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iPhone XR
Wer will ein kunterbuntes iPhone? Das XR gibt es in sechs Farben, darunter in den gezeigten vier (Foto: Apple)
Apple LEAD 04/18 iPhone

iPhone für alle, alle für iPhone

Neun Stellen hinter dem Komma. Milliarden. Genauer: 1.343.920.000 iPhones hat Apple seit dem Launch 2007 bis zum 30. Juni 2018 weltweit verkauft. ­Die Geschichte des wohl beliebtesten digitalen Kommunikationssymbols.

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Es gibt hunderte, nein tausende Smart­phones, die seit 2007 erschienen sind. Sie alle erlauben das Telefonieren, Surfen und Kommunizieren. Mal dünner, mal dicker. Mal teurer, mal günstiger. Mal mit iOS, mal mit Android.

Statussymbol, Kultobjekt. Als "state of the art" gilt bis heute nur ein Smartphone – das iPhone. Dabei sprach noch kurz vor dem Launch nichts für einen solch großen Erfolg. Es war nicht das erste Smartphone. Es war auch nicht das erste mobile Telefon mit Kamera. Es war nicht das erste Mobil­gerät mit Touchscreen. Aber es ist das Symbol moderner Kommunikation.

"Revolutionary product"

Es war kein mobiles Gerät mit Apps - der App-Store öffnete seine Pforten erst ein Jahr später, 2008. Was aber war es dann? "Every once in a while a revolutionary product comes along that changes ­everything", sagte Steve Jobs, als er das erste iPhone am 9. Januar 2007 in San Francisco auf seiner legendären Keynote ­präsentierte.

Dabei war genau bei dieser Präsentation nichts so, wie es schien. Das iPhone, das Jobs zeigte, war ein Prototyp. Der nicht funktionierte. Von dem auch noch kein Apple-Ingenieur zu diesem Zeitpunkt wusste, ob es zum Marktstart je funktionieren würde. Der ehemalige Wired-Redakteur Fred Vogelstein erinnert sich in seinem Buch "DogFight – How Apple and Google Went to War and Started a Revolution" an das Chaos hinter der Bühne: Bis zuletzt tricksten die Ingenieure – schweißgebadet – hinter der Bühne herum, um das "iPhone" stabil zum Laufen zu bringen. Motto: Trial and error.

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Der Prototyp erlaubte es, eine E-Mail zu senden und danach im Web zu surfen. Wählte man den umgekehrten Weg, erst surfen, dann mailen, machte das iPhone – nichts. Der Prototyp konnte auch Teile eines Musiktitels oder eines Videos abspielen – aber keinen kompletten Titel und kein komplettes Video, ohne abzustürzen.

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Wie bitte?

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"Der größte Pfusch, den man sich vorstellen kann"

Die Funkzelle war zudem buggy, dem Gerät ging ständig der Speicher aus, er hatte damals nur 120 MB – und die Software des Geräts war extrem anfällig. Einer der Software-Ingenieure erklärte später zu zwei Jahren Vorarbeit ("Es war sehr dramatisch") und 25 Kilo Gewichtszunahme: "Das war alles dermaßen zusammengeschustert, zum Teil mit dem größten Pfusch, den
man sich vorstellen kann." Und Jobs ließ sich seinen Plan, am Ende der Vorführung alle Funktionen auf einmal zu starten, einfach nicht ausreden.

Kurzum: Das Publikum glaubte, dass alles mit einem, mit dem ersten iPhone, funktionierte. Weil es nicht nur ein Präsentations-iPhone gab, sondern mehrere Demo-Geräte. Fiel eines auf der Bühne aus, konnte Jobs zum nächsten (Prototypen) greifen.

Der Holperstart sorgte dafür, dass die Konkurrenz schnell ätzte. "Geschenkt, das iPhone ist nur ein gewöhnliches Telefon. Außer der Marke hat Apple nichts in petto, was andere Anbieter nicht auch zu bieten hätten. Daher garantiere ich Ihnen, dass sich das iPhone nicht sonderlich verkaufen wird", erklärte Steve Ballmer (2000 bis 2014 CEO von Microsoft) im Jahr 2007 in einem Wirtschaftswoche-Interview auf die Frage, was er vom gerade vorgestellten iPhone halte.

Doch Ballmer irrte, die Verkaufszahlen stiegen. Jahr für Jahr. Immer neue Meilensteine in der iPhone-Geschichte. Immer längere Schlangen vor den Stores beim Launch. Und Steve Jobs war auf einer Mission: "Ich werde Android vernichten, weil es ein gestohlenes Produkt ist. Ich werde einen Atomkrieg dagegen führen.“

"Es geht nicht nur darum, wie etwas aussieht und sich anfühlt. Design ist, wie etwas ­funktioniert.“ Steve Jobs

Die iPhone-Evolution

Das erste iPhone. Weltbewegend, aber rudimentär. Erstbesitzer erinnern sich noch mit Schrecken daran, dass ihr neues Telefon oft gar nicht telefonieren konnte. Der Empfang war zu schlecht. Die Leitung brach permanent zusammen. Es beherrschte nur den lahmen Funkstandard E (Edge). Heute unvorstellbar, in Zeiten von LTE. Und nur die Telekom bot es in Deutschland an. Für Kunden anderer Provider galt: Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu bestellen.

Schlechte Funknetze, zu wenig Kooperationen. Kinderkrankheiten. In Apples geheimen Labors wurde der Formfaktor immer weiter optimiert. Dünner, schlanker, hochwertiger. Alu, Edelstahl und Glas, das immer widerstandsfähiger wurde. Genannt Gorilla Glass.

Sternstunden der Design-Optimierung und schwarze Stunden wechselten sich ab bei dieser Evolution.

  • Legendär beim iPhone 4: "Antennagate". Empfangsprobleme, die wieder an das erste Edge-iPhone erinnerten. Steve Jobs riet: "Bitte halte dein iPhone fünf Zentimeter vom Ohr, dann ist der Empfang besser."
  • Das iPhone 5C: die ersten bunten iPhones. Eine Marketing-Maßnahme, erst 2018 mit dem iPhone XR (erhältlich in sechs Farben) wiederholt.
  • Das iPhone 6: für viele das schönste iPhone aller Zeiten. Das größere iPhone 6 Plus hingegen kämpfte mit "Bendgate". Es bog sich angeblich. Apple dementierte. YouTuber malträtierten das 6 Plus und suggerierten das Gegenteil. Auch der Autor dieser Zeilen hatte sich einmal aus Versehen auf sein 6 Plus gesetzt. Es war hinüber, gebogen.
  • Unvergessen: das iPhone SE mit dem nur 4 Zoll kleinen Screen für kleine Hände. Aber: Noch heute wünschen sich viele Apple-User gegen den Trend ein iPhone SE 2 mit ebenfalls kleinem 4“-Screen
  • Eine Ikone: das iPhone Product RED – ­Apple spendet bei jedem Verkauf an die Aids-Hilfe.
  • Und am Ende der Evolution steht das iPhone X – das erste fast rahmenlose iPhone, erstmals mit der Notch (der Kerbe) und mit der Premiere für Face ID, die Gesichtserkennung. Gefolgt vom XS und XS Max. Das Ende des Home Buttons as we know it.
  • I Phone4
    iPhone 4 / Apple
  • I Phone 5C
    iPhone 5 C / Apple
  • iPhone 6S
    Gesunder Rücken: Im Gegensatz zum Vorgänger iPhone 6 verbiegt sich das 6S nicht mehr (Foto: Apple)
  • iPhone SE
    Einen Nachfolger für das SE hat Apple bisher nicht veröffentlicht, seine Rolle soll das Xr einnehmen (Foto: Apple)
  • I Phone Product Red
    iPhone RED / Apple
  • iPhone X
    Das "kürzeste" iPhone aller Zeiten: Das X war nur zehn Monate im Handel (Foto: Apple)

"Der hübsche Kasten? Darum geht es nicht”

Features hin oder her. Design hin oder her. Steve Jobs hat die Gründe für die Erfolgs­geschichte des iPhones exzellent auf den Punkt gebracht: "Die meisten Menschen machen den Fehler zu denken, dass es bei Design nur darum geht, wie es aussieht. Die Leute denken, es ist diese Fassade – dass man den Designern einen Kasten übergibt und sagt: 'Macht den hübsch!‘ Das ist nicht unser Verständnis von Design. Es geht nicht nur darum, wie etwas aussieht und sich anfühlt. Design ist, wie etwas funktioniert.“

Genau dafür ist bei Apple Jonathan Ive, genannt Jony, zuständig. Der Chief Creative Officer. Der mit seinem Team in einem abgeschotteten Design-Labor in Cupertino an den iPhones der Zukunft feilt. Eines teilen die Mitarbeiter über Jahre: ihre Loyalität zu Apple. Nur höchst selten verlässt ein Designer das Team, seit vielen Jahren gibt es kaum Bewegung im Inner Design-Circle. Freunde fürs iPhone-Leben.

Ives Maxime: "Eine besonders wertvolle Sache bei der Arbeit bei Apple ist, dass viele von uns im Designteam seit über 15 Jahren zusammenarbeiten und dass es eine wunderbare Sache ist, als Gruppe zu lernen. Ein wesentlicher Teil davon ist, gemeinsam Fehler zu machen.“

Jony Ive sagt auch, beim iPhone sei die Inspiration für das Design vor allem "von schlecht gestalteten Produkten" gekommen. Es sei aus einer "Abscheu vor den aktuellen Handys" der damaligen Zeit entstanden. Das habe sein Team motiviert, etwas Neues zu erfinden. Und weiter: "Um etwas wirklich Neues und Innovatives zu entwerfen, muss man die Vernunft ablehnen."

Seine Philosophie hat das iPhone zu dem gemacht hat, was es heute immer noch ist: Das Smartphone. "Wir werden nicht anders sein. Anders ist einfach … mach es rosa und flauschig! Besser ist schwieriger."

"Wir werden nicht anders sein. Anders ist einfach … mach es rosa und flauschig! Besser ist schwieriger." Jonathan Ive, genannt Jony - Chief Creative Officer bei Apple

Das iPhone-Geschäft läuft noch immer, weil das Produkt besser war als das aller Konkurrenten. Doch etwas hat sich verändert: Große Zuwächse bei den Verkaufszahlen werden seltener. Der Smartphone-Markt stagniert. Die Premium-Geräte sind heutzutage so gut, dass Kunden nicht mehr bereit sind, jedes Jahr rund 1000 Euro im Schnitt für ein neues High-end-Modell auszugeben.

Apple reagiert, schichtet schon seit Monaten sein Geschäftsmodell um. Andere Produktsparten sorgen vermehrt für steigende Umsätze im Schatten des iPhones: Die Services (Apple Music, Apple Care, Apple Pay und App-Store) legen immer mehr zu, laut statista.com erwirtschaftete die Service-Sparte 2018 allein 37,2 Milliarden Dollar Umsatz, der Mac brachte 2018 etwa 25,5 Milliarden, das iPad 18,8 Milliarden – und dann sind da noch "andere Produkte" (Apple TV, Beats, Apple Watch, Zubehör und iPod). Sie werden unterm Strich 2018 etwa 17,4 Milliarden Dollar Umsatz beisteuern.

In etwa gleichbleibende iPhone-Umsätze sind in Zukunft nur noch möglich, indem die Preise für die iPhones (weiter) anziehen. 1649 Euro kostet das aktuelle Premium-Gerät XS Max in der höchsten Konfiguration mit 512 GB Speicherplatz.

Aber: Das iPhone bleibt. Und es bleibt Kult. Es hat die Art unserer Kommunikation verändert. Was Apples Chef-Designer Jony Ive und sein Team immer wieder antrieb, gelang: "Auch wenn es komisch klingt: Wir machen das bei Apple nicht wegen des Geldes. Unser Ziel und das, was uns begeistert, ist zu versuchen, großartige Produkte herzustellen."

Jedes Jahr aufs Neue. Jedes Jahr bleibt es das Symbol der modernen Kommunikation. Mit dem Apple unsere Welt wirklich verändert hat.

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