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LEAD 1/2019 Kunst Künstliche Intelligenz

Da Vinci würde KI lieben

Er wäre heute in der Filmbranche und würde digitale Filme produzieren und mit künst­licher Intelligenz experimentieren: Leonardo Da Vinci. Vor 500 Jahren starb einer der größten Erfinder der Welt. Eine Reise in da Vincis Vergangenheit.

Das ist kein Cover eines Science-Fiction-Romans, sondern Leonardo da Vincis Entwurf eines Panzers (Bild: AKG)
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Er hat höllische Kriegsmaschinen und Flug­geräte entworfen, die besser in verschrobene Science-Fiction-Welten passen würden als in das Florenz der ­Renaissance. Er hat in dunklen Kellern mehr als 30 menschliche Körper auf­geschnitten, um Blutbahnen und Muskelstränge zu untersuchen, der Mona Lisa ihr Lächeln ins Gesicht gemalt und trotzdem selten ein Projekt abgeschlossen: Leonardo da Vinci.

Chaot oder brillantes Genie?

Dandyhafter Chaot oder Universalgenie mit brillanten Ideen? Darüber ist sich die Kunstwelt uneins. Im digitalen Zeitalter – 500 Jahre nach seinem Tod am 2. Mai 1519 – ist der Künstler, Philosoph, Erfinder und Ingenieur relevanter denn je.

CGI-Designer sind fasziniert von der Dynamik und Tiefe in seinen Werken, digitale Künstler nutzen sie zur Inspiration für eigene Projekte und Ingenieure versuchen seine Entwürfe von Brücken oder Maschinen in die Realität umzusetzen. Was macht einen Erfinder aus? Wie denkt man die Zukunft? Wer wäre der da Vinci von heute: Mark Zuckerberg? Elon Musk? Bill Gates? Tim Berners-Lee?

"Leonardo sah in allem eine Einheit, glaubte, dass alles miteinander verbunden sei. So betrachtete er den menschlichen Körper als Mikrokosmos, in dem sich die ganze äußere Welt widerspiegelt", sagt Da-Vinci-Experte Martin Kemp. Für da Vinci war der menschliche Körper also nur ein kleiner Teil des Systems, der sich nicht über das große Ganze stellen kann. "Er als Ingenieur der damaligen Zeit wusste, dass man mit der Natur zusammenarbeiten muss und ihr nicht einfach seinen Willen aufzwängen darf – sonst schlägt sie zurück."

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Martin Kemp, emeritierter Professor für Kunstgeschichte an der University of Oxford, glaubt, heutzutage würden das viele vergessen und jedes Problem einfach so mit Technologie lösen wollen. "Das ist gefährlich! Wir können nicht einfach so fragile und dynamische Systeme in der Natur – wie etwa das Wasser – durch unsere technologischen Errungenschaften gefügig machen, ohne sie wirklich zu durchdringen." ­Leonardo da Vinci verstand das schon vor 500 Jahren.

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    (Bild: Bridgeman)
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    In dieser ­Skizze untersucht ­da Vinci den ­"Sehmechanismus" (Bild: Bridgeman)

Drei Fragen an Martin Kemp

LEAD: Herr Kemp, Leonardo da Vinci war ein Uni­versalgenie. Hat ihn diese Viel­seitigkeit zum Star gemacht?

Martin Kemp: Das war in dieser Zeit nichts Besonderes. Viele große Künstler und Wissenschaftler arbeiteten interdisziplinär. Damals gab es diese Aufspaltung in einzelne Professionen noch nicht. An den Universitäten wurde alles unterrichtet, die Gliederung in Kunsthochschulen, technische Universitäten oder Medizinschulen kam erst im 19. Jahrhundert auf.

LEAD: Trotzdem war Leonardo da Vinci seiner Zeit voraus?

Kemp: Das würde ja bedeuten, dass er nicht in seine Zeit passte, aber das tat er wohl. Sein mathematisches oder physikalisches Wissen ging nicht über das der Renaissance hinaus. Was ihn aber so einzigartig macht, ist zum einen sein aufmerksamer Blick, mit dem er die Welt um sich herum beobachtete. Und zum anderen seine Vorstellungskraft. Im Gegensatz zu anderen konnte er das Wissen und die Werkzeuge der Zeit anwenden, um ganz neue Wege zu gehen und Dinge zu imaginieren, die für andere undenkbar gewesen wären.

LEAD: Wenn da Vinci heute noch lebte, was wäre sein Job?

Kemp: Er wäre in der Filmbranche und würde digitale Filme produzieren und mit künst­licher Intelligenz experimentieren. Er würde diese Techno­logie, mit der man die Natur nachbauen kann, lieben.

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Dieser Artikel ist aus der LEAD-Printausgabe 1/2019.

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