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Die Schüler der ReDI School of Digital Integration zeigen und feiern ihre neuen Programmierkenntnisse (Foto: ReDI School)
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IT-Jobs für Flüchtlinge und Migranten

Programmierer aus Syrien sind ohne Jobs - und dabei herrscht in Deutschland Fachkräftemangel. Die ReDI School macht eine Lösung daraus. Wie das Experiment funktioniert und welche Rolle Diversität dabei spielt - nicht nur, wenn es um die Hautfarbe geht - zeigt ein Abend beim Demoday in München.

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Es ist ein wildes Durcheinander. Klatsch, Hände treffen auf Knie, klatsch, auf Hände, dann ein Sprung in die Luft. Manche stehen sich paarweise gegenüber, manche bilden einen Kreis. Und alle machen die Hampelmann-Übung mit. Diversität braucht Lockerheit, scheint es. Luftsprünge können da nicht schaden.

Sophie Jonke ist erhitzt. "Das ist der Beginn eines strukturierten Abends", ruft sie in die Menge und lacht noch während sie sich vor ihre Gäste stellt, die sich nun langsam auf die Bänke setzen und sie erwartungsvoll anblicken. Sophie ist Local Head bei der ReDI School of Digital Integration in München. Sie strahlt Herzlichkeit und Offenheit aus - was irgendwie zu ihrem Jobprofil passt.

Der besteht darin, für die Non-Profit-Einrichtung, die in Berlin ihren Hauptsitz hat, kostenlose Tech-Kurse für Geflüchtete und Migranten zu organisieren: für solche, die schon programmieren können und solche, die es lernen möchten. Netzwerkveranstaltungen und Praktika helfen, die Schüler in Jobs zu vermitteln. "Ist es nicht toll, dass die Digitalisierung Menschen aus aller Welt verbindet?", fragt sie ihre Schüler.

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Redi Praesentation
Die HTML CSS-Beginnerklasse präsentiert ihre eigenen Webseiten (Foto: ReDI School)

Eine Verkaufsmaschine für Schokolade

Heute ist ein großer Tag. In dem Gebäude von Stylight, einem Online-Marktplatz für Mode, haben sich gut 200 Computer-Experten versammelt. Die meisten von ihnen sind nach Deutschland gekommen sind, um den Unruhen in Syrien zu entfliehen. Jeder Kurs zeigt das, was er im vergangenen Semester gelernt hat. Bei Salesforce, Cisco oder Microsoft, die zu den Hauptsponsoren der Schule gehören, finden auch Kurse statt.

Auf dem Rednerpult neben Sophie steht ein Computer. Dort öffnen die Schüler ihre Programme. Mit wenigen Formeln ist da eine Verkaufsmaschine für Schokolade skizziert: 1 = Buy an article. 2 = Fill up the machine. Das sind eher die leichteren Aufgaben. Die Anfänger präsentieren ihre selbsterstellte Webseite, die Fortgeschrittenen Datenbanken und Funktionen, die sie intelligent miteinander verknüpft haben.

Redi Hosna
Hosna Khoshkhoo kommt aus dem Iran, wo sie Bergbautechnik studiert hat. Nach Kursen in der ReDI School will sie sich nun im Bereich Data Science bewerben (Foto: ReDI School)

Hosna Khoshkhoo gehört zu den Fortgeschrittenen. Im Iran hat sie Bergbautechnik studiert und später öffentliche Einrichtungen wie Tunnel oder Brücken über Daten auf ihren Zustand hin überwacht. "Was Technik angelangt bin ich kein vollkommener Anfänger", sagt sie. Sie trägt ein schwarz-weiß gemustertes Kleid. Mit einem Studentenvisum kam sie nach München.

Nach einem Master-Programm in Geophysik an der Universität interessierte sie sich für Machine Learning und Data Science und stieß auf eine Anzeige der ReDI School. Sie lernte Sophie und ihr Team - mittlerweile acht Mitarbeiter, die über gut 30 Partner-Unternehmen finanziert werden - und belegte Kurse im Herbst-Semester. "Jetzt fühle ich mich soweit, um mich für einen Job im Bereich Data Science zu bewerben", sagt sie und nickt dazu.

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Gewinn für die deutsche Wirtschaft und Fachkräfte aus dem Ausland

Die Anzeige stand übrigens auf Facebook. Die Social Media-Plattform ist es, die dem Projekt der Schule in gewisser Weise erst zum Durchbruch verholfen hat. So schildert es Anne Kjær Riechert. Die 36-Jährige trägt ein grünes Kleid, ihre blonden Haare hat sie zu einem Pferdeschwanz hochgebunden. Während Sophie die Schule in München leitet, hat sie in Berlin das Kommando - und hat dafür gesorgt, dass es die Schule überhaupt gibt: Im August 2015 hat sie in Berlin die ReDI School gegründet.

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Anne Kjær Riechert (links) leitet die Schule in Berlin, Sophie Jonke kümmert sich um die Münchner Einrichtung (Foto: ReDI School)

Durch Zufall lernte sie Mohamed kennen, einen Programmierer aus Syrien. Um sich in Berlin zu bewerben, fehlte ihm zweierlei: ein Computer und die richtigen Kontakte. Ein Schicksal, das viele Menschen aus dem Ausland teilen. Und so kommt es, dass viele junge, gut ausgebildete Flüchtlinge keine Arbeit in Deutschland finden. Andererseits werden bis zum Jahr 2023 laut Zahlen der Beratung McKinsey und des Stifterverbands bis zu 700.000 Technologiespezialisten benötigt. "Die Herausforderungen kann man entweder als Problem sehen oder als Möglichkeit", sagt Anne. Die ReDI-Gründerin sieht es als letzteres.

Als ein Gewinn für alle: Für die Wirtschaft, die es mit einem Fachkräftemangel im Bereich IT zu tun hat auf der einen Seite. Auf der anderen die Arbeitssuchenden aus dem Ausland, die Erfahrung mitbringen und die Motivation, sich mit Programmieren ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Die Idee kam ihr kurz nach der Begegnung mit Mohamed. Auf Facebook fragte sie: "Wenn wir eine Tech-Schule für Geflüchte gründen - wer kann helfen?”- und erhielt mehr als 30 Antworten. Die Stärke ihrer Community hat sie ihrer Tätigkeit bei Berlin Peace Innovation Lab zu verdanken. Die brachte sie 2012 von Japan nach Berlin. Die jahrelange Erfahrung mit Hilfsprojekten kam ihr nun zugute. Ein halbes Jahr später, im Februar 2016, startete der erste Kurs der ReDI School, die damals noch Regufees on Rails hieß, mit 42 Schülern.

Redi Abdulsalam
Abdulsalam Hamdan arbeitet heute bei Maiborn Wolff in München und lehrt an zwei Abenden die Woche an der ReDI School, seiner ehemaligen Ausbildungsstätte (Foto: ReDI School)

Unter ihnen war Abdulsalam Hamdan. Der gebürtige Syrer war schon in Berlin. Zunächst lernte er Deutsch und studierte Elektrotechnik, dann guckte er sich nach einem Job um. Wieder war es Facebook, wo er auf die ReDi School aufmerksam gemacht wurde: Er belegte Kurse, die sich mit der Technologie Internet of Things beschäftigten, und bekam zahlreiche Kontakte.

Heute arbeitet er bei Maiborn Wolff in München und lehrt an zwei Abenden die Woche an seiner ehemaligen Ausbildungsstätte: rein ehrenamtlich. So tun das auch 130 weitere Lehrer. Alle haben feste Jobs als Programmierer, Data Scientists oder Designer und geben abends ihr Wissen an den Nachwuchs weiter.

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Ein Kuchen zum Schluss: ReDI School München wird ein Jahr alt

Anderen helfen, ohne Geld dafür zu bekommen - das ist gelebte Menschlichkeit. Und die kennt weder Hautfarbe noch Geschlecht noch Alter. Für jeden gibt es einen Platz. Lotte ist 63 Jahre alt und reist zweimal wöchentlich aus Augsburg nach München, um einen Abendkurs zu geben. Die ehemalige Softwareentwicklerin trägt ihre Haare grau und kurz. Ständig wird sie von Schülern und anderen Lehrern begrüßt - und denen, die sie nicht kennt, stellt sie sich als "Hallo, ich bin Lotte" vor.

Am Computer zeigen nun das Team der Cisco Network & Cybersecurity-Klasse die Strukturen eines Netzwerks und wie sie einem Server Aufträge erteilen können, die dann das ganze Netzwerk verändern. Und dann endlich kommt die Torte. Anne, Sophie und ihr Team lächeln für ein Gruppenfoto. Denn nicht nur die Schüler feiern heute beim Demoday ihren Abschluss - auch die ReDI School selbst zündet sich eine Kerze an: Die Münchner Schule ist ein Jahr alt geworden.

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