Anzeige
Anzeige
Apple Start-ups Tim Cook

Insider verrät: Mit diesen Tricks kauft Apple kleine Firmen

Wenn der Chef einer kleinen Firma unter irgendeinem Vorwand nach Cupertino eingeladen wird, steckt oft nur der Wunsch dahinter, das Start-up zu übernehmen. Ein Gründer bricht nach Jahren sein Schweigen und verrät, wie clever Apple hinter den Kulissen Käufe einfädelt.

Wer mit Apple über einen Aufkauf verhandelt, braucht Geduld und eine durchdachte Mindmap (Bild: iStock)
Anzeige
Anzeige

Apple buys smaller companies from time to time, and we generally don’t discuss our purpose or plans."

Ein Satz, der in Apples PR-Abteilung auf Taste "Z" liegt. "Z" wie Zukäufe. Jedes Mal, wenn Apple ein kleineres Unternehmen kauft, ist dieser Satz das offizielle Statement. Immer der gleiche Satz. Jahrein, jahraus.

Ein Satz, der natürlich zu Apples legendärer Geheimhaltungspolitik passt. Der Konzern lässt sich seit seiner Gründung an keiner Stelle gern in die Karten schauen.

Umso spannender die Frage, wie es eigentlich genau abläuft, wenn Apple eine Firma kauft. Nicht, dass Apple bei diesem Thema nun außerplanmäßig ins Plaudern geraten würde. Es muss somit schon der seltene Fall passieren, dass ein "aufgekaufter" Firmenchef – Jahre später – plötzlich erzählt, wie es so war, als Apple seine Firma übernommen hat. Jahre später deshalb, weil natürlich kein Start-up-Chef riskieren will, dass ein lukrativer Übernahme-Deal mit dem großen Unternehmen Apple am Ende noch platzt, weil zu früh darüber geplaudert wurde.

Erst sechs Jahre später liefert der ehemalige Chef der Karten-Software Embark daher nun Einblicke in das spannende Übernahme-Prozedere. So eine Übernahme ist kein Spaziergang. Im Gegenteil!

Anzeige

Erstmals erschließt sich ein detaillierter Blick auf die Art und Weise, wie Apple Zukäufe anstößt, abwickelt und möglicherweise am Ende doch noch Abstand nimmt.

Notizen Post It
Apples Masterplan bei Übernahmen bedarf aufwändiger Vorarbeiten (Foto: pixabay.com)

David Hodge war Mitgründer der Karten- und Navigationslösung Embark. Im Gespräch mit William Gallagher von AppleInsider und in mehreren Tweets skizziert er nun nach, unter welchen Umständen Embark im Jahr 2013 schlussendlich an Apple verkauft wurde. Besser: DOCH noch verkauft wurde...

Aus heiterem Himmel erhielt Hodge zu Beginn eine Einladung nach Cupertino. Man wolle mit ihm über eine Schnittstellen-Erweiterung in den Apple Maps sprechen. Doch um eine API-Extension ging es gar nicht, das war laut Hodge nur vorgeschoben. Einmal in Cupertino angekommen, eröffnete Apple Hodge den wahren Grund seines Besuchs: Apple wolle Embark kaufen.

Klingt gut, ist aber erst der Anfang einer mitunter unendlichen Geschichte.

Hodge erinnert sich, dass er mit seinem aufstrebenden, aber doch unbedarften Unternehmen einer Armada von Apple-Experten und Anwälten gegenübersaß. Was also tun? Hodge war klar: Er musste sich seinerseits rechtliche und betriebswirtschaftliche Beratung suchen. Schnell summierten sich die Kosten auf nahezu 200.000 Dollar. Vorleistungen auf eigene Rechnung, allein dafür. Und in diesem Moment sei noch gar nicht klar gewesen, dass die Übernahme auch wirklich über die Bühne geht.

"Das ist ein höllischer Prozess, der deine Firma möglicherweise bankrott gehen lässt, wenn die Verhandlungen scheitern."

Zudem fiel es Hodge schwer, sich mit Vertrauten über den möglichen Deal mit Apple auszutauschen. Denn Apple habe auf strikte Geheimhaltung bestanden: Hodge wurde schon zu Beginn der Gespräche nahegelegt, erinnert er sich, dass er in die laufenden Verhandlungen weder Familie noch Freunde einweihen dürfe. Dann der erste Schock-Moment:

Businessplan
Der Gedanke für neue Businesspläne reift schon in den (noch nicht abgeschlossenen) Verhandlungen - Foto: pixabay.com

Während Hodge sich insgeheim schon ausrechnen mag, was ihm die Übernahme finanziell bringt, fällt er plötzlich aus allen Wolken. In den Nachrichten hört er, dass Apple HopStop übernommen haben soll, den größten Konkurrenten von Embark. Offensichtlich ein geschickter Schachzug von Apple. Denn Apple brach die Verhandlungen mit Hodge bzw. Embark trotzdem nicht ab. Jetzt war Hodge am Zug. Er musste wohl Argumente liefern, dass eine Embark-Übernahme für Apple unter diesen Umständen doch noch Sinn machte.

Embark stürzte sich in die Arbeit. Arbeitete weiter an seiner App, baute noch mehr gute Funktionen ein und lieferte ein Update aus, das den Personennahverkehr im Großraum San Francisco, wo Apple seinen Sitz hat, integrierte. Pluspunkte gesammelt bei Apple!

Im Spätsommer trommelte Apple dann alle Beteiligten zu einer großen Runde in Cupertino zusammen. Wieder Hoffnung. Doch Hodges Nerven wurden kurz darauf wieder strapaziert. Anruf von Apple – es fehle die Unterschrift eines wichtigen Embark-Investors, ohne diese könne Embark die Übereinkunft mit Apple nicht unterzeichnen.

Die Anwälte klärten die Sache untereinander. Dann konnte Hodge per Uber doch zum 1 Infinite Loop, dem damaligen Sitz der Apple-Firmenzentrale, fahren.

Hodge Apple Logo
Hodges Hausausweis bei Apple (Foto: twitter/David Hodge)

Doch obwohl die Tinte trocken war, wurde Hodge mit seinem Team weiterhin zur strikten Geheimhaltung verdonnert. Hodge und sein Mitgründer feierten das Geschäft daheim in aller Stille, aber nicht öffentlich. Solle ihn jemand zu dem Deal befragen, möge Hodge, so Apples Wunsch, antworten: "Wir arbeiten bei Apple." Nicht mehr, nicht weniger.

Hodge erinnert sich, das ganze Prozedere habe auf seine Psyche gedrückt, am Ende habe er extrem mit den Zähnen geknirscht und andauernde Kieferschmerzen gehabt – und jede Menge Probleme mit seiner eigenen Familie.

Erst Wochen später gab Apple selbst dann die Übernahme bekannt. Wieviel Apple für Embark gezahlt hat und wie reich Hodge und seine Mitstreiter wurden: unter der Decke! Eine NDA eben. Bis heute.

Einen solchen Abschluss samt NDA können nicht viele kleinere Unternehmen, die einmal mit Apple um eine Übernahme gepokert haben, vorweisen. In den letzten Jahren haben einige Startup-Gründer zumindest behauptet, Apple habe mit ihnen nur pro forma Übernahmeverhandlungen geführt. Vielmehr habe Apple in den Gesprächen einiges über die Firma, deren Geschäftsmodelle und Ideen ausgelotet, aber in Cupertino angeblich nie ein ernsthaftes Kaufinteresse gehabt.

So gesehen hat David Hodge noch Glück gehabt. Er hat seine Firma wirklich an Apple verkauft. Er knirscht nicht mehr mit den Zähnen. Und das Unternehmen hat er 2016 wieder verlassen. Die Mission mit Embark, Apples Karten zu verbessern, sei erledigt gewesen.

Gerade hat Apple mit iKinema wieder eine kleine Firma, die VR-Produkte herstellt, übernommen. Davor hat das Unternehmen etwa das Start-up Laserlike für maschinelles Lernen, das AR-Start-up Aconia Holographics oder das Start-up für Autonomes Fahren Drive AI gekauft. Man darf sicher sein, dass Apple jeder kleinen Firma vor den Unterschriften wieder richtig auf den Zahn gefühlt hat ...

Mehr zum Thema: Apple: Was 2019 noch kommt – und was uns 2020 erwartet

Lead 4 Cta Mock Up 1200X1200 Red Pag12

Die neuen iPhones werden in diesem Herbst von Apple ins Rampenlicht gerückt. Doch die Smartphone-Sparte schwächelt, die Verkäufe rutschten zuletzt stärker als gewohnt ins Minus. Mit einem Strategiewechselwill sich der Konzern für die Zukunft rüsten. Ob der Plan aufgeht, erfährst du jetzt im aktuellen LEAD Bookazine 3/2019.

Anzeige
Verlagsangebot
Anzeige
Aktuelle Stellenangebote
Alle Stellenangebote
Anzeige