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Blade
Blade stellt auf Wunsch eine kleine Box zur Verfügung, beispielsweise zum Game-Streamen auf den Fernseher (Bild: Blade)
Jakob Pietras Games Gaming

Liegt die Zukunft für Gamer in der Cloud?

Die Idee ist nicht neu, könnte aber in den nächsten Jahren eine breitere Masse erreichen: Cloud Gaming. Das erlaubt es, auch auf antiken Laptops und sogar Smartphones brandneue Spiele mit vollem Detailgrad flüssig zu spielen. Wir haben auf der Gamescom mit einigen Anbietern von Cloud Gaming gesprochen und uns auf dem Markt umgesehen. Könnten teure Gaming-Hardware und Konsolen bald der Vergangenheit angehören?

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Es ist vermutlich der Traum eines jeden Vollblut-Gamers: Raus aus der Hardwarespirale, die ihn mehr oder weniger dazu "zwingt" alle paar Jahre Grafikkarte, Prozessor und andere Komponenten aufzurüsten, um in den vollen Genuss grafisch opulenter Games zu kommen. Der Ausweg aus diesem kostspieligen Hamsterrad könnte Cloud Gaming sein. Die Technologie existiert im Grunde schon seit Jahren und funktioniert im Grunde wie andere Software-as-a-Service-Angebote, beispielsweise Gmail, Shopsysteme wie Shopify und im Grunde alle Applikationen, die in der Cloud laufen.

Leistungsfähige Gaming-Hardware im Rechenzentrum

Technisch gesehen funktioniert Cloud Gaming relativ simpel: Statt die Grafik, Physik und weitere Elemente der Spielwelt auf dem heimischen PC oder der Konsole berechnen zu lassen, übernehmen diese Aufgaben leistungsfähige Hardware im Rechenzentrum. Die Server schicken dann einen Videostream auf die Maschine des Nutzers, für dessen Ausgabe auch eine relativ alte Grafikkarte und schwache Hardware ausreichen. Die Ein- und Ausgabe erfolgt wie gewohnt über Maus und Tastatur oder das Gamepad und insgesamt unterscheidet sich das Spielerlebnis nicht von einem klassischen Setup.

Die Verzögerung, bis ein Tastendruck beim Spiel im Rechenzentrum ankommt und dann verarbeitet und beim Spieler dargestellt wird, soll dabei so gering sein, dass lediglich Profi-Online-Gamer diese bemerken, versichert uns Grafikkarten-Spezialist und Branchenmammut NVIDIA.

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Das Unternehmen bietet bereits seit einigen Jahren eine vergleichsweise schwach ausgestattete, kleine Konsole namens Shield an, die Cloud Gaming-fähig ist. Der entsprechende Dienst heißt GeForce Now und kommt mit einer gut bestückten Bibliothek an Spielen, für deren Nutzung rund 10 Euro im Monat anfallen. Dabei handelt es sich meist um ein paar Jahre alte oder weniger hardwarehungrige Spiele, die sich unbegrenzt lang und oft daddeln lassen. Ein bisschen wie Netflix fürs Gaming. Wie beim Videostreaming-Anbieter ist auch bei GeForce Now keine Download des Inhalts notwendig. Ein kurzes Buffern reicht und es kann losgehen.

Abomodell statt Hardwarespirale

NVIDIA befindet sich mit seinem Service gerade in der Beta-Phase, um das vor Jahren gestartete Angebot auch auf andere Systeme, als die eigene Konsole auszuweiten. Auf diesen fällt zwar die Spielebibliothek weg, dafür integriert das Unternehmen beispielsweise bekannte Spieleplattformen für PCs wie Steam. Der Nutzer verbindet hier lediglich sein Konto und die Games werden dann in der Cloud statt zu Hause berechnet. NVIDIA hat offenbar erkannt, wo die Zukunft hingeht. Als einer der weltweit größten Hersteller für Grafikchips haben die Amerikaner zwar, wie der größte Konkurrent AMD, im letzten Jahr vom angestiegenen Verkauf seiner Grafikhardware dank Cryptomining profitiert.

Shield
NVIDIAs SHIELD Konsole bringt eine eigene Gaming-Plattform, sowie Android TV mit Multimedia-Apps mit (Foto: NVIDIA)

Dieser Boom scheint aber gerade vorbei und Gaming verlagert sich zunehmend in Richtung Mobile und auf Konsolen. Cloud Gaming könnte also der evolutionär nächste Schritt sein, die Hardware einfach als Dienstleistung aus der Cloud anzubieten. Zumal das Abomodell und "teilen, statt besitzen" seit Jahren salonfähig ist, siehe Adobes Creative Cloud, Amazon Prime, Netflix oder auch "im echten Leben" Bike- und Car-Sharing. Warum also ständig neue Hardware kaufen?

Windows 10 auf dem Smartphone

Das dachte sich auch das Startup Blade aus Frankreich, das jedoch einen anderen Ansatz als NVIDIA verfolgt. Der Anbieter bietet zwar auch Rechenleistung im eigenen Datencenter an, stellt aber statt einem Spielekatalog eine jungfräuliche Windows 10-Umgebung zur Verfügung. Mit dieser kann der Nutzer für rund 30 Euro im Monat machen, was er möchte. Zugriff erhält er über eine App, die im Gegensatz zu NVIDIA auf nahezu jedem Gerät läuft, ob PC, Mac, Linux oder auf dem Smartphone. Diesen PC in der Cloud nennt Blade Shadow, der mit leistungsfähiger Hardware ausgestattet ist.

Blade
Blade stellt auf Wunsch eine kleine Box zur Verfügung, beispielsweise zum Game-Streamen auf den Fernseher (Bild: Blade)

Was die Kinnlade besonders schnell in Richtung Erdmittelpunkt beschleunigen lässt, ist das Game-Streaming aufs Smartphone. Wenn man einen aktuellen Titel wie Far Cry 5 mit vollen Details flüssig auf einem mittelklassigen Mobiltelefon mit Gamepad zocken kann, bekommt man einen Einblick, wie die Zukunft aussehen könnte. In etwa so, wie wenn ein Trabbi sich plötzlich wie ein Ferrari fährt. Da Blade dem Nutzer einfach ein Windows 10-System zur Verfügung stellt, ist neben Gaming auch alles andere möglich, was mit dem normalen PC funktioniert. Dank der Leistungsfähigkeit von Blades Hardware im Rechenzentrum macht hier auch Rendern von Videos oder 3D-Modellen Sinn, die schneller fertig sind, je höher die Rechenleistung ist.

5G FTW!

Einen kleinen Haken hat Cloud Gaming jedoch, wenn auch einen, der sich in den nächsten Jahren in Luft auflösen dürfte: die Datenverbindung. Die muss nicht rasend schnell, aber einigermaßen flott sein. Blade schlägt etwa 16 MBit für flüssiges Spielen vor, was in Ballungsräumen und sogar mit einer stabilen LTE-Verbindung möglich ist. Wenn die Mobilfunkmasten demnächst im 5G-Standard ihre Daten durch die Republik schicken, wird Blades Dienst dann richtig interessant. Denn dann ist aufwändiges, mobiles Gaming theoretisch überall möglich. Die Anwendungsfälle erstrecken sich dann sogar noch weiter, denn dann reicht im Grunde ein 50 Euro teurer Bastelrechner, wie der Raspberry Pi oder ein vor sich hin staubender, alter Laptop, der ruckelfreies Daddeln auf eine großformatige Leinwand mit 4K-Auflösung mitten in die Pampa bringt.

5G könnte dann genau die Technologie sein, die Cloud Gaming endlich salonfähig machen könnte, was übrigens auch für mobile Virtual und Augmented Reality-Anwendungen gilt, die wiederum selbst von Cloud Gaming profitieren könnten. "Salonfähig" deshalb, weil es Cloud Gaming-Dienste bereit vor zehn Jahren gab, welche genauso funktionierten wie die von NVIDIA und Blade. OnLive und Gaikai waren die wohl bekanntesten. Beide Services waren ihrer Zeit voraus, denn selbst kabelgebundene Datenverbindungen waren damals noch nicht zuverlässig und verzögerungsfrei genug, um bei Spielern echtes Interesse zu wecken. Heutige und zukünftige Datenverbindungen lösen eben dieses Problem.

Alles geht in die Cloud

Geschluckt wurden beide Dienste übrigens von Sony, das sich Gaikai komplett und OnLives Patente einverleibte, um letztlich den eigenen Cloud Gaming-Dienst PlayStation Now für die aktuelle Konsole und mittlerweile auch für PC anzubieten. Es ist auch vorstellbar, dass die Japaner für die nächste Konsolengeneration die Hardware zu Hause mit der aus dem Rechenzentrum kombinieren, um noch schickere Pixel auf den heimischen PC zu zaubern.

Cloud Gaming oder Gaming-as-a-Service (GaaS) ist auf jeden Fall eine Technologie, die langsam aber sicher an Fahrt aufnimmt und in Zukunft eher die Regel als die exotische Ausnahme sein dürfte. Die oben genannten Unternehmen dürften die Entwicklung weiter antreiben, dazu Unternehmen wie LiquidSky und Vortex. Es wird sich mit Gaming vermutlich so verhalten, wie mit allen IT-Dienstleistungen und Software auch: Alles wandert in die Cloud, es ist nur eine Frage der Zeit und des Adaptionswillens.

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