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Facebook Kryptowährung Blockchain

"Bis 2025 müssen die meisten Unternehmen Libra-Coins nutzen"

Facebook hat seine Tochtergesellschaft Calibra mit der eigenen Kryptowährung Libra Coin vorgestellt. Blockchain-Experte und YouTuber Julian Hosp ist sich sicher, dass Libra Coin bestehende Kryptowährungen und die Geldtransaktionen nachhaltig verändern wird.

(Bild: Dr. Julian Hosp / iUnlimited)
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Julian Hosp gehört weltweit zu den einflussreichsten Blockchain- und Kryptowährungsexperten. Er ist Speaker, Bestsellerautor und als Berater im Bereich Blockchain für Arbeitsgruppen des Europäischen Parlaments in Brüssel tätig. Im Interview mit LEAD erzählt Hosp, was er von Facebooks neuer Tochtergesellschaft Calibra und der Kryptowährung Libra hält und welchen Einfluss sie auf Unternehmen, die Kryptoszene und Geldtransaktionen haben wird.

LEAD: Julian, was hälst du generell von Libra?

Julian: Das betrachte ich aus zwei Perspektiven. Zum Einen für das gesamte Ökosystem und zum anderen für den Libra Coin selbst. Ich vertrete schon seit den ersten Gerüchten von Facebooks eigener Kryptowährung die Meinung, dass Libra vor allem auf die anderen dezentralen Coins wie Bitcoin einen großen Einfluss haben wird. Weil plötzlich Millionen, wenn nicht sogar Milliarden von Menschen in das Ökosystem gespült werden und es viel mehr Legitimität für die anderen Kryptowährungen bringen wird. Jetzt wo Facebook das offizielle Whitepaper veröffentlich hat, vertrete ich die Meinung umso stärker.

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LEAD: Du trittst Libra also nicht skeptisch gegenüber?

Julilan: Ich war sehr skeptisch. Als die Gerüchte aufkamen, dachte ich mir, dass das bestimmt ein sehr zentralisierter und von Facebook kontrollierter Coin sein wird, der die ganzen Daten von den Nutzern abgreift. Nachdem ich einen ersten Blick auf das Whitepaper geworfen habe, muss ich sagen, dass sich meine Meinung geändert hat.

Klar wird Libra nie wirklich dezentral reguliert sein, weil Facebook da mit drin steckt. Trotzdem scheint der Coin einigermaßen zugänglich zu sein für alle Menschen. Außerdem gibt Facebook an, nur maximal einen Prozent Einfluss zu haben und die anderen 99 Prozent auf andere große Institutionen verteilt. Von dem her muss ich sagen, dass es bisher positiver ausschaut als vorher befürchtet.

LEAD: Große Partnerunternehmen - Visa, Mastercard, Paypal, Uber, Vodafone, Booking.com und viele mehr - hat Calibra schon gewonnen. Was haben die eigentlich davon?

Julian: Wie es bisher aussieht, werden die Partnerunternehmen und auch Facebook selbst von den Transaktionsgebühren profitieren und an der Umwandlungsgebühr von Währungen. Außerdem erhalten sie Zinsen auf die Einlagen. Natürlich wird es auch Daten geben, die Facebook und auch die Partner nutzen können - trotzdem werden die Calibra-Daten getrennt von Facebook gehalten.

LEAD: Was glaubst du, welche Zielgruppe wird den Libra Coin nutzen?

Julian: Für diejenigen, die sich sowieso mit Kryptowährungen beschäftigen, ist Libra nicht so interessant. Weil sie sehen die ganzen Nachteile. Die fragen sich, warum soll ich jetzt einem großen Unternehmen wie Facebook vertrauen, die kontrollieren das doch alles. Deswegen schätze ich, dass als erstes die Generation Libra nutzen wird, die ohnehin schon auf Facebook ist und zusätzlich in Ländern leben, in denen die finanzielle Freiheit und die finanziellen Möglichkeiten nicht so groß sind - wo auch große Kosten durch die ganzen Währungsreibereien entstehen.

In der Eurozone merkt man davon nichts. Aber zum Beispiel in Asien, Afrika oder Südamerika muss man in jedem anderen Land circa zwischen fünf und sieben Prozent für den Währungswechselkurs bezahlen. Für die Menschen dort ist Libra spannend. Wenn ich die Zielgruppe eingrenze, dann sieht sie so aus: 20 bis 30 Jahre alt, männlich - weil die gesamte Kryptoszene bisher eher von Männern dominiert wird - offen für neue Technologien und leben in einem Land, deren Währung weltweit nicht so anerkannt wird. Erst dann kommen die anderen Generationen hinzu.

LEAD: Libra kann also für Menschen spannend sein in Ländern, die gar kein Bankkonto haben.

Julian: Genau. Da stellt sich nur die Frage, wie kriege ich Geld rein. Da ist das Ökosystem von Calibra spannend. Nehmen wir zum Beispiel ebay und Vodafone. Jemand verkauft etwas auf ebay und bekommt vom Käufer das Geld in Libra. Diese gibt er dann weiter aus bei Vodafone, um Geld auf das Smartphone zu laden. Das sind denkbare Szenarien, wie es genau funktionieren wird, weiß man auf bisherigen Stand nicht. Deswegen ist es wichtig, dass Calibra ein großes Ökosystem hat - mit vielen Partnerunternehmen. Das scheint das Unternehmen ja relativ gut zu machen.

LEAD: Widerspricht der Libra-Coin der ursprünglichen philosophischen Auffassung einer Kryptowährung?

Julian: Ja. Eine Kryptowährung ist Libra ganz klar. Denn das bedeutet nur, dass es eine Währung ist, die auf Kryptografie basiert und auch Blockchain. Das trifft auf Libra zu. Aber ja, der Libra Coin widerspricht der Philosophie einer Kryptowährung mit der Freiheit, Unabhängigkeit und Zensurresistenz.

Wenn ich heute ich mit Leuten spreche, dann sagen die meisten: "Ach, hör mir auf mit den Kryptowährungen". Wenn jetzt aber plötzlich so große Firmen hinter einer Kryptowährung stehen wie jetzt bei Libra, dann wird diese auch ganz anders wahrgenommen und ist auf einmal nicht mehr schlecht.

LEAD: Wirst du Libra nutzen?

Julian: Wahrscheinlich schon. Einfach aus dem Grund, weil man irgendwann keine andere Wahl haben wird. Ich kann mir vorstellen - und das ist reine Spekulation meinerseits - dass Facebook sein ganzes System auf Libra umstellen wird. Vielleicht nicht sofort aber bis 2025. Die großen Währungen wie Dollar, Euro, Pfund, Schweizer Franken oder Yen bleiben sicherlich weiter bestehen.

Aber es ist möglich, dass Facebook zum Beispiel von Unternehmen Libra verlangt, wenn sie Traffic Ads schalten möchten. Momentan hat Facebook mit 80 verschiedenen Währungen zu tun. Kleine davon, die vielleicht nur 50 Millionen Menschen betreffen, wird Facebook sicherlich irgendwann durch Libra ersetzen. Wenn du dann Ads schalten möchtest, zahlst du in Libra. Deswegen glaube ich, hat man als Unternehmen fast keine andere Wahl als sich mit Libra zu beschäftigen.

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