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Tech Karriere Arbeitsmodelle

"Keine Frau muss besonders tech-affin sein"

Elena Poughia, Gründerin von Data Natives, Europas größter Konferenz für Data Science, möchte Frauen in der Tech-Branche fördern. Wie sie zu ihrem Job als Datenwissenschaftlerin gekommen ist und was sie über die Branche denkt, erzählt sie im Interview.

Frauen in der Tech-Branche sind eine Seltenheit. Frauen ohne Tech-Background noch mehr (Bild: iStock)
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Frauen in der Tech-Branche sind eine Seltenheit. Frauen ohne Tech-Background noch mehr. Elena Poughia ist eine von ihnen. Vor ihrer Karriere in der Tech-Branche arbeitete die studierte Volkswirtschaftlerin und Kunsthistorikerin für etablierte Kunstgalerien und Institutionen. Heute ist sie Geschäftsführerin von Dataconomy Media und Gründerin von Data Natives, Europas größter Konferenz für Data Science. Mit ihrer unternehmerischen Denkweise und ihrer Erfahrung aus Kunst, Technik und Wirtschaft, gilt sie als Visionärin. Ihr Hauptaugenmerk liegt dabei vor allem auf der Förderung von Frauen in der Branche.

LEAD: Sie sind keine typische Datenwissenschaftlerin. Wie sind Sie dazu gekommen?

Elena Poughia: Das stimmt. Ich bin durch Zufall in die Tech-Branche gerutscht. Als Kind habe ich mich schon immer für Technik und Computer interessiert, ich fand es spannend, wie die Technik uns eine neue Welt eröffnet und so viele Möglichkeiten weltweit bietet. Gleichzeitig wäre mir jedoch nie in den Sinn gekommen, dass ich einmal das zu meinem Beruf mache. Ich wollte viel mehr etwas mit Kunst machen. Aber auch hier merkte ich schnell: Kunst, die mich interessiert, hat oft etwas mit Technik zu tun. Denn auch viele Künstler nutzen die Möglichkeiten des digitalen Lebens für ihre Werke.

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LEAD: Das heißt, Ihr Werdegang führte Sie zuerst in Richtung Kunst?

Poughia: Genau, ich wollte immer mein eigenes Ding machen, also habe ich zuerst in der Kunst gearbeitet und unter anderem in Griechenland Events zum Thema Digital Art veranstaltet. Irgendwann habe ich beschlossen, nach Berlin zu gehen und die dortige Startup- und Techbranche unter die Lupe zu nehmen. Kurz darauf traf ich auf Teammitglieder von Hitfox und sie boten mir einen Job in der Tech-Branche an. Ab Tag 1 war ich begeistert von dieser Welt.

LEAD: Was fasziniert Sie an dem Job?

Poughia: Der Job fordert mich immer wieder neu heraus, wenn wir versuchen innovative Ideen umzusetzen und zu gucken, wie wir das Leben leichter machen können. Das ist genau das, was ich liebe. Ich glaube ganz stark an neue Ideen, die uns weiter voranbringen und positiven Einfluss auf uns haben. Und das ist dann gar nicht so weit weg von der Idee vieler Künstler*innen.

LEAD: Warum glauben Sie, ist Data Science für unsere Zukunft so wichtig?

Poughia: Wenn wir es genau betrachten, sind Daten die Grundlage unserer Zivilisation. Wir selbst bestehen dank der DNA aus Daten. Wir basieren auf Algorithmen und Daten, wie auch all unsere Maschinen. Aber: Ich denke nicht, dass Data Science der einzig wahre Weg in Richtung Zukunft ist. Data Science alleine ist nicht der Game Changer, aber eine der Zutaten für eine neue Art des Lebens. Wenn wir die besten Zutaten zusammentun, entsteht Großes. Daten lassen uns hier analytisch vorgehen und in einem Zeitalter der Informationen vieles daraus herauslesen. Deshalb glaube ich, sind Daten unerlässlich für unsere Zukunft.

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Sie bestimmen die Schlagzeilen, verändern eine ganze Generation und gehen mutig voran: Junge Frauen wie Greta Thunberg, Carola Rackete und Luisa Neubauer sind die neuen Rolemodels. Sie beweisen: Frauen verändern viel und zeigen zeitgemäße Perspektiven auf. Im aktuellen LEAD Bookazine 3/2019 bekommst du einen modernern Blick auf das starke Geschlecht, der sich auch in der Digitalbranche lohnt.

LEAD: Frauen in der Tech-Branche sind immer noch eine Seltenheit. Wie erleben Sie das?

Poughia: Ohja. Die wenigen Frauen, die es gibt, sind immer im Rampenlicht. Es ist sehr einsam hier, es dürfen gerne noch mehr Frauen kommen (lacht). Frauen sind meiner Meinung nach am erfolgreichsten, wenn sie sich gegenseitig unterstützen und pushen. Frauen in der Tech-Branche halten zwar zusammen, aber es ist tatsächlich schwieriger, in einer so männerdominierten Branche die gleichen Chancen und Möglichkeiten zu bekommen. Ich persönlich verstehe das bis heute nicht. Es sollte um die Fähigkeiten für diesen Job gehen und nicht um das Geschlecht oder wie eine Frau in der Tech-Branche zu sein hat. Es ist nach wie vor nicht zu verstehen!

Dabei ist die Tech-Branche doch um jede Frau froh, oder?

Poughia: Klar. Aber es ist natürlich schwieriger, gute Frauen zu finden und diese dann auch einzustellen. Männer stellen eher Männer ein. Umso wichtiger ist es, dass die wenigen Frauen Aufmerksamkeit bekommen und andere Frauen für Jobs in männerdominierten Branchen inspirieren. Ich hoffe, dass wir wirklich irgendwann gar nicht mehr über dieses Thema sprechen müssen, sondern es ganz normal ist, dass Frauen wie Männer gemeinsam in dieser Branche arbeiten.

LEAD: Müssen Frauen in der Tech-Branche denn bestimmte Fähigkeiten mitbringen?

Poughia: Nein! Das ist ja das Fatale. Keine Frau hier muss besonders techy sein. Ich bin es selbst ja auch nicht unbedingt. Wir brauchen hier keine Stereotype, sondern einfach Menschen, die Lust auf diesen Job haben und gemeinsam etwas großes schaffen wollen. Und dafür ist für jeden Menschen Platz.

Was ist der Vorteil, den Frauen in der Tech-Branche haben?

Poughia: Unser Vorteil ist auch unser Nachteil. Es gibt sehr viel Aufmerksamkeit für die wenigen Frauen in der Branche und trotzdem sind wir immer noch zu wenige. Aber die wenigen können eben den Unterschied machen und positiven Einfluss für die Zukunft nehmen. Ich denke, es ist nicht nur wichtig, dass wir Frauen ermutigen, den Weg in neue Branchen zu wählen, sondern wir das Mindset von uns allen verändern. Jeder von uns kann Unternehmer*in sein. Weg mit Stereotypen, wie Frauen oder Männer zu sein haben, um diese Jobs machen zu können.

LEAD: Wie wichtig sind dann trotzdem weibliche Role Models?

Poughia: Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dass wir Frauen sichtbar werden. Deshalb ist es mir wichtig, dass auch ich immer wieder auf der Bühne stehe und meinen Werdegang erzähle, der ja so gar nicht klassisch ist. Du musst eben nicht IT oder Datenwissenschaften studieren, um in der Tech-Branche erfolgreich zu sein. Deine Erfahrungen reichen oft schon aus, um dich in das Thema einzuarbeiten.

LEAD: Was würden Sie jungen Frauen raten, die den Weg in die Tech-Branche suchen?

Poughia: Sei du selbst und habe keine Angst.

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