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In Zusammenarbeit mit Marina Hoermanseder, einer der bekanntesten österreichischen Fashion-Designerinnen, entwarf Julia Körner dieses außergewöhnliche Strap-Korsett (Bild: Marina Hoermanseder)
3D Druck Mode Digitalisierung

Mode aus dem 3D-Drucker: „Die Ästhetik ist einzigartig“

Julia Körner hat die Möglichkeiten der 3D-Drucktechnologie so früh erkannt wie kaum jemand vor ihr. Mit LEAD hat die österreichische Designerin über die unglaublichen Möglichkeiten des 3D-Drucks gesprochen.

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Julia Körners Werke wurden schon im Metropolitan Museum of Art gezeigt, sie arbeitete für eines der größten Haute-Couture-Modehäuser in Paris, hat ihr eigenes Label JK gegründet und Kostüme für den Blockbuster „Black Panther“ entworfen.

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Julia Körner hat sich auf den 3D-Druck in der Mode spezialisiert und mit diesem Verfahren schon große Erfolge gefeiert (Bild: Pia Clodi)

LEAD: Sie sind Architektin, Produkt- und Modedesignerin. Wie passen diese unterschiedlichen Disziplinen zusammen und welche Rolle spielt der 3D-Druck dabei?

Julia Körner: Schon in meinem Studium habe ich mit dem international bekannten Produktdesigner Ross Lovegrove zusammengearbeitet. Dabei ging es darum, digitale Fertigungsmethoden und Prozesse in das Produktdesign zu integrieren. Dieses Potenzial haben Produktdesigner und ich früh erkannt. So bin ich auch in die Mode gekommen. 2011 sind die ersten Fashion Designer an mich herangetreten und haben gefragt: Wie könnten wir den 3D-Druck in die Mode bringen?

Die niederländische Designerin Iris van Herpen hat schon 2010 ihre ersten Kleider aus dem 3D- Drucker auf den Laufsteg gebracht und dafür mit dem Architekten Daniel Widrig zusammengearbeitet. Was können Architekten, was Designer nicht können?

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Körner: Die meisten Designs, die in voller Gänze 3D-gedruckt sind, stammen von Architekten. Dem geht ein Grundwissen an dreidimensionalem Vorstellungsvermögen voraus und die Computerkenntnisse, die man zur Umsetzung braucht. Die Modedesigner lernen in ihrer Ausbildung sehr wenig über 3D-Druck und digitale Designverfahren. Es fehlt das Wissen, wie man am Computer überhaupt designen kann und wie man ein dreidimensionales File erstellt.

  • 3 D Printed Hybrid Holism Dress Julia Koerner Iris Van Herpen 2012 Michel Zoeter
    In Zusammenarbeit mit der Modedesignerin Iris Van Herpen entstand dieses atemberaubende Kleid im 3D-Druck. „Man kann dadurch eine Ästhetik generieren, die man mit keiner anderen Technik erreichen kann“, so Julia Körner (Bild: Michel Zoeter)
  • 3 D Printed Bio Piracy Dress Julia Koerner Iris Van Herpen 2014 Michel Zoeter
    Das etwas andere Cocktailkleid: Auch dieses schulterfreie Mini-Dress mit Federstruktur entstand in Zusammenarbeit mit Iris Van Herpen (Bild: Michel Zoeter)
  • 3 D Printed Voltage Dress Julia Koerner Iris Van Herpen 2013 Boy Kortekaas
    Nahaufnahme eines High Fashion-Kleids: „Die Möglichkeiten, die der Designprozess mit sich bringt, sind enorm“, sagt Julia Körner. Mit ihren eigenen Ready-to-Wear-Kollektionen möchte die Designerin die 3D-Mode mehreren Menschen zugänglich machen (Bild: Boy Kortekaas)

Sie haben schon mit der österreichischen Designerin Marina Hoermanseder sowie für eines der größten Modehäuser in Paris gearbeitet, das 2015 eine komplett 3D-gedruckte Kollektion herausgebracht hat. Wie kann man sich die Zusammenarbeit vorstellen?

Körner: Es ist nicht so, dass der Designer die Idee hat und man das dann 1:1 umsetzt. Der Computer generiert das nicht alleine, da ist man auch selbst künstlerisch tätig. Bei Marina Hoermanseder war es so, dass wir beide eine Idee hatten, die wir umsetzen wollten. Es ging um traditionelle Smocking-Technik, also Stickmuster und wie man diese digitalisieren kann. In der Praxis sind wir einfach zwei Designer, die zusammenarbeiten. Das 3D-Design wird dann an eine spezielle Firma geschickt, die es ausdruckt.

Wie weit verbreitet ist der 3D-Druck heute in der Mode?

Körner: Noch ist es etwas sehr Spezielles. Viele meiner Arbeiten wurden bei großen Ausstellungen oder im Metropolitan Museum in New York gezeigt. Das sind eher Kunstobjekte im Haute-Couture-Bereich und weniger in der tragbaren Mode. Die Frage, die sich derzeit viele stellen, lautet: Wie kann man den 3D-Druck auch für Ready-to-wear entwickeln? Unter meinem eigenen Label JK Design habe ich 2015 meine erste Kollektion „Sporophyte“ herausgebracht und im vergangenen Jahr die „Iceland“-Kollektion. Manche Elemente sind nur 3D-gedruckt und andere kombiniert mit normalen Stoffen wie Leder oder Seide. Dadurch habe ich Designs kreiert, die viel tragbarer sind: Handtaschen, Ketten, Westen, Jacken und Röcke.

  • Julia Koerner Iceland Collection Kelp Swimsuit Photography By Pia Clodi 14
    Nicht wasserscheu: Die 3D-Struktur des „Kelp“-Bikinis von Julia Körner kann auch eine kühle Erfrischung gut vertragen. Hergestellt wurde das Fashion Piece mit der SLS-Technologie (Bild: Pia Clodi)
  • Julia Koerner Iceland Collection Kelp Skirt Bracelets Photography By Pia Clodi 13
    Die spannenden 3D-Strukturen in Schwarz kommen auf dem weißen Lederrock besonders schön zur Geltung (Bild: Pia Clodi)
  • Julia Koerner Iceland Collection Kelp Bag Skirt Photography By Pia Clodi 6
    Für die "Kelp"-Tasche ließ sich die Designerin von den Strukturen getrockneter Braunalgen inspirieren, die sie an einem Strand in Malibu entdeckt hatte (Bild: Pia Clodi)
  • 3 D Printed Hymenium Jacket Sporophyte Collection Julia Koerner 2015 Ger Ger For Schoe N 003
    Ein kleines Jäckchen mit großer Ausstrahlungskraft: Das "Hymenium"-Jacket aus der Sporophyte-Kollektion von Julia Körner (Bild: Ger Ger für SCHÖN!)

Wie reinigt man Ihre 3D-Kleidungsstücke eigentlich?

Körner: Wenn das Kleidungsstück nur aus 3D-Druck besteht, kann man es ganz leicht waschen, indem man es einfach unter fließendes Wasser hält. Wenn es kombiniert ist mit anderen Materialien wie Leder oder Seide, sollte es zum Dry-Clean-Verfahren in die Reinigung. Also in die Waschmaschine habe ich jetzt noch keines meiner Kleider gesteckt (lacht).

Welches Verfahren verwenden Sie am meisten?

Körner: Ich arbeite sehr viel mit SLS, Selective Laser Sinthering. Das ist ein Pulver-3D-Druckverfahren, bei dem man ein 3D-File an einen Drucker schickt, der dann in einer Pulverbox mit einem Laser Schicht für Schicht das Pulver miteinander verschmilzt. Am Ende wird die Form wie in einem archäologischen Prozess ausgegraben und übrig bleibt dieses dreidimensionale Objekt. Das wird dann nachbearbeitet, eingefärbt, steht für sich alleine oder kann mit anderen Materialien kombiniert werden. Das Grundmaterial ist immer Plastik, also polymerbasierende Materialien, die verschmolzen werden. Es gibt auch biologisch abbaubare Materialien, die ich bei meinem eigenen Drucker verwende, der nicht so High End ist. Damit kann ich auch mit PLA, also recyclebarem Plastik arbeiten. Da kommt dann auch der Nachhaltigkeitsaspekt dazu.

Was ist für Sie der besondere Mehrwert von 3D-gedruckter Kleidung?

Körner: Man kann dadurch eine Ästhetik generieren, die einzigartig ist und die man mit keiner anderen Technik erreichen kann. Dies war beispielsweise bei meinem Kleid „Venus“ der Fall, das ich 2016 entworfen habe. Meine Inspiration waren Tiefseeschwämme in den Ozeanen. Sie bauen ihre Strukturen so auf, dass sie in Richtung des Lichts wachsen und dafür nur genau so viel Material einsetzen, wie sie brauchen. Dadurch generieren sie Öffnungen und Muster, die beeinflusst sind von äußeren Einflüssen. Diese Struktur habe ich 3D-gescannt und dann versucht nachzubauen. Das Kleid sieht aus, als wäre die Schwammstruktur über den Körper gewachsen.

Das Kleid enthält auch Elemente aus einem abbaubaren PLA, das bei Temperaturunterschieden die Farbe verändern kann. Wenn sich die Person extrem freut wird der Körper heißer, dadurch verändert sich die Farbe und das Kleid kommuniziert an die Außenwelt, wie sich diese Person fühlt, ohne dass sie es direkt sagt.

Zu Ihrer Bekanntheit hat zuletzt der Blockbuster „Black Panther“ beigetragen, für den sie mit der Kostümdesignerin Ruth E. Carter das Kostüm der Königin Ramonda entworfen haben. Inwiefern eignet sich der 3D-Druck für solch aufwändige Filmproduktionen?

Körner: Die Möglichkeiten, die der Designprozess mit sich bringt, sind enorm. Mit dem 3D-Design ist es möglich, Dinge zu realisieren und zu visualisieren, die viel mehr dem Geist der Produktionen entsprechen. „Black Panther“ spielt beispielsweise in Wakanda, einem Königreich in Afrika, das im Hinblick auf Technologie wahnsinnig weit fortgeschritten ist. Da war es natürlich sinnvoll, das Kostüm der Königin mit solch modernen Herstellungsmethoden zu kreieren.

  • Costume Design Ruth Carter Black Panther Marvel Disney 2018 4
    Für den Science-Fiction-Film „Black Panther“ entwarf Julia Körner gemeinsam mit Kostümdesignerin Ruth E. Carter das Kostüm der Königin Ramonda (Bild: Marvel Disney)
  • Costume Design Ruth Carter Black Panther Marvel Disney 2018 6
    „Mit dem 3D-Design ist es möglich, Dinge zu realisieren und zu visualisieren, die viel mehr dem Geist der Produktionen entsprechen“, sagt Julia Körner (Bild: Marvel Disney)

Welche großen Vorteile sehen Sie noch im Hinblick auf den 3D-Druck in der Mode?

Körner: Hat man ein 3D-File erst einmal erstellt, kann man es danach vielfach ausdrucken und damit Massenindividualisierung generieren. Die Files lassen sich dann per 3D-Scan an andere Personen anpassen. Die Kleidergrößen, die wir seit fast schon 100 Jahren haben, passen einem ja immer nur ungefähr. Zudem würden Sweatshops, in denen Arbeiter ausgebeutet werden oder in denen sie mit giftigen Materialien hantieren müssen, in Entwicklungsländern hinfällig. Der Überholungsbedarf in der Modeindustrie liegt ja vor allem in der Art, wie Kleidung hergestellt wird.

Bei den hohen Zahlen der Retouren wäre auch die lokale Produktion ein Pluspunkt.

Körner: Genau. Das 3D-File kann über digitale Wege an einen beliebigen Ort verschickt und dort ausgedruckt werden. Natürlich wird in Zukunft nicht jeder einen eigenen High-End-Drucker zu Hause haben, davon sind wir noch weit entfernt. Aber es könnte Geschäfte geben, in denen diese Drucker stehen. Außerdem möchte ich die Wiederverwertbarkeit aufführen. Die Kleider können eingeschmolzen und zu neuen 3D-Druckkleidern verarbeitet werden. Es können auch recyclete Plastikflaschen in Filament verwandelt werden, mit dem man drucken kann und es gibt Forschungen zum Einsatz von Algen. Da wird ein kompletter Paradigmenwechsel möglich. Und das finde ich, abgesehen von den Designmöglichkeiten, eigentlich am spannendsten.

Wo sehen Sie hingegen noch Entwicklungspotenzial?

Körner: Wie kann man größere Maschinen designen, die mit flexiblem Material drucken können, wie kann man die Preise herunterschrauben und sie für den User zugänglich machen? Bisher eignen sich nur ganz wenige Materialien dazu, 3D-Mode zu designen. In dieser Richtung könnte noch viel mehr passieren. In New York gibt es Forschungen zur Herstellung von künstlichem Leder und es stellt sich die Frage, wie man nachhaltige Materialien herstellen kann. Auch, wenn manche Materialien heute schon biologisch abbaubar sind, ist der Herstellungsprozess nicht nachhaltig. Gerade, wenn man in Richtung Massenanfertigung denkt, wird das noch wichtiger werden.

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