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Stefan Peukert und Daniel Schütt möchten Digitalisierung als Studiengang etablieren. (Bild: Masterplan)
Start-ups Digitalisierung Schule

Masterplan: Digitalisierung als Studiengang

Die E-Learning-Plattform Masterplan macht Unternehmen fit in Sachen Digitalisierung. Nun bietet das Start-up seinen Transformationskurs auch an der Universität Witten-Herdecke an. Was sie mit ihrem Plan, Digitalisierung als Studiengang zu etablieren, erreichen wollen und warum es höchste Zeit für ein Umdenken im großen Stil ist.

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Normalerweise macht die E-Learning-Plattform Masterplan Unternehmen fit in Sachen Digitalisierung. Nun bietet das Bochumer Start-up der Gründer und CEOs Stefan Peukert und Daniel Schütt seinen Transformationskurs auch an der Universität Witten-Herdecke an. Was sie mit ihrem Plan, Digitalisierung als Studiengang zu etablieren, erreichen wollen und warum es höchste Zeit für ein Umdenken im großen Stil ist.

LEAD: Ist ein Umdenken in Sachen Digitalisierung denn auch bei der jüngeren Generation, sprich Studenten, notwendig?

Stefan Peukert: Absolut. Das hat gar nichts mit dem Alter zu tun. Die junge Zielgruppe, sprich die Studierenden, werden gemeinhin immer als Digital Natives gesehen. Dabei wird oft vergessen, dass es ein großer Unterschied ist zu wissen, wie ich die besten Instagram-Filter benutzen oder aber wie Plattform-Modelle und digitale Ökosysteme funktionieren und wie man die digitale Wirtschaft voranbringen kann. Da gibt es auch bei der jungen Generation sehr viel Nachholbedarf.

LEAD: Was wollen Sie bei den Studenten konkret erreichen?

Stefan Peukert: Wir haben drei Säulen. Zuerst brauchen wir ein anderes Mindset, das der Digitalisierung aufgeschlossen und proaktiv begegnet. Das Stichwort "Mindset" wird oft als Buzzword benutzt, aber was wir versuchen wollen ist es, die digitale Transformation zu entmystifizieren. Wie funktionieren Plattform-Modelle? Warum sind eigentlich Google und Amazon am Ende die großen Gewinner?

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Ein weiterer, ganz wichtiger Aspekt ist, dass sich die Welt in immer kürzeren Technologie- und auch Gesellschaftszyklen verändert. Das hat einen großen Effekt auf wirtschaftliche und politische Organisationen. Wir wollen also, dass die Studierenden ganz früh mitbekommen, was da draußen passiert. Und langfristig erhoffen wir uns, dass wir auch Deutschland und vor allem Europa ein Stückchen weit digital voranbringen.

LEAD: Stichwort Mindset – inwiefern muss ein Umdenken stattfinden?

Stefan Peukert: Das ganze Thema digitale Transformation wird fälschlicherweise als sehr technisch betrachtet. Es wird davon ausgegangen, dass man einfach die richtigen Tools braucht. Die viel tiefer gelegene Transformation, die stattfinden muss, ist eine Mindset-Veränderung in der Organisation.

Eine schwerfällige Organisation, die keine Risiken honoriert, kann sich noch so gute Tools einkaufen und externe Berater dazuholen – wenn sie die Mitarbeiter nicht mitnimmt, wird eine digitale Transformation nicht funktionieren.

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Stefan Peukert
Stefan Peukert ist Gründer und CEO des Bochumer Start-ups Masterplan. (Bild: Masterplan)

LEAD: Ihr Kerngeschäft liegt ja eigentlich bei Unternehmen – warum also jetzt bei den Universitäten anfangen?

Stefan Peukert: Das hört sich immer pathetisch an, aber wir wollen etwas zurückgeben. Weil wir glauben, dass digitale Bildung wirklich ein wichtiges Thema ist und weil wir sehen, dass wir auf internationaler Ebene abgehängt sind und das eher noch schlimmer wird. Wir müssen große Plattformen auch aus Europa heraus entwickeln, weil sonst unsere europäischen Werte auf der Strecke bleiben.

LEAD: Wie meinen Sie das?

Stefan Peukert: Wer die Technologie entwickelt, kontrolliert auch, welche Werte vermittelt werden. Wir sind in keiner guten Situation, wenn alle großen Infrastruktur-Player nur noch aus den USA und aus China kommen.

LEAD: Wie kommt es, dass wir derart hinterherhinken?

Stefan Peukert: In Deutschland kann man zwar ein nachhaltiges, gutes Business aufbauen, aber für ein wirklich globales Business ist der deutsche Markt zu klein. Man macht es sich schnell auf dem Heimatmarkt bequem.

Hinzu kommt, dass Produktinnovation diametral zu unserer deutschen Unternehmenskultur geht, die eher auf Fehlervermeidung als auf Honorierung von Risiken setzt. Wir entwickeln lieber jahrelang ein perfektes Produkt als auch mal ein etwas jüngeres auf den Markt zu bringen und zu testen.

LEAD: Und warum klappt es auf europäischer Ebene nicht?

Stefan Peukert: In der EU gibt es 28 verschiedene Länder mit teils unterschiedlichen Sprachen und Rechtsräumen – da hat man es als amerikanische oder chinesische Firma schon leichter, wenn man mit dem Kernprodukt direkt viele hundert Millionen Menschen erreichen kann.

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Die Auftaktveranstaltung an der Universität Witten/Herdecke. (Bild: Masterplan)

LEAD: Mussten Sie an der Universität Witten/Herdecke erstmal Überzeugungsarbeit leisten, ihren Kurs anbieten zu können?

Stefan Peukert: Nein, dort war man sehr aufgeschlossen, kooperativ und dankbar. Die Unis haben erkannt, wie wichtig das Thema ist und dass sie das selbst nicht oder nur schwierig abbilden können. Diese Kooperation soll auch erst den Anfang darstellen. Wir wollen das in ganz Deutschland und ganz Europa machen.

LEAD: Findet das schon auf internationaler Ebene statt?

Stefan Peukert: Noch bewegen wir uns auf nationaler Ebene. Wir werden noch dieses Jahr zehn weitere Universitäten dazu holen. Ab August/September werden wir unsere Kurse auch auf Englisch anbieten, und das Programm wird international ausgerollt.

LEAD: An den Unis findet also schon ein Umdenken statt?

Stefan Peukert: Das kann man nicht pauschalisieren. Einige gehen beim Thema digitale Transformation voran, andere haben dies gar nicht auf dem Schirm. Dabei wird es das Kern-Zukunftsthema sein.

LEAD: Wieso diese Dringlichkeit?

Stefan Peukert: Wenn man sich anschaut, was in den letzten zehn Jahren passiert ist, war das wahrscheinlich erstmal ein Tropfen auf dem heißen Stein. Digitalisierung wird als losgelöstes Thema gesehen, das in der Informatik angesiedelt ist, aber auf Dauer werden alle Bereiche und alle Fachrichtungen einer enormen digitalen Transformation unterliegen.

Und das geht über die Wirtschaft hinaus. Wir haben den gleichen Effekt in der Politik. Die Zyklen werden immer kürzer, der digitale Wahlkampf wird immer wichtiger und in Zukunft wahrscheinlich der wichtigste Eckpfeiler werden. Wenn sich kein grundlegendes digitales Verständnis durch die breite Bevölkerungsschicht entwickelt, werden wir es schwer haben.

LEAD: Sie bieten den Uni-Kurs kostenlos an – was springt für Sie dabei heraus?

Stefan Peukert: In erster Linie geht es uns wirklich darum, etwas zurückzugeben. Digitalisierung als Studienfach ist etwas, was wir als Studierende selbst gerne gehabt hätten. Bisher existiert ein solches Angebot aber zumindest nicht flächendeckend und wenn die staatlichen Universitäten ein Curriculum und Lernangebote hierzu entwickeln, dauern die Prozesse weitaus länger, als wenn wir unser fertiges, bereits erprobtes Produkt schon heute pro bono anbieten.

LEAD: Der nächste Schritt ist also, das Ganze auf Regierungsebene anzugehen?

Stefan Peukert: Da sind offen für die Zusammenarbeit mit jedem, sei es Behörde oder Regierungsstellen. Wir werden im September ein weiteres, großes Projekt bekanntgeben. Aber wir stehen da noch ganz am Anfang. Fest steht: Wir müssen jetzt etwas tun, sonst werden wir es in Deutschland und Europa in den nächsten Jahren sehr schwer haben.

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