherlich auch zu neuen Kundengruppen führen. Mit den erhöhten Sicherheitsbestimmungen für Onlinekunden und mehr Raum für Innovationen im europäischen Zahlungsverkehr kann das Potenzial des E-Commerce in Europa noch weiter ausgeschöpft werden.

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