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2021 Machine Learning KI

KI ist die neue Elektrizität

Mensch vs. Maschine? Nicht unbedingt. Auf die Aufgabenverteilung kommt es an. Ob die Maschine Gutes bewirkt, hängt auch davon ab, was die menschliche der künstlichen Intelligenz beibringt. Warum sich jeder mehr mit KI beschäftigen sollte.

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Machine Learning und Künstliche Intelligenz (KI) sind das Zukunftsfeld schlechthin – so sieht es Simon Hegelich, der an der Technischen Universität in München Political Data Science lehrt. Bald werden Wachstum und Macht über maschinengetriebene Supermächte bestimmt. Deutsche Unternehmen müssen hier dringend aufholen – und jeder kann dazu beitragen. Wie, das erklärt der Hochschulprofessor im Interview mit LEAD.

LEAD: Herr Hegelich, Sie nehmen seit März 2016 die erste Professur für Political Data Science an der Hochschule für Politik an der Technischen Universität in München ein. Was hat Politik mit Daten zu tun?

Simon Hegelich: Moderne Methoden aus dem Bereich der Datenwissenschaft spielen auch im Bereich der Politikwissenschaft eine größere Rolle. Mit Machine Learning und Künstlicher Intelligenz lassen sich politische Phänomene erklären. Natürlich sind beide Bereiche auch als eigenständiger Bereich für die Politik interessant. Um Unternehmen wie Facebook und Google verstehen und bewerten zu können.

Was steht derzeit bei Ihnen auf der Agenda?

Hegelich: Mein aktuelles Projekt ist die Bewertung der Frage, ob Plattformen wie Facebook eigentlich für einen politischen Diskurs taugen. Da dort überwiegend private Kommunikation stattfindet, die sehr emotionalisiert wird, ist das nicht gerade eindeutig. Mein anderes Projekt beschäftigt sich damit, wie man Texte mit maschinellem Lernen verstehen kann. Es gelingt schon sehr gut, Informationen aus einem Text zu extrahieren. Selbst Ironie versteht der Computer schon, weil er immer mehr die Korrelation einzelner Wörter erfasst. Dabei analysieren Algorithmen die Reihenfolge der Wörter.

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Visionen von KI-Forschern klingen oft nach ferner Science-Fiction. Wie beurteilen Sie diese Prognosen von den Supermächten, die sich ins Sonnensystem ausbreiten? Wie kann ich solche Aussagen als nicht KI-bewandter Mensch beurteilen?

Hegelich: Generell gehe ich davon aus, dass diese Visionen Wirklichkeit werden – die Frage ist nur, wann. Wenn die Menschheit als Spezies überleben möchte, muss man irgendwann über den Planeten Erde hinausgehen. Dass Maschinen Menschen im Denken überlegen sind, ist ebenfalls plausibel. Das wird schneller gehen, als man glaubt, aber letztlich ganz anders aussehen, als wir es uns heute vorstellen. Dass eine KI zu einer Art allmächtigem allwissenden Wesen mutiert, ist natürlich Unfug. Dass wir Computer bauen können und das menschliche Denken simulieren können, das werden wir auf jeden Fall erleben.

Das heißt, Angst vor Kontrollverlust ist unbegründet?

Hegelich: Visionen, die sich mit der gesteuerten Ausrottung der Menschheit von Supermächten beschäftigen, halte ich für unwahrscheinlich. Eher vorstellbar ist es, dass sich eine politische Macht künstlicher Intelligenz bemächtigen wird und sie für ihre Zwecke einsetzt.

Computer sind effizienter als der Mensch – aber was ist mit Gefühlen und Gewissen?

Hegelich: Gefühle lassen sich genauso simulieren wie das Denken auch. Das lässt sich programmieren, nicht aber, dass ein Computer wirklich Gefühle hat.

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Simon Hegelich ist Professor für Political Data Science an der Technischen Universität München und geschäftsführender Gesellschafter der Datenanalysefirma ddductr GmbH (Foto: TUM)

Wie werden Mensch und Maschine künftig zusammenarbeiten – was ist da Ihr persönliches Idealszenario?

Hegelich: Die These von Stanford-Professor Andrew Ng besagt, dass KI die neue Elektrizität ist. In jedem Produktionsbereich taucht KI auf und verändert den Prozess. Das umfasst nicht nur wie bisher Routine-Tätigkeiten, sondern weitet sich auf kreative Tätigkeiten aus. Das wird auch unsere Arbeit grundlegend verändern: Wir bekommen mächtige Tools an die Hand, mit denen wir neue Dinge machen können. Viele Tätigkeiten werden ersetzt.

Welche denn?

Hegelich: Bei mir als Professor sind das zum Beispiel einige Bereiche in der Lehre. Fragen von Studenten können von einer KI genauso gut beantwortet werden wie von mir. Die Frage ist dann, ob weniger Professoren eingestellt werden oder ob wir mehr Zeit zur Verfügung haben, uns mit neuen Dingen zu beschäftigen. Es entstehen aber auch neue Jobs, die weniger interessant sind. Solche etwa, bei denen Menschen damit beschäftigt sind, der KI zuzuarbeiten. Große Datenmengen zu labeln, dass der Computer daraus lernen kann.

Zurück zu Ihrem Szenario, dass politische Mächte KI für ihre Zwecke einsetzen. Wie ist Deutschland angesichts der KI-Größen von Facebook und Google aus den USA dabei aufgestellt?

Hegelich: Bei der Bundesregierung ist natürlich inzwischen angekommen, dass man auf dem Gebiet einiges nachzuholen hat. Die Zentren für die Entwicklung künstlicher Intelligenz sind bisher nicht in Deutschland. Wir haben exzellente Forschung auf dem Gebiet, aber die wirtschaftliche Verwertung lässt noch zu wünschen übrig.

Welchen Tipp haben Sie an die Unternehmen und an jeden Einzelnen, um zu der Entwicklung beizutragen?

Hegelich: KI ist ein spannendes Feld mit einem großen Wachstumspotenzial. Das gilt für Unternehmen und KI-Start-ups genauso wie für Arbeitnehmer - selbst wenn sie in diesem Bereich bisher noch nicht tätig waren. Mein Tipp: Wenn ihr künftig einen guten Job haben wollt, dann beschäftigt euch mit Machine Learning. Die Algorithmen muss man übrigens nicht selbst entwickeln – es wird auch viele Jobs geben, bei denen man sich darum kümmert, KI-Modelle zu verstehen.

Sie haben KI ja auch nicht studiert. Wie haben Sie sich das Wissen angeeignet?

Hegelich: Die Entwicklung geht so schnell, so dass wir auf diesem Gebiet alle Amateure sind. Ich empfehle Online-Kurse im Bereich Deep Learning von Coursera und Bücher wie "An Introduction to Statistical Learning". Ein unheimlich gutes Buch, das ich in meinen Vorlesungen empfehle.

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