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Foto: Andrea Buzzi
New Work Kolumne Internet

Der Kopf ist langsamer als das Internet

Online wie offline: sich zu vernetzen, ist wichtig. Manchmal aber gar nicht so einfach, wenn man dafür um die halbe Welt geflogen ist. Für LEAD erzählt Agenturchefin Andrea Buzzi aus ihrem Alltag als digitale Nomadin auf Bali.

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Heute ist Tag drei von 88 meines Experiments als Digitalnomadin auf Bali. Meine erste Kolumne ist fällig und ich habe ein Problem: Den Jetlag. Pünktlich zur Schlafenszeit in Hamburg werde ich hundemüde und dämmere den halben Tag vor mich hin. Die ersten beiden Tage hat mich noch das Adrenalin getragen und ich habe eifrig mit meiner Geschäftsführerin und den Mitarbeitern in Hamburg telefoniert und gechattet. Großartig, denn ich war allen sieben Stunden voraus und konnte nach Herzenslust Aufgaben für den kommenden Arbeitstag verteilen.

Unser kleiner Bungalow in Canggu hat ein unerwartet schnelles Wifi und so bekomme ich über unser internes Kommunikationstool Slack nach wie vor alle Vorgänge im Büro im Detail mit und fühle mich genauso informiert wie in Hamburg. Um meine Arbeitswut etwas einzudämmen und eventuell auch, um mich selbst auszutricksen, habe ich mir noch keine Prepaid-Karte mit entsprechendem Datenvolumen zugelegt. Es reicht, wenn ich mich hier und da ins WLAN einlogge.

Nachdem ich mich gedanklich von Zuhause distanziert habe, konnte meine Umgebung erst so richtig auf mich wirken. Meine Eindrücke von dem Leben hier sind so unglaublich vielfältig und intensiv, dass ich vor lauter Umherschauen bereits beinahe in einen Gulli gefallen wäre. Hier treffen überall Gegensätze aufeinander. Ich wohne etwas abseits von der internationalen Community, die sich Bali als ihr Lifestyle-Ziel auserkoren hat. 

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Während ich bis einschließlich gestern meine direkte Umgebung kaum verlassen habe, holte ich heute meine TripAdvisor-Liste raus. Denn natürlich bin ich tiptop vorbereitet. Auf dem Roller ging es dann in das Bali-Starbucks-Pendant Satu-Satu, welches mir von meinem Advisor mit fünf Sternen empfohlen wurde. Betrieben wird die Deli-Kette von einer balinesischen Familie, die sich dem biologischen und fairen Kaffeeanbau verschrieben hat. Damit trifft sie den Geschmack der Touristen und Traveller, die sich in dem westlichen Ambiente gern mit ihren Laptops niederlassen. Und ja, auch meinen. Dort habe ich auch meine ersten digitalen Nomaden-Kollegen zu Gesicht bekommen. Aufregend. Ich denke, ich werde mich nächste Woche mal einen Tag ins Satu-Satu setzen und die Leistungsfähigkeit der Internetverbindung checken. Dort kann man es aushalten und sich bei der Arbeit den ganzen Tag mit Organic Food verwöhnen lassen. 

Mein Fazit nach den ersten Tagen als digitale Nomadin: Nicht das Internet ist das Problem, sondern der Mensch. Mein Körper und mein Gehirn können leider keine 12.000 Kilometer weit verfrachtet werden und dann reibungslos weitermachen. Sich einzugestehen, dass man erst einmal Ankommen muss, bevor man richtig loslegen kann, war nicht ganz einfach. Deswegen werde ich das vor mir liegende Wochenende nutzen, um meine erste Yogastunde zu absolvieren, mehr nicht. Das wird auch die Hamburger freuen, wenn sie am Montag ins Büro kommen und der Chat vielleicht – leer ist.

Andrea Buzzi (46) ist Geschäftsführerin der Agentur Frau Wenk+++ und Herausgeberin von Clutch, dem Gesellschaftsmagazin für die digitale Welt. Mit ihrer Firma berät sie seit 2008 Internet-Unternehmen in Sachen Kommunikation. Ihre Passion für die digitale Wirtschaft treibt sie bis heute an. Sie ist mit dem Journalisten und Buchautoren Gerhard Buzzi verheiratet, der sie nach Bali begleitet. Ihr Hund Lulu muss leider in Deutschland bleiben. 

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