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Foto: Getty Images/Ryan Etter
Facebook Datenschutz DSGVO

Microtargeting: Dein Schatten im Netz

Die Affäre um Facebook und Cambridge Analytica zeigt, wie Big-Data-Firmen mit passgenauen Botschaften potenzielle Wähler ansprechen. Neu ist die Methode aber nicht, vor allem in der Konsumwirtschaft ist sie schon länger Praxis.

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Big Data, Profilbildung und Microtargeting: Der Skandal um Cambridge Analytica und Facebook hat ins Licht gerückt, wie potenzielle Wähler durch eine geschickte Auswertung und Verknüpfung ihrer persönlichen Daten mit passgenauen Botschaften versorgt werden können. So soll Cambridge Analytica nicht nur die Brexit-Entscheidung beeinflusst, sondern auch Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentenwahl 2016 verholfen haben.  Die britische Datenanalyse-Firma war illegal an einige Informationen von bis zu 50 Millionen Facebook-User gekommen - ohne das Wissen der Nutzer. Die Affäre rückt ein Geschäftsmodell in den Blickpunkt, Daten zusammenzuführen und mit Hilfe von Algorithmen Profile zu erstellen. Dieses Vorgehen ist vor allem im Konsumbereich längst nicht mehr ungewöhnlich.

"Dass was Cambridge Analytica offensichtlich gemacht hat - oder machen wollte, ist durchaus vergleichbar mit dem, was jeden Tag immer stärker im Wirtschaftsbereich passiert, wenn es um Werbung, Kreditwürdigkeit oder um die individuelle Preisgestaltung geht", sagt der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar der Deutschen Presse-Agentur. Und der österreichische Datenschutzexperte Wolfie Christie kritisierte bereits vor eineinhalb Jahren auf einer Konferenz: "Während wir immer transparenter werden, wird der Umgang der Unternehmen mit unseren Daten immer undurchsichtiger." 

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Microtargeting ist wie Datenröntgen

Doch was passiert mit unseren Daten im Netz? Via Smartphone oder Webbrowser kann ein konstanter Datenstrom über unser Leben oder unser Nutzungsverhalten an Dritte weitergegeben werden. Dazu gehören rein technische Informationen wir die IP-Adresse der verwendeten Rechner, Standortdaten oder die Tatsache ob, ich ein iPhone oder ein Android-Gerät benutze. Hinzu kommen persönliche Informationen - etwa über Social Media. So lässt sich etwa anhand einiger Facebook-Likes mit hoher Zuverlässigkeit auf Eigenschaften wie Alter, sexuelle Orientierung, ethnische Zugehörigkeit, politische Einstellung, Beziehungsstatus oder Alkoholkonsum schließen. Mitunter sind diese Informationen - je nach Privateinstellungen - für viele einsehbar. 

Auf Basis solcher Informationen wird dann oftmals personalisierte Werbung angeboten. Es könnten aber auch diskriminierende Entscheidungen über Kunden gefällt werden, von der Kreditwürdigkeit bis hin zur Wartedauer in einer Hotline, warnen Experten. Ein typisches Beispiel sei die Preisdifferenzierung, sagt Schaar. So bekämen verschiedenen Menschen etwa beim Buchen von Flügen für dieselbe Verbindung unterschiedliche Preise angeboten. Je nachdem wie viel die Kunden - laut Analyse - bereit seien zu zahlen. Lina Ehrig vom Bundesverband Verbraucherzentrale sagt: "Die Bildung von Profilen und die individuelle Ansprache, sei es zu Werbezwecken oder zur Preisgestaltung, ist ein Thema, das wir zum Teil schon beobachten und das noch viel stärker kommen wird." Besonders verbreitet seien hierzulande bereits individuelle Rabatte.

Intransparenz ist das A&O jeder erfolgreichen Manipulation

Manche Nutzer sind diesen Werbestrategien ahnungslos ausgeliefert. Ihnen ist gar nicht bewusst, dass sie maßgeschneiderte Botschaften erhalten, geschweige denn auf Basis welcher Informationen diese erstellt wurden. "Intransparenz ist das A&O jeder erfolgreichen Manipulation", sagt Schaar. Und: "Das Problem geht weit über den Datenschutz hinaus." Es gehe um eine heimliche Steuerung unserer Bedürfnisse, unseres Handelns oder unseres Wahlverhaltens.

Hoffnung setzen die Experten auf die E-Privacy-Verordnung, die derzeit verhandelt wird, sowie auf die Datenschutzgrundverordnung, die Ende Mai in Kraft treten wird. "Der Vorteil ist, dass die Datenschutzgrundverordnung europaweit gilt und sich auch nichteuropäische Unternehmen daran halten müssen. Das heißt Facebook, Google, Amazon und Co. können nicht mehr einfach so weitermachen wie bisher", sagt Ehrig. Außerdem gelte künftig ein Kopplungsverbot. So dürfe man dann einen Dienst auch nutzen, wenn man nicht der Datenverarbeitung zustimmt.

Und Schaar, der inzwischen Vorsitzender der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz ist, sagt: «Wir müssen diese Schattenseiten ausleuchten, was ja nicht bedeutet, dass wir die Digitalisierung stoppen oder bremsen wollen. Aber wir müssen sie in gesellschaftlich akzeptable Bahnen leiten und diesen Willen erwarte ich von den Politikern."

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Foto: facebook/Picture Alliance

Facebook unter Beschuss: "Das war kein Datenleck"

Im aktuellen Fall leitete die US-Verbraucherschutzbehörde FTC eine offizielle Untersuchung gegen Facebook ein. Dabei geht es auch um eine Vereinbarung, die Facebook im November 2011 mit der FTC geschlossen hatte. Damals hatte sich das Netzwerk zur Einhaltung bestimmter Datenschutzregeln verpflichtet. Die FTC ermittelte damals wegen einer Änderung der Datenschutz-Regeln im Jahr 2009. Facebook hatte zuvor die Standard-Einstellungen für Profile verändert und die Informationen öffentlich zugänglich gemacht. Viele Facebook-Mitglieder reagierten nicht darauf. Dadurch waren zuvor private Daten vieler Nutzer offen im Netz abrufbar, ohne dass es den Mitgliedern bewusst war. Die Änderung wurde kurz darauf zurückgenommen. 

In einer Petition, die von der Mozilla-Stiftung gestartet wurde, beklagten sich bis zum Mittwoch Tausende Unterzeichner darüber, dass Daten von bis zu 50 Millionen Facebook-Nutzern von Cambridge Analytica ohne ihr Wissen oder ihre Zustimmung genutzt worden seien. "Dies war kein Datenleck, niemand hat sich bei Facebook eingehackt oder Passwörter gestohlen." Der Grund war, dass Facebook-Apps nicht nur Zugang zu sensiblen Daten von Menschen gestattet hätten, die diese Programme nutzen - sondern auch zu den Daten von deren Freunden.

Facebook habe inzwischen angekündigt, Schritte zu unternehmen, um "den Zugriff von Entwicklern auf detaillierte Freundesdaten einzuschränken". "Aber die aktuellen Standardeinstellungen von Facebook lassen viele Fragen offen und viele Daten ungeschützt. Eines ist klar: Facebook muss mehr tun und seine Nutzer respektieren», heißt es in der Petition.

Warnung aus Deutschland

Dorothee Bär (CSU) warnte Facebook gewarnt. "Ich kann den Verantwortlichen nur raten, in Europa nicht einen weiteren Konflikt zu schüren", sagte die Staatsministerin für Digitales der Welt. "Auch ein Unternehmen wie Facebook unterliegt Recht und Gesetz", stellte Bär klar. Die CSU-Politikerin hofft dabei hierzulande auf die europäische Datenschutz-Grundverordnung. "Europa hat künftig einen längeren Hebel. Das wird auch unseren deutschen Kontrollbehörden helfen", erklärte Bär. Facebook forderte sie auf, "zu realisieren, dass sein wichtigstes Kapital nicht die Werbeeinnahmen sind, sondern das Vertrauen seiner Nutzerinnen und Nutzer".

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