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Kunst Zur Unternehmensbindung 1142207534 Getty Images
Während in Skandinavien Kunstworkshops als New-Work-Ansatz bereits etabliert sind, ist diese Form der Annährung an Arbeit in Deutschland noch neu (Foto: Getty Images)
Agentur New Work Unternehmenskultur

Mit Kunst zur Unternehmensbindung

Mit Menschen arbeiten und ihr Arbeitsleben verbessern - das ist Annalena Maas’ Ansatz. Mit ihrer Agentur perArt bietet sie Kunstworkshops in Unternehmen an. Das Ziel: Emotionen wecken, Bande knüpfen und kreativen Input finden – selbst in Branchen, in denen das tägliche Brot sehr trocken ist.

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Immer wieder klopfen die Männer auf Holz. Es ist laut, stickig und so gar nicht die Arbeit, die sie sonst gewohnt sind. Das Holz bröckelt, die kreative Arbeit nimmt Form an. Am Ende entstehen Druckvorlagen als Ausdruck für das eigene Unternehmen. Es ist ein abstraktes Bild, das entsteht. Geschafft, aber glücklich blickt die Gruppe auf ihr Werk.

Annalena Maas hat es vollbracht: Der Kunstworkshop hat die Männer nicht nur näher zusammengebracht, sondern auch ihren Blick auf die Firma und ihre Arbeit geschärft.

Per Art Annalena Maas Foto 5 Von Nic Schoelzel
Annalena Maas, Per Art (Foto: Nic Schölzel)

Die 33-Jährige verfolgt seit zwei Jahren mit ihrer Agentur perART einen New-Work-Ansatz. Nach ihrem Germanistik-Studium arbeitete sie als Regieassistentin am Schauspielhaus in Hamburg, anschließend studierte sie zum zweiten Mal. Diesmal Regie an der August-Everding-Universität in München. Während des Studiums inszenierte sie, jährlich sind es mindestens zwei Stücke.

Um sich den Luxus eines Zweitstudiums zu finanzieren, beginnt sie Theaterkurse in Unternehmen anzubieten - beispielsweise bei der Drogeriekette dm, dort ist Theater zur Persönlichkeitsentwicklung der Mitarbeiter*innen schon seit Jahren Teil der Ausbildung. Annalena Maas wird Teil der Künstler*innen-Gruppe, die diese Workshops leiten.

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"Nach dem Studium habe ich dann begonnen, als freischaffende Regisseurin zu arbeiten", erzählt die Wahl-Münchnerin. "Doch nach zwei Jahren ist mir die Theaterdecke auf den Kopf gefallen." Ihr fehlt der Austausch außerhalb der Szene. "Ich dachte nur, ich inszeniere hier für Leute, mit denen ich gar nicht mehr im Gespräch bin. Die Arbeit mit Laien, die theaterfremd sind, hat mir gefehlt."

Annalena Maas gründet perART. Eine Agentur, die nicht nur Schauspielworkshop, sondern das ganze Spektrum der Kunst anbietet. "Ich wollte alle Künste interdisziplinär anbieten, schließlich ist nicht für jeden die Bühne das richtige Medium."

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In Deutschland gilt immer noch der Sicherheitsgedanke

Während in Skandinavien Kunstworkshops als New-Work-Ansatz bereits etabliert sind, ist diese Form der Annährung an Arbeit in Deutschland noch neu. "In Skandinavien stellen sich die Menschen viel öfter die Frage: Bin ich glücklich in meinem Job? Oder: Was ist der Sinn hinter meiner Arbeit", sagt die 33-Jährige. In Deutschland sei der Sicherheitsgedanke noch verbreiteter. "Hauptsache, ich habe Geld."

Auch bei Unternehmen muss die Künstlerin Überzeugungsarbeit leisten. "Firmenchefs erwarten immer ein Ergebnis, doch das kann ich im Voraus natürlich nicht liefern. Nach meinen Workshops sind nicht automatisch danach alle Freunde." Vielmehr sei der Workshop ein Angebot an Emotionen, eine Arbeit mit und am Menschen. "Am Ende nimmt jeder was Anderes für sich mit."

Vor einem Workshop schaut sich die 33-Jährige das Unternehmen genauer an. Welche Herausforderungen stehen an, wo liegt vielleicht ein Problem? "Dabei erlaube ich mir, in alle Richtungen zu denken." Die Bandbreite der Kunstformen ist bei PreArt groß. Ob Musik, Fotografie, Tanz oder Schauspiel: Passend zur Gruppe wird die Kunstform ausgesucht.

Kreativität ist ein menschliches Grundbedürfnis, das in vielen Jobs vernachlässigt wird

Die Unternehmen, die perART-Workshops buchen, sind meist schon offener und zielgewandter. Ein Klima von Austausch sei oft bereits vorhanden. "Trotzdem sind die Mitarbeiter zu Beginn immer skeptisch. Ganz wichtig ist es dann zu sagen, dass wir hier jetzt nicht Theaterpädagogik machen, sondern jeder gucken kann, wie er mitwirken und was er im Workshop machen will." Niemand müsse über seine Grenzen gehen oder sich verbiegen. "Aber ich glaube, wir haben in unserem Alltag viel zu selten die Möglichkeit, uns kreativ auszuleben. Kreativität ist aber meiner Meinung nach ein menschliches Grundbedürfnis." Es werde nur allzu oft zuerst mit Verzicht gestraft.

"Ich arbeite immer mit den Menschen, so wie sie vor mir sind. Viele merken dann, wenn sie nichts müssen, geht es ihnen gut. Nach und nach treten sie dann doch aus ihrer Komfortzone heraus."

Bei jungen Menschen wie Auszubildenden muss Annalena Maas oft den Konflikt erst herausholen, der für den künstlerischen Prozess so wichtig ist. "Die jungen Menschen sind oft noch sehr bemüht, alles richtig zu machen und ihrem Arbeitgeber zu gefallen, dass konstruktive Kritik dauert. Wird sie dann aber im Rahmen des Workshops geäußert, entsteht positive Energie."

Bei älteren Teilnehmern steht die 33-Jährige eher vor der Herausforderung, die Menschen aus ihrer Reserve zu locken. "Die Frage: Warum? begegnet mir viel öfter." Hier müsse sie ordentlich vorbereitet sein, um gute Argumente zu liefern, warum doch. Außerdem arbeitet die Regisseurin gerne auch mit inklusiven Gruppen. "Es ist toll, wie sie die Menschen in den Workshops dann auf einer ganz anderen Ebene als des versehrten und unversehrten Körpers begegnen."

Sinnvermittlung und Teambildung als New-Work-Ansatz

Die Ziele der Workshops seien hingegen ganz unterschiedlich. Neben Teambildung ginge es auch um Mitarbeiterzusammenhalt. "In kopflastigen Firmen ist es wichtig, zu zeigen, du als Mitarbeiter wirst gesehen und gefördert." Aber auch die Sinnvermittlung und Nachwuchsförderung stehe in den Workshops von PreArt im Vordergrund.

"Firmen definieren sich auch immer öfter über Werte und vermitteln ihren Mitarbeitern so: Du bist mir wichtig."

Gerade Firmen in der Versicherungs- und IT-Branche profitieren von solchen Workshops, sagt Annalena Maas. "Das Produkt, das sie verkaufen und erstellen, hat oft sehr wenig mit ihnen als Mensch zu tun. Die Arbeitnehmer sind gestresst, sitzen aber die ganze Zeit am PC. Während dieser Arbeit wird ein großer Teil des Mensch-Seins gar nicht stimuliert. Mein Workshop bietet dann den Ausgleich."

Und Annalena Maas selbst? "Mir gibt dieser Job sehr viel." Zwar arbeite sie weiterhin als freie Regisseurin, doch das Weitergeben des künstlerischen Funkens mache ihr extrem viel Freude. "Ich bin Regisseurin geworden, weil ich die anderen Möglichkeiten des Lebens erzählen wollte. Jetzt öffne ich Türen, für das, was noch möglich ist und erlebe das sehr viel unmittelbarer. Das ist toll."

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