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Amazon Seattle Supermarkt 98911130Picture Alliance Ap Photo
Deutsche Händler haben smarte Ladenkonzepte wie Amazon Go zwar im Blick, hinken aber bei der eigenen Digitalisierung hinterher (Foto: Picture Alliance Ap Photo)
Special Amazon E-Payment

Keine Kassen, keine Schlangen - aber dutzende Kameras

Dieser Montag markiert den Start eines Experiments: Der erste "Amazon Go" eröffnet in Seattle. Dort kann man einfach alles in den Einkaufswagen legen, was man braucht, und gehen. Der Betrag wird automatisch vom Amazon-Konto abgebucht.

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Amazons erster Supermarkt ohne Kassen öffnet für das Publikum. Die Vision hinter "Amazon Go" ist, dass Käufer die Waren direkt in ihre Einkaufstaschen legen - und am Ende das Geschäft einfach verlassen können. Der Betrag wird dann vom Amazon-Konto des Nutzers abgebucht. US-Medien, die den Laden in Seattle vor dem offiziellen Start am Montag besichtigen durften, berichteten von "Dutzenden und Dutzenden von Kameras". Außerdem sei jeder Regalboden mit einer Waage versehen, um entnommene Artikel zu registrieren.

Die Ladenbesucher müssen eine "Amazon-Go"-App herunterladen und das Telefon an eine Schranke am Eingang halten, berichteten Medien wie die Technologieblogs Recode und Techcrunch sowie das Wall Street Journal am Sonntag. Von da an registriere die Technik mit Hilfe der Kameras und Sensoren, welche Artikel ein Käufer aus dem Regal holt und auch einpackt. Es sei nicht nötig, sie explizit in die Kameras zu halten. Das System komme dabei ohne Gesichtserkennung aus, betont Amazon. Die Menschen würden vom System stattdessen als "3D-Objekte" wahrgenommen. Am Ausgang hält der Ladenbesucher wiederum das Telefon an eine Schranke, um "auszuchecken".

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Klauen ist unmöglich, alles wird berechnet

Das Einkaufserlebnis habe sich wie Ladendiebstahl angefühlt, schrieb die New York Times - zumindest bis wenige Minuten nach Abschluss die Rechnung von Amazon im E-Mail-Postfach landete. Tatsächlich etwas zu klauen, sei schwierig: Ein Viererpack Softdrink-Dosen, den der New York Times-Reporter noch im Regal in eine Tüte einwickelte und sich unauffällig unter den Arm klemmte, wurde trotzdem berechnet.

Im Angebot von "Amazon Go" sind den Medienberichten zufolge Salate, fertige Gerichte, Kochboxen, frische Lebensmittel, Getränke sowie Snacks einer Marke des von Amazon gekauften Bio-Supermarkts Whole Foods. Die Preise seien auf Supermarkt-Niveau. Gibt es einen Fehler oder ist man unzufrieden mit einem Artikel, wird der Kaufpreis erstattet - ohne dass man die Ware zurückbringen muss.

Die Eröffnung des Ladens war bereits vor rund einem Jahr erwartet worden. Laut Medienberichten hatte die Technologie jedoch Probleme, bei größeren Menschenmengen den Überblick zu behalten. Diese seien inzwischen behoben, hieß es. Schon vor Monaten war zu lesen, den Härtetest habe die Technologie bestanden, als eine Gruppe von Mitarbeitern in gleich aussehenden Kostümen als Pokémon Pikachu verkleidet reingeschickt worden seien.

Amazon "Go" als mögliches Expansionsmodell

Obwohl das Geschäft ohne Kassierer auskommt, hat es den Medienberichten zufolge trotzdem diverse Mitarbeiter: Mehrere bereiteten die Salate, andere fertigten Gerichte und befüllten die Regale, einer stehe zur Begrüßung am Eingang, ein weiterer kontrolliere das Alter  am Regal mit alkoholischen Getränken.

Zu den Herausforderungen des Konzepts gehöre, sehr ähnliche Produkte auseinanderzuhalten - zum Beispiel Yoghurt-Becher in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Erschwerend komme hinzu, dass die Käufer meist Erkennungsmerkmale mit ihren Händen verdecken.

Amazon betrieb bisher mehrere Buchläden in den USA. "Amazon Go" gilt als mögliches Modell für eine Expansion des Online-Händlers bei stationären Geschäften mit Unterstützung moderner Technologie. Es gebe allerdings keine Pläne, die Technik von "Amazon Go" in den Whole-Foods-Läden einzusetzen, sagte Amazon-Managerin Gianna Puerini der New York Times.

Online-Lebensmittelhandel stagniert

Auf dem anderen Feld, das Amazon im Lebensmittelhandel bespielt, herrscht Stagnation. Der Online-Handel spielt im Food-Bereich in Deutschland bislang kaum eine Rolle, obwohl viele glaubten, der Start des Lebensmittellieferdienstes Amazon Fresh vergangenen Mai würde dies ändern. Tatsächlich liegt der Marktanteil des Online-Handels bei Lebensmitteln hierzulande nach wie vor bei nur rund einem Prozent.

Amazon legt beim Ausbau seiner Lebensmittel-Aktivitäten in Deutschland bisher ein eher geruhsames Tempo vor. Bislang ist Amazon Fresh nur in Berlin, Hamburg und München am Start. Doch wuchs die Zahl der angebotenen Artikel immerhin von mehr als 85 000 beim Start in Berlin auf inzwischen mehr als 300 000 in München.

Amazon sei bereit, auf Jahre hinaus auf Profite zu verzichten, um einen Markt zu erschließen und beweise dies einmal mehr auf dem deutschen Lebensmittelmarkt, meint der E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. Am Ende werde Amazon damit erfolgreich sein, prognostiziert der Branchenexperte: "Der Online-Anteil beim Verkauf von Lebensmitteln kann in den nächsten zehn Jahren zehn Prozent erreichen. Wie es heute aussieht, wird sich Amazon mindestens 50 Prozent davon sichern. Wenn Rewe und Edeka nicht bald wieder Gas geben, könnten es sogar 80 Prozent werden."

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