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iPhone 5S
Apple-Oldie im handlichen 4-Zoll-Format: iPhone 5S (Foto: Apple)
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Jailbreak bei iPhones: Im Gefängnis ist noch Platz

Als vor wenigen Tagen der „4039 Jailbreak“ öffentlich wurde, rieben sich Technik-Interessierte die Augen: In einem Reddit-Post hatte die Hacker-Gruppe „iPhone 1137“ stolz verkündet, dass sie einen iPod Touch mit Firmware 1.1, erschienen 2007, erfolgreich geknackt habe.

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Zwischen dem Release der Firmware-Version 1.1. und dem aktuellen Jailbreak waren mal eben 4039 Tage vergangen. Und wer den Jailbreak nutzen möchte, benötigt einen Computer mit Windows XP. Eine Version von Windows, die 2001 erstmals erschien und deren Support im April 2014 endete. Der Nachfolger von XP (Windows Vista) war schon 2007 auf den Markt gekommen…

Natürlich, der höchst verspätete Jailbreak für den iPod touch der ersten Generation ist ein Liebhaber-Projekt der Hacker-Gruppe „iPhone 1337“. Aber er sagt auch viel über den Zustand der Jailbreak-Branche aus: Sie ist weitgehend aus dem Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

Hast du dein iPhone auch gejailbreakt? Die Frage stellt sich in der User-Gemeinde immer seltener. Im Gefängnis ist wieder Platz.

Was ist überhaupt ein Jailbreak?

Jailbreak? Viele junge Leute von heute werden sich fragen: Was ist das überhaupt?

Natürlich ein legendäres Album der australischen Band AC/DC (1974 erschienen), aber vor allem eine Befreiungs-Aktion, speziell für das geschlossene iOS-System, das von Apple bis ins Detail kontrolliert wird und die Benutzerrechte stark einschränkt, während das Rooten, also das Erlangen von erweiterten Nutzerrechten, mit denen sich Smartphones und Tablets weiter customizen lassen, auf Android-Geräten eher leicht fällt.

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Ein Root hat den Vorteil, dass sich ins Dateisystem eingreifen lässt. So können Daten oder auch Apps nach eigenem Wunsch angepasst werden. Wer sein Gerät also lieber modifiziert, wäre bei Android weitaus besser aufgehoben als bei iOS. Ist aber auch weniger sicher unterwegs.

Dies ist auch der Grund, warum sich Apple von Haus aus für ein geschlossenes System („Closed-World-Modell“) entschieden hat: Sicherheit geht unter iOS vor. Aber iOS bleibt so ein goldener Käfig: Was (allein) Apple kontrolliert, so die Philosophie der Firma, sei sicher. Wer sein Gerät öffnet, nutzt es zwar flexibler, ist aber auch gleichzeitig anfälliger für Sicherheitslücken.

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Hat sich der Nutzer unter iOS dann doch für den Jailbreak entschieden, wird in der Regel die Softwareverwaltung Cydia aufgespielt. Damit lässt sich Apples hauseigenes Software-Kaufhaus, der App Store, umgehen. Fortan können dann beispielsweise per Administrator-Zugriff auf das Betriebssystem auch Apps aufgespielt werden, die seitens Apple nicht zertifiziert wurden und somit auch nicht im App Store erhältlich sind.

Was 2007 mit dem allerersten Jailbreak einer Gruppe namens „iPhone Dev Team“ begann, ist inzwischen weitestgehend bedeutungslos geworden.

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"Größter Leak in der Geschichte des iPhones"

Natürlich jailbreaken immer noch Nutzer ihr iPhone. In der Hoch-Zeit des Jailbreak, im Jahr 2013, sollen immerhin 3,3 Prozent aller iPhones betroffen gewesen sein: 23 Millionen Geräte von 700 Millionen verkauften iPhones zwischen 2007 und 2013. Das iPhone 4 soll das iPhone gewesen sein, welches am meisten gejailbreakt wurde.

Doch heute zeigt sich: Selbst der neueste Jailbreak elektrisiert augenscheinlich nicht mehr die Massen. Er ist für iOS 11.0 bis 11.4 (beta 3) verfügbar. Hacker Coolstar veröffentlichte ihn unter dem Namen „Electra“. Support gibt es für alle 64bit-Geräte, darunter auch das iPhone X.

Im Frühjahr 2018 keimte in der Jailbreak-Szene noch einmal ein Hoffnungsschimmer auf. Auf der in San Francisco beheimateten Codehosting-Plattform GitHub war es aus Sicht von Apple zu einem Eklat gekommen: Der Quellcode einer kritischen Komponente des iPhone-Betriebssystems stand zum Download bereit.

Schon im Dezember 2017 war der Code auf einer anderen Plattform aufgetaucht. Doch bei Reddit hatte niemand Notiz davon genommen.

Dies änderte sich mit der Verfügbarkeit auf GitHub. Wer den Code von iBoot bei GitHub runtergeladen hatte, konnte iOS-Geräte definitiv manipulieren.

Jonathan Levin, Autor mehrerer Bücher zu iOS und macOS („Security & Insecurity“) bezeichnete den Vorfall gegenüber dem US-Portal Motherboard als „größten Leak in der Geschichte“ des iPhones. Im schlimmsten Fall – für Apple – hätten gewiefte Entwickler den Code emulieren und iOS auch auf Plattformen, die nicht von Apple betrieben werden, ausführen können.

Ein Krimi. Niemand wusste, wer hinter diesem Leak steckte – womöglich sogar ein (unzufriedener) Apple-Mitarbeiter? Zwar war der Code offenbar aus dem zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre alten iOS 9 rausgefiltert worden, aber er wies auch Codeschnipsel auf, die Apple unter iOS 11 immer noch einsetzte.

Er war also real. Aber nur für kurze Zeit. Es dauerte nur ein paar Stunden, dann meldeten sich Apples Anwälte bei GitHub und adressierten die Aufforderung, den Code unverzüglich von der Plattform zu entfernen:"The "iBoot" source code is proprietary and it includes Apple's copyright notice. It is not open-source."

Das Risiko ist größer als der Nutzen

Dies lässt sich als klarer Hinweis deuten, dass auch Apple den Leak für echt hielt. Die Betreiber von GitHub reagierten prompt und entfernten den Code. Auch wenn davon auszugehen ist, dass der Code sich auch schon nach nur wenigen Stunden auf GitHub weiterverbreitet hatte, entstand daraus bis heute nicht das Drama, das Apple befürchten musste: iOS bleibt geschlossen.

Und die ehemaligen Wegbereiter des Jailbreaks in seinen frühen Stadien haben längst den Abgesang eingeläutet. Allen voran Jay Freeman, der seit Anfang 2008 für den alternativen Cydia-App-Store verantwortlich zeichnete: In einem Vice-Interview, bezeichnenderweise mit „Das Leben, der Tod und die Legende des iPhone-Jailbreaking“ überschrieben, bilanzierte Freeman, das Risiko eines Jailbreaks sei inzwischen „weitaus größer als der Nutzen“.

Apples System sei inzwischen so sicher, dass ein Jailbreak „nur noch kleine Modifikationen“ statt – wie früher – Killer-Features garantieren könne. Der Aufwand sei zu groß. Immer weniger Entwickler würden einen Jailbreak für immer weniger Interessierte in Angriff nehmen, dies demotivierte naturgemäß.

Daran ändert wohl auch nichts mehr, dass das Pangu-Team den A12 Chip bereits Ende September, mit iOS 12 auf einem iPhone XS als Untethered Jailbreak (fertigen Jailbreak, der wie iOS selbst funktionieren soll) vorgestellt hat.

Dies gilt genauso für die Wortmeldung des bekannten Hackers Luca Todesco in dieser Woche. Er behauptete, ihm sei der Jailbreak für das iPhone XS Max, das neueste Modell, das Apple gerade erst vorgestellt hat, gelungen. In einem Tweet erklärte Todesco, er habe dazu die Sicherheitsmechanismen von Apple umgehen können, denn trotz des neuen A12-Chips im iPhone XS Max sei das Gerät „nicht hundertprozentig gesichert“.

Die Community reagierte mit gefühlter Lustlosigkeit. Was daran liegen mag, dass Todesco weder ins Detail ging, wie er den Jailbreak bewerkstelligt hat, noch verriet, ob er plant, das Jailbreak-Tool überhaupt für andere Nutzer zu veröffentlichen.

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