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Innovation Management Startups

Leuchtende Ideen können auch blenden

Alle Unternehmen müssen mit dem digitalen Wandel Schritt halten. Alle wollen es. Warum nur fällt es vielen trotzdem so schwer? Nikola Bachfischer, Innovationscoach bei innovaMe LAB, weiß, wie ein Organisationswandel gelingt.

(Bild: Youworkforthem)
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Die Innovations-Expertin ist mit ihrem neuen Büro in der denkbar innovativsten Umgebung zu finden. Seit Kurzem hat sich Nikola Bachfischer in den Räumen von der Münchner Innenstadt eingemietet. WeWork bietet Gründern und Unternehmern Arbeitsplätze, aber auch viel Style. Am Tresen gibt es Schorlen und Kaffee aus der Privatrösterei. Man kann sich zur Besprechung in einen Glaskasten zurückziehen, mit Laptop und Smartphone in eine Telefonkabine zwängen oder in den Lounges abhängen und mit anderen Gründern ins Gespräch kommen. Es gibt Duschen, einen Raum zum Beten und Meditieren, die unvermeidlichen Tischtennisplatten. Hektik und Kreativität liegen in der Luft. Vielleicht sieht so die Zukunft der Arbeit aus. Wo, wenn nicht hier, kann man also etwas über Innovation lernen?

Wobei, was sollen Unternehmen in Deutschland noch lernen müssen? Liest man den aktuellen Bundesbericht Forschung und Innovation, klingt alles traumhaft: In kaum einem Land wird im Verhältnis mehr für Innova­tionen ausgegeben, drei Prozent des BIP. Unternehmer meldeten mehr weltmarktrelevante Patente an als in den USA. Und immer mehr Menschen sind in Forschung und Entwicklung angestellt.

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Aber dann gibt es da zum Beispiel auch eine Studie ­­­zu Digitalisierung und Innovation in Deutschland, durchgeführt von den Beratern von Deloitte. Sie zeigt, dass zwar die Ausgaben steigen, sich die Unternehmen aber trotzdem nicht auf den Umbruch vorbereitet fühlen. Viele lassen Möglichkeiten zur Innovation ungenutzt, geben sich nicht ausreichend Zeit, oder es mangelt ihnen schlicht am Know-how. Beide Studien zusammen kann man lesen als: Alle haben erkannt, dass sie sich für die Zukunft aufstellen müssen. Alle wollen es. Trotzdem fällt es vielen schwer. Warum ist das so?

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Innovativ sein = zukunftsfähig

Auf der Terrasse von WeWork erklärt Nikola Bach­fischer, warum das nicht so einfach ist. Sie berät Unternehmen beim Innovationsmanagement und sagt: Viele Unternehmen hätten ein funktionierendes Modell, das Umsatz und Gewinn generiert, loyale Kunden, dazu eine Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern. "Der Punkt ist dann: Warum soll ich etwas ändern, wo es doch gut läuft?" Auf der anderen Seite dieser Skala bewegen sich die Start-ups. Klein und beweglich, da kaum Mitarbeiter, experimentierfreudig. Aber bei aller Agilität und Aufgeschlossenheit eben auch: kaum Kunden, kein funktionierendes Kerngeschäft.

Innovativ sein heißt nach Bachfischer: zukunfts­fähig. Also auch in Zukunft erfolgreich. "Um ­nach­haltig erfolgreich zu bleiben, müssen Unter­nehmen diese beiden Welten miteinander verbinden", sagt sie. Aber wie geht das in den rasenden Zeiten der Digitalisierung? Bachfischer empfiehlt ein Denken in drei Horizonten. "Ein Unternehmen sollte in Kerngeschäft, Morgen und Übermorgen denken", sagt sie. Es müsse in allen drei Bereichen aufgestellt sein, mit dem Schwerpunkt auf dem Kerngeschäft. "Schließlich kommt hier das Geld her." Gleichzeitig müssen neue Modelle für morgen und übermorgen entstehen, die wieder neuen Wert schaffen. Die Bereiche sollten nicht nebeneinander stehen. "Sie müssen ausgerichtet sein an den Unternehmenszielen und verbunden werden."

Damit einher geht häufig ein Organisationswandel. Wo früher Angestellten gesagt wurde, was sie mit welchen Mitteln zu erreichen hatten, gibt es nun mehr Freiraum, offenere Strukturen und Partizipation. Bachfischer zeigt das am Beispiel eines Restaurants, das sich zum Ziel gesetzt hat, dass jeder Kunde es mit einem Lächeln verlässt. Ob das gelingt, hängt nicht allein vom Essen ab. Jeder Mitarbeiter kann etwas beitragen, aber die Köchin natürlich anders als ein Kellner.

Jeder will, aber nur wenige schaffen es: Für Innovation gibt es kein Patentrezept Nikola Bachfischer, Innovationscoach

Je früher man scheitert, desto besser

Innovation heißt also nicht unbedingt, das Produkt zu verändern. Es gibt viele Anknüpfungspunkte, bei der Produktion, im Marketing bei der Kommunikation der eigenen Marke oder auch in der Verwaltung oder wenn in Konferenzen neue Tools zur Kreativitätssteigerung ausprobiert werden. Bachfischer hält es für elementar, dass man dabei die Besonderheiten des eigenen Unternehmens nicht einebnet. Es gibt kein Patentrezept für Innovation. Experimentieren, Netzwerke knüpfen, vielleicht sogar Projekte gemeinsam mit Konkurrenten starten: Es gibt unzählige Möglichkeiten und jedes Unternehmen muss seinen Weg finden.

Natürlich müssten die Ideen auch evaluiert und notfalls angepasst werden, sagt Bachfischer. Dazu braucht es geeignete Kennzahlen: Umsatz und Gewinn. Darauf läuft es am Ende hinaus. "Eine Idee, die nicht markttauglich ist, ist quasi nutzlos", sagt Bachfischer. Ein "Innovation Lab", das langfristig keinen messbaren Beitrag leiste, könne sich ein Unternehmen allenfalls als teure Image-Maßnahme leisten.

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Darum sei es so wichtig, dass ungeeignete Ideen frühzeitig erkannt und eingestampft werden. Je früher, umso günstiger das Scheitern. Sonst ergeht es Unternehmen wie der Bundesagentur für Arbeit, die 60 Millionen Euro in ein Softwareprojekt investierte und im Februar 2017 dessen Aus verkündete. Zerknirscht teilte die Behörde mit: Die Software habe sich als zu wenig flexibel erwiesen. In Zukunft wolle man bei der Entwicklung auf agile Methoden setzen.

Wer frühzeitig scheitert oder Projekte scheitern lässt, zahlt vielleicht drauf, aber dann keine 60 Millionen. Mit dieser oft beschworenen positiven Kultur des Scheiterns haben aber gerade alteingesessene Unternehmen oft Probleme. "Natürlich gibt es Bereiche, wo ein Fehler fatal wäre", entgegnet Bachfischer. "Innovation is no brain surgery", zitiert sie dazu einen Vortragstitel von Tina Seelig, einer amerikanischen Wirtschaftsprofessorin. Gehirnchirurgen oder etwa Pilotinnen wird man höchst unwahrscheinlich auf einer "Failure party" unterhaltsam von ihrem Scheitern erzählen hören. Es gibt eben Bereiche, in denen man nicht experimentieren kann. Und die „guten“ Fehler, durch die man etwas lerne, passieren beim Experimentieren.

Trotzdem: Innovation heißt nicht, alles ­über den Haufen zu werfen, was einmal da war. Bach­fischer sagt: "Ich glaube, es gibt keinen Bereich, in den ­man nicht Verbesserungen oder neue Ideen inte­grieren könnte."

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