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Microsoft-CEO Satya Nadella (Bild: Microsoft)
Microsoft Digitale Transformation Datenschutz

Microsoft will moralischer Anführer sein

Die Entwicklerkonferenzen der großen Tech-Firmen sind auch Bühne für die Unterschiedlichkeit der Unternehmen. Microsofts Chef Satya Nadella demonstriert dabei den Wandel und hat für seinen Konzern eine besondere Rolle im Sinn.

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Es ist noch gar nicht so wahnsinnig lange her, da galt Microsoft in erster Linie als Hassobjekt, als Inbegriff des übermächtigen und alles verschlingenden Tech-Konzerns. Die Zeiten haben sich geändert, digitale Giganten wie Amazon, Google und Facebook sind entstanden - und haben in der öffentlichen Wahrnehmung inzwischen an vielen Stellen den Feindbild-Job gleich mit übernommen. Das verdeutlicht sich gerade in der vom nahenden DSGVO-Start befeuerten Debatte um Datenschutz und Datensicherheit. Dabei zeigt sich aber auch: nicht nur die Zeiten haben sich geändert, auch Microsoft hat sich geändert. Und wie so oft, erstaunlicherweise besonderen bei Tech-Riesen, trägt die Entwicklung quasi einen Namen. Im Falle von Microsoft ist dieser Name Satya Nadella. Er hat aus der wenig empathisch wirkenden Lizensierungsmaschine für Windows, Word, Excel usw. ein modernes Digitalunternehmen geformt - beziehungsweise er ist noch immer im Begriff, dies zu tun. Den Beipackzettel hat Nadella praktischerweise gleich mitgeliefert. In seinem Buch "Hit Refresh" erzählt der Microsoft-CEO die Geschichte des unternehmerischen Wandels und der Neuerfindung sowie seiner persönlichen Reise. Nadella beschreibt, wie Menschen, Organisationen und Gesellschaften in ihrer ständigen Suche nach neuer Energie, neuen Ideen, Relevanz und Erneuerung auffrischen - also transformieren - können und müssen. Kurz: er beschreibt seinen Plan für Microsoft. 

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Microsoft im Wandel

Der Plan scheint ganz gut zu funktionieren. Das lässt sich an harten Kriterien wie Firmenwert festmachen, aber auch an dem Blick den immer mehr Menschen von außen wie von innen auf das Unternehmen haben. 

Was die Marktkapitalisierung betrifft, ist die Sache recht beeindruckend. Microsoft hat im Mai zumindest vorübergehend mit 739,3 Milliarden Dollar im Maximalwert laut Yahoo-Finance Google mit 734 Milliarden Dollar abgelöst und den zweiten Platz hinter Apple erobert – vor Amazon und Facebook wohlgemerkt. Nicht so schlecht für ein Unternehmen, das lange so ein wenig wie die alte Tante mit dem Taschenrechner rüberkam. 

Noch wichtiger, weil auf Dauer wirksam, ist aber der Wandel, den Microsoft selbst unter Führung Nadellas in Angriff genommen hat. Ein Wandel, der ziemlich sicher noch ziemlich lange dauern wird - genau genommen nie zu Ende geht - aber bereits spürbare Konsequenzen hat. Das betrifft die Arbeitsrealität der Microsoft-Mitarbeiter, aber ebenso die neue Generation der Produkte. Wer hätte gedacht, dass ein Surface mit Betriebssystem Windows sogar im Kreativgeschäft tatsächlich als Alternative zum iPad eine relevante Rolle spielt?

Unterschiede der Giganten

Das echte Big Picture wird aber an anderer Stelle gezeigt. Hier geht es um ganz grundsätzlichen Fragen, die beantwortet werden müssen, geht es um den Umgang mit den Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz, geht es um Datenschutz, Nutzervertrauen. Genau an dieser Stelle will sich Microsoft positionieren, gerade von Google und Facebook unterscheiden - interessanterweise fast im Gleichklang mit dem althergebrachten Erzrivalen Apple. Die recht dicht aufeinander folgenden Entwicklerkonferenzen der großen Tech-Firmen waren die bestmögliche Plattform, um die unterschiedlichen Herangehensweisen zu illustrieren. Microsofts Chef Satya Nadella nutzte den Auftritt bei seiner Konferenz, um die Vision von einem "Weltcomputer" zu präsentieren, ließ durch Sätze wie "Privatsphäre ist ein Menschenrecht" oder auch "Wir brauchen eine künstliche Intelligenz mit Ehtik" aufhorchen. Wenige Stunden später demonstriert Google-Chef Sundar Pichai eine sprechende Software, die Mitarbeiter eines Restaurants und eines Friseursalons für einen Menschen halten - Pichai versetzte große Teile des weltweiten Publikums damit in ungläubiges und/oder begeistertes Staunen, die ethische Fragen spielten dabei eine sehr untergeordnete Rolle. 

Es ist die Saison der Entwicklerkonferenzen, auf denen die Tech-Konzerne Neuheiten vorstellen, aber oft auch strategische Botschaften vermitteln wollen. Gerade die Differenzen beim Thema Datenschutz sind auffällig. Als Facebook dieses Jahr wieder mit seiner Konferenz F8 den Anfang machte, versprach Gründer und Chef Mark Zuckerberg abermals mehr Verantwortung nach dem jüngsten Datenskandal, ließ auch eine gewisse Sympathie für den europäischen Ansatz der DSGVO spüren - kündigte dann aber gleichzeitig einen Service zur Partnersuche an, der wohl ein zusätzliches Datenfass aufmachen wird. Bei den Ankündigungen der Google I/O spielte Datenschutz eher eine Nebenrolle abseits der großen Bühne. Facebook und Google haben sich in den vergangenen Wochen öffentlich in Sachen Datenschutz positioniert, sind mit eigenen Initiativen in die Offensive gegangen, werben um Vertrauen. 

An der grundsätzlichen Konstellation ändert kann dies allerdings nichts ändern. Google und Facebook bestreiten Stand heute ihr Geschäft in erster Linie mit Online-Werbung und brauchen dafür Nutzerdaten. Microsoft setzt dagegen auf die modernisierte Version seines traditionellen Bezahlmodells. Wurden früher DVDs mit Softwarelizenzen verkauft, sind es jetzt immer mehr Abonnements im Internet, für Dienste und Services wie Office 365 oder die Cloud-Plattform Azure. Apple verdient sein Geld vor allem mit dem Verkauf von Geräten und betont, man sei nicht auf Datensammeln angewiesen. 

In der Konsequenz fällt es Nadella natürlich wesentlich leichter, ausdrücklich die europäische Datenschutzrichtlinie zu begrüßen, die ab 25. Mai greifen wird. Auch Apple sieht sich hier auf einer Linie mit den Europäern und Firmenchef Tim Cook bezeichnete Datenschutz ebenfalls als Menschenrecht.

"Die Welt wird zum Computer"

Nadella positioniert bei der Build in Seattle sein Unternehmen in neuer und durchaus gewöhnungsbedürftiger Rolle: Er will Microsoft zum moralischen Anführer der digitalen Industrie im 21. Jahrhundert machen. Man müsse zunächst einmal die Rahmenbedingungen setzen, fordert der Microsoft-Chef, bevor Algorithmen und künstliche Intelligenz vielleicht sogar über Leben und Tod entscheiden dürfen. "Die Welt wird zum Computer", formuliert er seine Vision. Der Weltcomputer werde Einzug in den Alltag von Jedermann halten, auf der Arbeit, zu Hause, in der Schule. Treiber sind die Internet-Cloud - die überall verfügbare Computerpower im Internet, das Internet der Dinge, und künstliche Intelligenz.

Microsoft setzt dabei technologisch nur noch auf zwei große Plattformen. Zum einen die Cloud, in der heute Amazon mit seinem AWS herrscht, in der aber Microsofts Azure mit Wachstumsraten von über 90 Prozent im Quartal bereits den zweiten Platz vor Google hält und aufholt. Zum anderen auf Microsoft 365: Das ist ein Paket aus Windows 10, der Bürosoftware Office 365 und den wichtigsten Diensten zur Cyber-Sicherheit und zur Mobilität, also der Einbindung von Mobilgeräten. Quasi schlüsselfertig für kleine und große Unternehmen vorinstalliert. Beide Plattformen dienen als Basis, um die "intelligente Cloud" zu bedienen.

Beispiele sind heute schon Drohnen, die über komplexe Rohrleitungssysteme in Industrieanlagen fliegen, mögliche Schadstellen identifizieren und Reparaturanweisungen für die Teams am Boden ausfertigen und per E-Mail senden. Der weltgrößte Drohnenhersteller DJI aus China hat eine Kooperation mit Microsoft geschlossen und wird Technologie der Cloud-Plattform Azure in die Hardware integrieren und Entwickler-Software für Windows 10 bereitstellen. 

Ein intelligenter Konferenzraum erkennt alle Teilnehmer einer Konferenz an ihrer Stimme oder ihrem Bild, führt selbsttätig Protokoll und bucht Folgetermine, weil er die Kalender aller Teilnehmer kennt. "Adaptive Cards" werden es möglich machen, Rechnungen direkt aus dem E-Mail-Eingang von Outlook heraus zu bezahlen, ohne das Programm verlassen oder andere Zahlungsprogramme aufrufen zu müssen.

Partnerschaft mit Github

Dafür kooperiert Microsoft mit zahlreichen Zahlungsdienstleistern. Die können gerne in quelloffener Open-Source-Software programmieren, also nicht mit Microsoft-Werkzeugen. So etwas wäre vor fünf Jahren noch praktisch undenkbar gewesen. Jetzt hat Microsoft eine Partnerschaft mit Github geschlossen. Das ist die derzeit größte öffentlich zugängliche Sammlung von Open-Source-Programmbibliotheken. Jeder Entwickler darf sich hier bedienen und die Software kostenlos in seine Apps integrieren. 

Das größte einzelne Unternehmen mit über 17 000 Zulieferungen zu Github ist: Microsoft. Das Unternehmen, dessen Mitgründer Bill Gates seinerzeit kostenlose Software noch als "unamerikanisch" abgestempelt hatte. So ändern sich die Zeiten. Und es hat sich bislang ausgezahlt für Microsoft.

Mit Material von dpa

Themen
Microsoft Geschäftsmodelle Weltcomputer Open Source
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