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Ottmar Neuburger und Lisa Graf-Riemann haben den ersten Krypto-Krimi geschrieben (Foto: Christina Neuburger)
Bitcoin Kryptowährung Blockchain

Kill Mr. Bitcoin: Der erste Krypto-Krimi kommt aus Bayern

​Eifel-Krimi, Ostsee-Krimi, Psychothriller – Kriminalromane gibt es viele. Aber zum Thema Bitcoin hat bislang noch niemand etwas geschrieben. LEAD hat sich mit Lisa Graf-Riemann und Ottmar Neuburger, den Autoren des ersten Bitcoin-Krimis, in einem lauschigen Biergarten in ihrem Heimatort Berchtesgaden getroffen, um über Mord, Blockchain und Bitcoin zu reden.

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LEAD: Ihr seid die beiden Autoren, die den ersten Bitcoin-Krimi geschrieben haben. Wie seid ihr auf das Thema gekommen?

Ottmar Neuburger: Ich bin 2011 auf das Whitepaper von Satoshi Nakamoto im Netz gestoßen. Und nachdem ich das Papier gelesen hatte, schwante mir, dass dieses Konzept die Welt verändern kann. Ich habe es dann aber wieder aus den Augen verloren und bin erst ein paar Jahre später wieder drauf gestoßen. Und diesmal bin ich drangeblieben.

Lisa Graf-Riemann: Ottmar hat schon früh Bitcoins gekauft. Doch ich habe gedacht, die werden sicher bald wieder vom Markt verschwinden. Doch der Kurs ist immer weiter gestiegen und dann habe ich mich auch eingeklinkt und ein bisschen investiert.

LEAD: Wann hast du denn deine ersten Bitcoins gekauft?

Neuburger: Die ersten 2013.

LEAD: Zu welchem Kurs? Weißt du das noch?

Neuburger: Der billigste, den ich gekauft habe, hat glaube ich 35 Euro gekostet. Aber das war eine Ausnahme. Auf jeden Fall habe ich mich dann wieder mit dem Thema beschäftigt, in erster Linie aus Interesse an der Technik und an den Möglichkeiten, die das System bietet. Und dann habe ich gedacht, es wäre auch schön, das, was ich erfahren habe, weiterzugeben. Ich habe erst überlegt, einen Blog zu schreiben. Aber wer liest schon meinen Blog? Dachte ich. Und dann habe ich Lisa gefragt, ob sie nicht schon immer mal einen Bitcoin-Roman schreiben wollte.

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LEAD: Und? Wolltest du, Lisa?

Graf-Riemann: Nein, eigentlich nicht.

Neuburger: „Niemals!“, hat sie gesagt. Doch dann ist unser Roman Steckerlfisch fertig geworden und wir standen plötzlich ohne Beschäftigung da und saßen Abend für Abend am Kamin und …

Graf-Riemann: … und Ottmar hat von Blockchain und Bitcoins erzählt. Und das alles hat sich faszinierend angehört und ich habe gemerkt, dass es hier nicht nur um die Technik und das Konzept der Blockchain geht, sondern das Thema auch noch eine gesellschaftliche Komponente hat, die die Menschheit vielleicht ein bisschen weiterbringt. Das hat mich überzeugt.

Kill Mr Bitcoin Web
"Kill Mr. Bitcoin" ist im Emons Verlag erschienen und kostet 14,95 Euro

LEAD: Was ist - kurz zusammengefasst - die Geschichte?

Graf-Riemann: Der Berliner Barmann Noah Franzen überlegt, dass er seinem Leben noch mal eine andere Richtung geben will. Als er in jener Nacht die Bar abschließt, wird er Ohrenzeuge eines Mordbefehls, in dem es heißt „Kill Satoshi Nakamoto.“ Noah merkt, dass dieser Satz kein Witz ist. Das ist der Beginn einer Verfolgungsgeschichte, die nicht nur über mehrere Länder hinweg, sondern sogar über Kontinente geht. Noah steht plötzlich mittendrin im Netz der Bitcoin-Revolution. Denn nicht nur das Leben des Erfinderphantoms des Bitcoin-Codes steht auf dem Spiel, sondern auch sein eigenes. Über Berlin, Mailand, Rom, Santiago de Compostela und Jerusalem versucht er, seine skrupellosen Verfolger abzuhängen – und ein Komplott zu verhindern, das die internationale Finanzwelt für immer zerstören könnte.

LEAD: Euer Ziel ist ja, auch ein bisschen über Kryptowährungen aufzuklären. Was muss man eurer Meinung nach grundsätzlich darüber wissen?

Neuburger: Um unser Buch zu lesen, muss man überhaupt nichts über Kryptowährungen wissen. Denn der Zufall will es, dass Noah, die Hauptfigur, auch nichts über Kryptowährungen weiß. Und mit Noah lernt der Leser ein paar grundlegende Dinge.

LEAD: Wie zum Beispiel?

Neuburger: Wie zum Beispiel, dass man mit Bitcoin oder mit Kryptowährungen über Blockchain-Verfahren kein Bankkonto braucht. Das heißt, es gibt auf der Welt zwei Milliarden Menschen im Erwachsenenalter, die keinen Zugang zu Bankkonten haben. Sei es, weil es in ihrer Kultur nicht gestattet ist. Sei es, weil der Staat es verboten hat. Sei es, weil Banken sie nicht als Kunden akzeptieren. Diese Menschen können zu einem großen Teil am Wirtschaftsleben nicht teilnehmen, sind schlecht bezahlt oder schlechter bezahlt, als es sein müsste. Und mit Kryptowährung können sie, sofern sie einen Internetzugang haben, Zugang zu einer virtuellen Geldbörse bekommen, die ein Bankkonto ersetzen kann.

Graf-Riemann: Sie können dann Geld empfangen, Geld überweisen und ihre Familie unterstützen – was sie ohne Bankkonto schwerlich könnten.

LEAD: Glaubt ihr, dass Kryptowährungen unser heutiges Bankensystem in fünf oder zehn Jahren ablösen werden?

Neuburger: Ich glaube nicht, dass die Blockchain das Bankensystem ablöst. Denn die Banken sind ja sehr interessiert an der Blockchain-Technologie. Sie hassen zwar das System, aber daran verdienen wollen sie doch. Sie werden daher wahrscheinlich eigene Blockchain-Systeme aufbauen und Bitcoin als Konkurrenz bekämpfen. Und ich denke, dass weder das Bankensystem noch das gängige Währungssystem in allernächster Zeit abgelöst werden. Aber Bitcoin wird immer mehr Anteil an der Werte-Übertragung und an der Werte-Aufbewahrung in den meisten Gesellschaften bekommen.

LEAD: Nun habt ihr mit DOI selbst einen Coin aufgelegt. Was ist das Businessmodell dahinter?

Neuburger: Da muss ich etwas ausholen. Ich habe mit meinem Bruder zusammen eine Newsletter-Versandfirma. Wir verschicken jeden Tag viele Millionen E-Mails. Und in diesem Markt - das kennt jeder – da gibt's die Guten, auf deren Newsletter sich der Kunde jeden Tag freut. Und dann gibt's die, die dich zuspammen, weil sie sagen: „Ich habe von dir die Erlaubnis bekommen, dass ich dir mailen darf.“ Egal ob Waschmittelwerbung oder "Kaufe dein Auto" oder Ähnliches. Die behaupten nur, man hätte ihnen die Erlaubnis gegeben, Werbung zu schicken. In Wirklichkeit hat der User niemals etwas mit ihnen zu tun gehabt.

Nun besteht das Problem darin, dass die Werbetreibenden die Beweislast haben, dass dem so ist. Darunter leiden nicht nur die Leute, die E-Mails bekommen, die sie nicht angefordert haben. Darunter leiden auch diejenigen, die ehrlich arbeiten. Denn E-Mail-Marketing ist ja prinzipiell nichts Schlechtes und jeder möchte informiert werden, wenn er gerade auf der Suche nach etwas Bestimmten ist. Wenn er beispielsweise ein leidenschaftlicher Schallplattensammler ist, will er einmal im Monat seinen Newsletter mit aktuellen Schallplattentipps bekommen. Aber dieser Service wird dadurch entwertet, dass die Mailingflut unermesslich ist.

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LEAD: Und wie hängt das nun mit der Blockchain zusammen?

Neuburger: Die Blockchain bietet die Möglichkeit, Mailings erstens sicherer zu machen und zweitens ganz genau zu beweisen, ob ein User sein Werbeeinverständnis gegeben hat oder nicht. So kann derjenige, der das Werbeeinverständnis gegeben hat, das jederzeit überprüfen. Und auch der Postfachbetreiber, also etwa Gmail oder t-online sieht, wenn die E-Mail ankommt ebenfalls, dass ein Einverständnis vorliegt und die Mail nicht im Spam-Ordner landen darf. Letzten Endes haben alle was davon und der E-Mailverkehr wird vielleicht ein bisschen weniger.

LEAD: Aber das war doch eher eine Vorbereitung auf die DSGVO und weniger auf das Thema Bitcoin. Warum habt ihr euren eigenen Coin etabliert?

Neuburger: Das System hinter Bitcoin bietet neue Möglichkeiten, nämlich ohne eine zentrale Instanz etwas zu dokumentieren. Die Technik hinter Bitcoin wirkt wie ein Notar. Und wir haben deshalb eine eigene Blockchain mit einem eigenen Coin hochgezogen, weil wir noch ein paar Zusatzfunktionen haben wollten, die bei Bitcoin nicht nötig sind. Und sogar Satoshi Nakamoto hat so etwas Ähnliches angedacht. Wir haben das nur aufgegriffen, an unsere Bedürfnisse angepasst und dann umgesetzt. Und dafür braucht man auch eine Währung. Und hier liegt die Parallele zum Bitcoin. Das heißt, wir haben auch so einen kleinen Coin geschaffen, mit dem man dann die Transaktionen bezahlen muss.

LEAD: Kannst du kurz verraten, wofür genau die Leute die Währung brauchen bzw. wofür sie bezahlen müssen?

Neuburger: Wenn sich ein User bei einem Modehersteller beispielsweise registriert, dann muss der Modehersteller als Erstes ungefähr das Äquivalent von einem Cent an die Blockchain bezahlen, damit dieser Antrag auf Genehmigung erstellt wird. Und im zweiten Schritt, wenn die Bestätigungsmail vom Empfänger angenommen wird, muss der Werbetreibende ein zweites Mal einen Eurocent bezahlen, damit das System abgeschlossen ist und die Annahme des Users dokumentiert ist.

LEAD: Ginge das nicht auch ohne Bezahlung?

Neuburger: Theoretisch schon. Der Grund, weshalb die Werbetreibenden einen kleinen Betrag bezahlen müssen, liegt darin, dass niemand ausprobiert: Ich schicke einfach irgendwelche Dinge Richtung Blockchain und hoffe, dass ich irgendwann eine richtige E-Mail-Adresse treffe, die dann bestätigt werden könnte. Kurz: Es ist eine Methode, Spam gegen die Blockchain zu verhindern. Und im Augenblick funktioniert unsere Technik auch noch so, dass diese Gebühr wieder vernichtet wird. Wir überlegen aber, ob diejenigen, die diese Technik mit Computerleistung unterstützen, das Geld gutgeschrieben bekommen.

LEAD: Ich dachte, der Coin wäre dazu da, den Buchverkauf zu unterstützen. Lag ich da völlig falsch?

Neuburger: Nachdem ich ja ein bisschen Protagonist bei dieser deutschen Geschichte bin, dachte ich mir, dass unsere Leser vielleicht auch Erfahrung mit Kryptowährungen sammeln wollen und verstehen wollen, wie das funktioniert. Daher haben wir auf unserer Website eine Rubrik namens „DOI“ angelegt. Da kann man sich ein Wallet runterladen und auch einen DOI von uns zuschicken lassen. Und wenn man einen Freund hat, kann man dem das Geld auch schicken und er kann es wieder zurückschicken. Und so kann man beobachten, wie das funktioniert.

Graf-Riemann: Und wenn es nicht klappt, kann man sich auch bei uns melden. Ottmar macht dann persönlichen Support.

Autorenduo Graf Neuburger
Ottmar Neuburger und Lisa Graf-Riemann haben den ersten Krypto-Krimi geschrieben (Foto: Christina Neuburger)

LEAD: Und den gibt es nur, wenn der User das Buch kauft?

Neuburger: Genau. Dann frage ich immer: Was steht auf Seite 83 oben?

LEAD: Zum Schluss noch ein wenig weg von dem technischen Thema. Ihr habt das Buch ja gemeinsam geschrieben. Wie schafft ihr es, euch nicht gegenseitig zu zerfleischen, weil der eine meint, eine Figur müsse jetzt so oder so handeln.

Graf-Riemann: Also es gibt verschiedene Modelle, wie man als Paar einen Roman schreiben kann. Es gibt das klassische Modell, bei dem das Paar zusammen plottet und ein Gerüst entwirft. Der eine macht dann den Grobentwurf und der andere schmückt den Text aus: Figurengestaltung, Beschreibungen – alles, was das Fleisch auf den Knochen ist. Das machen wir nicht.

LEAD: Warum nicht?

Graf-Riemann: Weil wir ja beide Schreiberlinge und Romanautoren sind. Wir plotten zusammen und entwerfen die Figuren zusammen in groben Zügen. Dann verteilen wir einzelne Kapitel oder Szenen und jeder von uns schreibt. Und das ist total spannend, weil die Szenen bei uns nur ganz grob geplant sind und nicht bis ins Letzte ausgetüftelt. Da ist viel Spielraum. Und daher ist es für uns selbst auch spannend, zu lesen, was der Co-Autor aus einer Szene macht – von der Aktion her und auch sprachlich. Das liebe ich wirklich am meisten!

LEAD: Und kriegt ihr euch auch mal in die Haare? An welcher Stelle habt ihr euch in diesem Buch in die Wolle bekommen?

Neuburger: Also, „diese Stelle“ kann man eigentlich nicht sagen. Denn es ist eine ziemlich große Zahl, wo wir diskutiert haben. Kill Mr. Bitcoin war tatsächlich eines unserer schwierigsten Werke, die wir gemeinsam geschrieben haben. Es hat sehr viel Kraft gekostet. Und Blut und Tränen, möchte ich fast sagen. Aber wir hoffen sehr, dass es sich gelohnt hat.

Graf-Riemann: Also es gibt diesen Fall: Wenn eine Szene kommt und da agiert eine Figur so, dass ich sagen würde: Nee, also das passt nicht. Das habe ich mir ganz anders vorgestellt. Diese Figur würde nie so handeln. Und dann, ja dann wird es schwierig. Autoren sind in der Regel ja sehr emotionale Menschen und sehr empfindlich und verletzlich. Dann sollte man diplomatisch sein. Was man aber natürlich nicht immer sein kann im Eifer des Gefechts. Dann dauert es schon mal, bis man den anderen überzeugt.

LEAD: Aber nachdem das Buch ja offensichtlich erschienen ist, habt ihr eure Diskussionen friedvoll beigelegt. Herzlichen Dank für das spannende Gespräch.

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