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"Mit Apple anmelden": Was bringt der neue Login-Dienst?

Mit iOS 13 hat Apple den neuen Login-Dienst "Mit Apple anmelden" an den Start gebracht. Google und Facebook bangen um ihre Werbeeinnahmen. LEAD erklärt Funktion, Kompatibilität, Sicherheits-Features und offene Kritikpunkte.

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Den 19. September haben Facebook und Google in schlechter Erinnerung: An diesem Tag hat Apple sein neues Betriebssystem iOS 13 für alle User zum Download freigegeben – und damit auch den neuen Login-Dienst "Mit Apple anmelden" an den Start gebracht. Ein Angebot, das viele Pläne von Facebook und Google durchkreuzt.

LEAD erklärt, wie "Mit Apple anmelden" funktioniert und warum der Dienst Platzhirschen wie Facebook und Google das Geschäft kaputtmachen kann.

Feastr Mit Apple Anmelden Option
Die App Feastr, ein Programm für bessere Ernährung, gehört zu den ersten Anwendungen, die "Mit Apple anmelden" implementiert haben (Screenshot: Gronau)

Was ist "Mit Apple anmelden"?

Ab sofort sind Entwickler neuer Apps in Apples App Store laut Apple-Guidelines angewiesen, den Dienst "Mit Apple anmelden" zu integrieren. Für Anbieter bestehender Apps ist die Integration zunächst freiwillig. Das Feature macht, was der Name verspricht: Statt sich in jeder App oder auf jeder Website mit seiner Mailadresse und (sicherheitshalber) mit jeweils einem eigenen Passwort einzuloggen, vereinfacht "Mit Apple anmelden" das Login-Prozedere. Benötigt wird von Apple-Kunden nur die schon vorhandene Apple-ID. Apple macht damit dem seit Jahren weitverbreiteten schnellen Login über Google ("Weiter mit Google") und Facebook ("Weiter mit Facebook") Konkurrenz.

Warum soll ich Apples Dienst nutzen, wenn es schon lange die Logins via Facebook und Google gibt?

Wer sich bisher mit Google oder Facebook anmeldet, gibt der jeweiligen App oder Website, auf der man sich derart einloggt, Zugriff auf Nutzerkonto und Daten. Diese Zusatzinformationen sind besonders hilfreich für die Geschäftsinteressen von Google und Facebook, da sie sich mit dem Google- oder Facebook-Konto des Einloggers verknüpfen lassen. So ist personalisierte und vor allem passende Werbung basierend auf dem User-Interesse möglich. Werbung, die Geld in die Kassen von Google und Facebook spült, da es deren Geschäftsmodell ist.

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Wer sich für "Mit Apple anmelden" entscheidet, lässt Google und Facebook links liegen und liefert dem jeweiligen App- oder Websitebetreiber nur den Namen und die Mailadresse, aber nicht mehr. Denn Apple sagt, man verkaufe die Daten nicht. Das Geschäftsmodell von Apple ist nicht die Werbung, sondern der Verkauf von Hardware.

Aber bei Apple muss ich doch auch meine private Mailadresse preisgeben?!

Alle User, die Apple vertrauen, können das machen, ja. Aber wer auch bei Apple ein Restrisiko sieht, erhält von dem Konzern die Option, vor dem Anmelden eine Wegwerf-Adresse aus einer anonymen Kombi aus Zahlen und Buchstaben erstellen zu lassen. Diese wird dann an die (unsichtbare) echte Mailadresse weitergeleitet. Apple rät, dass Nutzer gerade dann auf eine anonymisierte Apple-Wegwerfadresse setzen, wenn es sich um eher unbekannte App- oder Websiteanbieter handelt, bei denen man sich anmeldet. Diese Anonymisierung ist ein klares Unterscheidungsmerkmal zu den Login-Diensten von Google und Facebook. Ein Speichern von User-Aktivitäten oder ein Nachverfolgen ist laut Apple ausgeschlossen – im Gegensatz zum Tracking, das die beiden Konkurrenzunternehmen geschäftsmäßig betreiben.

Lässt sich eine solche Wegwerfadresse nicht entschlüsseln?

Nein, sie gilt als sicher, zumal du die Möglichkeit hast, diese Wegwerf-Adresse später noch einmal in eine neue Wegwerf-Adresse zu ändern. Die Anmeldung via Apple kann auch jederzeit widerrufen werden, so dass die Weiterleitung seitens Apple abgeschaltet wird. Wird das per Login mit "Mit Apple anmelden" erstellte Account-Konto beendet, stoppt Apple auch sofort die Weiterleitung der Mail.

Mail Mit Apple Anmelden
Private Mail oder Wegwerfmail nutzen: Mit Apples neuem Login kannst du entscheiden, worauf du setzen willst (Screenshot: Gronau)

Funktioniert "Mit Apple anmelden" nur im Apple-Ökosystem?

Nein. Eine Apple-ID mit Zwei-Faktor-Authentifizierung ist zwar immer erste Voraussetzung, doch "Sign in with Apple" (so der englische Name) funktioniert theoretisch auf allen Internetseiten, die den Dienst einbinden bzw. auch in Android- oder Windows-Apps – und damit nicht nur unter iOS und macOS. Apple erklärt für Nicht-Apple-Betriebssysteme das Prozedere so:

"Beim erstmaligen Anmelden werden Sie zur Eingabe eines Bestätigungscodes von Ihrem vertrauenswürdigen Apple-Gerät oder Ihrer Telefonnummer aufgefordert. Sehen Sie auf dem Gerät nach und geben Sie den Code ein. Im Internet können Sie diesen Schritt für 30 Tage nach Ihrer ersten Anmeldung überspringen, indem Sie dem gerade verwendeten Browser vertrauen."

Warum habe ich "Mit Apple anmelden" in meinen Apps noch nicht gesehen?

Der Dienst ist noch neu auf dem Markt und Entwickler müssen ihn erst implementieren. Eine der bekanntesten Apps neben der Ernährungs-App Feastr, die auf "Mit Apple anmelden" setzt, ist die Einkaufslisten-App Bring!. In den nächsten Wochen werdenn dir immer mehr Websiten und Apps begegnen, die neben dem Login via Google und Facebook auch das Login mit deiner Apple-ID anbieten.

Sign In With Apple
Apple präsentierte "Sign in with Apple" auch im Rahmen der Keynote (Screenshot: Gronau)

Ich bin Entwickler: Worauf muss ich bei der Einbindung achten?

Vorerst müssen nur komplett neue Apps, die erstmals in den App Store wollen, "Mit Apple anmelden" verbaut haben, um für den Store zugelassen zu werden. Für Bestands-Apps wird die Integration erst zum 1. April 2020 (kein Aprilscherz!) Pflicht.

Wird nach dem 1. April ein Update zu einer bereits im Store erhältlichen App eingereicht, ist "Sign in with Apple" eine Voraussetzung, damit das Update von Apple durchgewunken wird. Doch auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel: Die Integration muss nur dann erfolgen, wenn eine App für die Hauptanmeldung in der Anwendung auf einen Social-Login-Dienst wie Google oder Facebook setzt. Für Entwickler hat Apple auch eigens eine Sonderseite eingerichtet.

Gibt es auch Kritik an "Mit Apple anmelden"?

Ja, zum einen hat der Mailanbieter BlueMail, in Deutschland eher unbekannt, bereits Klage vor Gericht eingereicht. Die Macher hinter BlueMail behaupten, Apple hatte die Idee mit dem neuen Login-Dienst von BlueMail geklaut. Ins Spiel gebracht wird eine angebliche Patentverletzung seitens Apple. Außerdem, so die Betreiber, habe Apple BlueMail zwei Wochen vor dem Start von "Mit Apple anmelden", Zitat: "einfach so", aus dem App Store geworfen, um das eigene Produkt zu bevorzugen. Zudem gehen der Open ID Software Foundation die Sicherheitsmaßnahmen in "Sign in with Apple" noch nicht weit genug. In einem offenen Brief fordert OpenID ergänzende Sicherheitsmaßnahmen. Apple erklärte sich bereit, das Thema zu forcieren.

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