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(Foto: designaffairs)
KI Design Digitalisierung

Künstliche Intelligenz: Die Angst ist unsere Chance

Computer entwerfen Logos und ganze Webseiten, Algorithmen kreieren Designs für Nutella-Gläser, selbst Modekreationen entstehen heute schon datenbasiert – Stichwort „Data Dress“. Geht nicht, gibt’s nicht. So scheint es.

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Neue Technologien bedeuten immer beides: Utopie und Dystopie. Mit den zunehmenden Fähigkeiten künstlicher Intelligenz wächst auch die Angst in vielen Branchen. Obwohl künstliche Intelligenz längst fester Bestandteil der Industrie ist, tut man sich schwer, sie als Ergänzung oder gar Hilfe anzusehen. Stattdessen fristet sie häufig das Dasein eines Fremdkörpers, einer Bedrohung, die Berufe schluckt und ganze Existenzen in den Abgrund stürzen kann. Designer fragen sich, welche Auswirkungen diese neue, zunehmend mächtiger werdende Technologie auf ihre Arbeit und ihren Arbeitsplatz hat.

Computer sind Einsen und Nullen. Menschen alles davor, dazwischen, danach

Künstliche Intelligenz ersetzt nicht den Designer, sondern verändert seine Rolle und seine Arbeitsweise. Durch sie kann er sich noch stärker auf die Fähigkeiten berufen, die ihn ausmachen und zu denen (noch) keine Maschine in der Lage ist. Das sind vor allem Emotion und Kreativität. Designer können völlig neuartiges Design erschaffen, das bisherige Sicht- und Verhaltensweisen infrage stellt und diese neu definiert. Sie können durch Gestaltung positive Gefühle beim Betrachter bzw. Nutzer erzeugen und so eine starke emotionale Bindung herstellen. Solange wir diesen Anspruch an den eigenen Beruf haben – und es ist zu hoffen, dass jeder Designer ihn hat – ist Angst vor künstlicher Intelligenz (zumindest vorerst) unbegründet.

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Anstatt uns also angesichts ihres Vormarsches in Design und vielen anderen Bereichen selbst klein zu machen, sollten wir versuchen, das Gute im Ganzen zu sehen. Das setzt natürlich voraus, dass wir uns nicht wegducken und die nebulöse Bedrohung immer größer werden lassen, sondern dass wir uns mit dem Potenzial der KI auseinandersetzen: Wie kann ich sie sinnvoll und auf verantwortungsvolle Weise für meine Arbeit nutzen und diese dadurch womöglich sogar effizienter gestalten?

Künstliche Intelligenz macht Gutes noch besser

So, wie ein ABS-System uns hilft, noch sicherer zu fahren, so hilft uns künstliche Intelligenz, noch besser zu performen. Sie kann uns helfen, unser Ziel schneller zu erreichen und unsere Ergebnisse zu optimieren. Sie ermöglicht uns, uns auf das zu fokussieren, was das Wesen unserer Arbeit ist – und das ist in erster Linie nicht das Erlernen und Beherrschen möglichst vieler Tools und Techniken, hier werden wir gegenüber Maschinen wohl immer das Nachsehen haben –, sondern alles, was dazwischen und drumherum passiert.

Der Drang, Neues zu konzeptionieren. Der Blick fürs Detail. Die Kompetenz, Design in einen Kontext zu stellen und auf Historien aufzubauen – von Marken und Produkten ebenso, wie unseren eigenen. Wir sind in der Lage, mit unserer Erfahrung, unserer persönlichen Wahrnehmung und unserem von Designer zu Designer ganz unterschiedlichen Geschmack einer Kreation einen spezifischen Charakter zu geben. Die Stärke des menschlichen Designers gegenüber einer Maschine liegt heute und sicherlich auch noch in den nächsten Jahren in seiner emotionalen Intelligenz und seiner Empathie gegenüber dem Nutzer. So entwickeln wir Designs und Produkte, die mit sinnvollen Funktionen, einer intuitiven Bedienung und einem ästhetischen Erscheinungsbild unser Leben bereichern und einfacher machen.

Ja, künstliche Intelligenz fordert uns heraus, und das kann beängstigend sein. Aber diese Angst ist auch unsere Chance, das Beste aus uns heraus zu holen und uns zu vergewissern: Wir haben unersetzliche Fähigkeiten, die uns von Maschinen unterscheiden.

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Innovatives Design hat mehr als eine Dimension

Wenn mittels eines mathematischen Algorithmus mehrere Millionen vermeintlich einzigartiger Grafikalternativen erzeugt werden, dann mag eine solch eindimensionale Lösung als „Customized Design“ im Rahmen einer absatzfördernden Werbemaßnahme für den Hersteller zufriedenstellend sein. Mit gutem Design hat sie nach unseren Maßstäben jedoch wenig zu tun. Speziell im Produktdesign geht um viel mehr, als „nur“ Produkte zu gestalten. Es geht um ganze Produkt-Ökosysteme, die Hardware, Software und Services kombinieren, um ein optimales Nutzererlebnis zu ermöglichen.

Gutes Design macht Komplexes verständlich und legt den Fokus auf den Nutzen für Anwender. Künstliche Intelligenz allein kann all das noch nicht leisten. Aber sie kann Designer bei der Entwicklung bestmöglicher Ergebnisse unterstützen. Mithilfe unterschiedlichster Research-Methoden kann sie etwa in kurzer Zeit ein umfassendes Bild einer Situation entwerfen, indem gesammelte Informationen ausgewertet und miteinander verknüpft werden. Designer können daraus wertvolle Schlüsse für ihre weitere Arbeit ziehen und Kunden und Nutzern einen echten Mehrwert bieten.

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    (Foto: designaffairs)
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    (Foto: designaffairs)

Die Zukunft liegt im Lab

Ein solcher Einsatz der neuen Möglichkeiten heißt dann in der Folge auch: Unternehmen müssen mit künstlicher Intelligenz intelligent umgehen, um von ihr zu profitieren. Bei designaffairs pflegen wir einen solchen Umgang bereits seit einigen Jahren. In einem Testlabor – einer kreativen Spielwiese für künstliche Intelligenz – erarbeiten wir mit Unterstützung von Data Scientists parallel zum bestehenden Tagesgeschäft Ideen für vernetzte Produkte, intelligente Services und automatisierte Geräte und entwickeln Prototypen, um unseren Kunden aufzuzeigen, wie sie sich in der Digitalisierung wettbewerbsfähig aufstellen können.

Designer üben in laufenden Prozessen und Produktentwicklungen zweifelsohne auch eine hinterfragende, forschende Tätigkeit aus. Sie blicken über den sprichwörtlichen Tellerrand, was zu innovativen Ergebnissen führen kann. Diese menschliche Forschungskompetenz kann mittels datengetriebener Forschung auf Basis von künstlicher Intelligenz aber ergänzt und auf ein ganz neues Level gehoben werden – wenn Unternehmen dazu bereit sind.

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Minimal-Onliner oder Technik-Enthusiast?

Tinder ersetzt die Bar, Alexa die Sekretärin. Die digitale Welt ist mit der realen Welt längst eins geworden. Nur will die Realität nicht jeder wahrhaben. Wie souverän bewegst du dich im vernetzten Leben?

Vielleicht ist es nicht unbedingt angebracht, die aktuelle Unsicherheit und das Misstrauen gegenüber KI ins Gegenteil zu kehren und euphorisch in die Zukunft zu blicken. Dazu ist sie zu ungewiss. Gerade solche disruptiven Technologien verleiten sowohl zu dystopischen als auch zu utopischen Vorstellungen und haben sicher von beidem etwas Wahres. In unserer Verantwortung liegt es, uns mit dem sich neu bietenden Potenzial und seinen möglichen Folgen auseinanderzusetzen und einen ethischen Umgang mit den Möglichkeiten, die künstliche Intelligenz bietet, zu gewährleisten.

Wenn wir KI nutzen wollen, muss sie von uns selbst so gesteuert werden, dass ihr Output positiv und für alle Seiten gewinnbringend ist. Darin besteht womöglich die größte Herausforderung – egal ob im Design oder in anderen Bereichen. Wirklich knifflig wird die Diskussion spätestens dann, wenn Maschinen irgendwann genauso intelligent sind wie wir Menschen – oder sogar deutlich intelligenter. Bis dahin wird noch einige Zeit vergehen. Diese müssen wir nutzen, um Regeln im Umgang mit dieser immer mächtiger werden Technologie zu vereinbaren.

Bis dahin sollten Designer, die durch künstliche Intelligenz ihre Existenz bedroht sehen, versuchen, aus dem Gegeneinander ein Miteinander zu machen und mehr auf ihr Können vertrauen. Sie müssen künftig noch genauer erforschen, was Menschen bewegt und Design schaffen, das berührt. Das nicht beliebig ist, sondern geliebt wird.

Zum Autor: Michael Lanz ist seit 2007 Managing Director der Strategischen Design Consulting Agentur designaffairs aus München, wo er die Branche Consumer Products sowie als Studio Lead Munich die Bereiche HR, IT und Internal Operations verantwortet. Lanz ist studierte Produktdesigner und auch als Lehrbeauftragter im Fachbereich Technisches Design an der TU Dresden tätig.

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