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Sundar Pichai 102929487 Picture Alliance Reuters
Google-CEO Sundar Pichai (Foto: Picture Alliance)
Google Ethik KI

Künstliche Intelligenz: Google möchte ethisch sauber arbeiten

Gut gemeint und wichtig ist das Grundsatzprogramm von CEO Sundar Pichai in jedem Fall - ob es auch so eingehalten wird, muss sein Konzern erst beweisen.

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Nun hat Google also reagiert. Wobei: Als Reaktion auf irgendetwas, negative Schlagzeilen gar, würde CEO Sundar Pichai seine sieben, am Donnerstag via Hausblog veröffentlichten Grundsätze natürlich nicht bezeichnen. Die Leitlinien zur zukünftigen Forschung und Arbeit mit künstlicher Intelligenz bei Google seien dem Unternehmen zufolge schon länger in Planung gewesen. Keine Reaktion also auf die Petition, die etwa 4.000 Mitarbeiter im April dieses Jahres einreichten oder die Kündigung von etwa ein Dutzend Entwicklern im selben Monat. Beide Ereignisse protestierten unter anderem gegen die Beteiligung Googles am "Projekt Maven" - einer Kooperation mit dem US-Verteidigungsministerium, für die der Konzern seine "Tensorflow"-Chips für maschinelles Lernen zur Erkennung von Objekten per Drohne zur Verfügung stellt. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

Die Dos und Don'ts der KI-Forschung

Festhalten lässt sich: Der Blogpost des Google-Chefs ist ein gewichtiges Statement und enthält viele gute, auch notwendige Versprechen. Die sieben Prinzipien zum Einsatz von KI seien "keine theoretischen Konzepte", sondern "konkrete Standards, an denen sich unsere Forschung und Produktentwicklung aktiv ausrichten und die unsere wirtschaftlichen Entscheidungen beeinflussen werden". Im Anschluss geht Pichai näher auf die sieben Punkte ein.

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Zusammengefasst soll Googles Arbeit mit künstlicher Intelligenz

1. dem Wohle der Gesellschaft dienen

2. unvoreingenommen sein und keine unfairen Vorurteile bestärken

3. sicher sein

4. überprüfbar und transparent sein

5. den gleichen Datenschutzrichtlinien unterliegen wie alle anderen Bereiche des Konzerns

6. hohe wissenschaftliche Standards erfüllen und

7. im Ergebnis für Zwecke zur Verfügung gestellt werden, die ethischen Standards entsprechen und keinesfalls solchen, die insgesamt Schaden zufügen können.

Das klingt im Paket ähnlich dem, was Microsoft-Chef Satya Nadella jüngst auf einer Entwicklerkonferenz verkündete. Erster ist Google also nicht mit seiner ethischen Offensive, dennoch setzt Pichai ein moralisches Zeichen - gerade in Zeiten, in denen User beim Wort Datenskandal erstmal fragen müssen: Welcher?

So formuliert Pichai auch gleich explizit die Bereiche, die nicht von Googles KI-Forschung profitieren sollen: Waffen und andere Technologien, die den ausdrücklichen Zweck haben, Schaden anzurichten, sind ausgenommen. Ebenso ausgeschlossen sind Überwachungstechnologien, die nicht internationalen Normen und Gesetzen entsprechen, sowie gegen Menschenrechte verstoßen.

Der Teufel steckt im Detail

Der Haken an dem erbaulich klingenden Statement ist nur: Es gelten Ausnahmen. Die wiederum weichen die gerade beschriebenen Leitlinien schon wieder auf. So schreibt Pichai unter Punkt 1 zum sozialen Nutzen, dass Google danach streben werde, der Menschheit mithilfe von KI qualitativ hochwertige, richtige Informationen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig werde man dabei aber natürlich weiterhin kulturelle, soziale und rechtliche nationale Gegebenheiten beachten. (Bürgern autoritärer Regime bringen verbesserte Suchfunktionen somit weiterhin nichts.) Die Systeme seien zudem stets menschlicher Kontrolle unterworfen. (Mit Menschen sind hier wohl eher Google-Mitarbeiter gemeint, als im Zweifel Justizangestellte.)

Am schwierigsten ist Pichais Bekenntnis zur Zusammenarbeit mit dem US-Militär und Regierungsbehörden. Google werde zwar keine künstliche Intelligenz für Waffen liefern, die Kooperation in anderen Bereichen bleibe aber bestehen. Google-Cloud-Chefin Diane Green bestätigte sogleich, dass das aktuelle Projekt "Maven" von Googles Leitlinien unberührt bleibe. Der Konzern hatte nach den Protesten zwar verkündet, den Vertrag nicht zu verlängern. Google wird aber als einer der Kandidaten für einen weiteren milliardenschweren Deal zur Bereitstellung von Cloud-Diensten für das US-Verteidigungsministerium gehandelt. Wer hier kontrollieren kann, ob das US-Militär wirklich keine Google-Daten oder Know-how zur Kriegsführung einsetzt? Klingt nach einer tollen Aufgabe für heranwachsende Whistleblower.

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