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Ichbinhier
Die Gruppe „#ichbinhier“​ engagiert sich für ein friedliches Miteinander (Bild/Logo: ichbinhier)
Initiativen gegen rechts Social Media Facebook

Konstruktiv gegen rechte Hetze

Fake News verbreiten sich, die Diskussionen im Netz schaukeln sich hoch und der latent rechte Onkel auf dem Familienfest wird ignoriert. Seit der rechtsextremen Demo in Chemnitz und ihren Folgen wird klar: Es ist Zeit, laut zu widersprechen. Wie das friedlich und effektiv funktionieren kann, zeigen diese Initiativen für Gesprächskultur.

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Ihr Leitfaden ist das Grundgesetz: Die Gruppe „#ichbinhier“ diskutiert vornehmlich in Facebook-Kommentarspalten unter Nachrichten-Posts von Medienseiten. Dabei halten sie sich streng an Grundsätze für ein friedliches Miteinander.

In der #ichbinhier-Facebook-Gruppe werden täglich neue Posts geteilt, unter denen Mitglieder sich an der Diskussion beteiligen können. Gründer Hannes Ley ruft so gemeinsam mit einer 20-köpfigen Moderationsgruppe zum Mitreden auf. Damit wollen sie zeigen: Es gibt viele Menschen, die rechtem Gedankengut widersprechen.

"Likes für gute und sachliche Kommentare sind ein guter Anfang"

PR-Referentin Susanne Tannert sagt: „Wir stellen ein Gegengewicht zu den - zum Großteil ihrerseits organisierten - Hasskommentatoren dar. Damit verbindet sich für uns einerseits die Hoffnung, die stillen Mitleser und Mitleserinnen zu gewinnen, die vielleicht von einseitigen hasserfüllten Kommentaren abgeschreckt wurden und denen ohne unsere Gegenrede in den Kommentarspalten ein völlig verzerrtes Meinungsbild geboten würde. Außerdem möchten wir in den Dialog treten. Ab und zu kommen tatsächlich lange 'Gespräche' zu Stande.“

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Inspiriert wurden die Organisatoren von der gleichgesinnten schwedischen Schwesterorganisation #jaghärhär, gegründet von Mina und Magnus Dennert. In Schweden zählt die Initiative rund 60.000 Mitglieder, in Deutschland sind fast 45.000 Menschen der Facebook-Gruppe beigetreten.

Um sich an den Diskussionen beteiligen zu können, bietet die Gruppe diverse FAQs und andere Ressourcen, wie zum Beispiel Faktenchecks. „Likes für gute und sachliche Kommentare sind immer ein guter Anfang. Man muss aber kein Hintergrundwissen haben, um zu kommentieren; es reicht schon, sich einfach menschlich zu äußern, für Grundwerte einzustehen“, sagt Pressereferentin Susanne Tannert.

Auch interessant: Initiativen gegen rechte Hetze: Keine Geschäfte mit Nazis

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Jan Böhmermann und „Reconquista Internet“

Gemeinsam mit dem „Institute für Strategic Dialogue“ erarbeiteten Gruppenmitglieder eine Studie, die den vermehrten Hass in Social Media analysiert. Die Erkenntnis: Nur fünf Prozent der Accounts sind für 50 Prozent der Likes auf hetzerische Kommentare verantwortlich.

Das heißt: Rechte Gruppen organisieren sich online wie zum Beispiel bei „Reconquista Germanica“, um den Online-Diskurs zu bestimmen. Je mehr Kommentare, likes und shares sie verbreiten, desto öffentlichkeitswirksamer werden diese Meinungen.

Für den ahnungslosen Bürger sieht es so aus, als ob eine Mehrheit so denkt und er fängt vielleicht an, eine eigene Tendenz in diese Richtung zu entwickeln. Moderator Jan Böhmermann fasste das Phänomen in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ zusammen und gründete eine Gegenbewegung: „Reconquista Internet“.

Dass die Initiative wirkt, zeigen erste Erkenntnisse der Gruppe #ichbinhier: „Wir sehen, dass wir in betroffenen Kommentarspalten den Ton verändern und Hasskommentare zurückdrängen, bereits über 1500 Mal auf Facebook-Seiten mit großer medialer Reichweite. Außerdem haben wir nachgewiesen, dass wir durch unsere tägliche Arbeit in den Kommentarspalten stille Mitleser und Mirleserinnen zurückgewinnen können."

Und Tannert fügt hinzu: "Die meisten Likes für #ichbinhier Kommentare kommen von Menschen bzw. Facebook-Profilen, die nicht Teil der Aktionsgruppe sind.“ Für dieses Engagement wurden Gründer Hannes Ley und sein Team bereits mit dem Bundesverdienstkreuz und diversen Awards belohnt.

Andere Initiativen gegen Hate Speech

Auch die Initiative „LOVE-Storm“ geht mit positiven Wortmeldungen gegen rechte Hetze vor. Über ein Webseiten-Formular können User kritische Online-Posts melden. Auf der zugehörigen Aktionsplattform wird dann zum Kommentieren dieser Posts aufgerufen.

Die Gruppe bietet auch Trainings an, mit denen Interessierte lernen können, in solchen Gesprächen richtig zu reagieren. Ziel des Engagements ist es, Opfer von Shitstorms und Cyber Mobbing zu unterstützen, sozusagen Zivilcourage im Netz.

Mit „Radikale Höflichkeit“ reagiert der Verein „Tadel verpflichtet!“ ebenfalls auf rechtes Gedankengut. Die Initiative trainiert Interessierte, hitzige Gespräche respektvoll zu führen. Das heißt: Meinungsverschiedenheiten anerkennen, Gemeinsamkeiten suchen und damit die eigene demokratische Haltung einbringen. Teilnehmer sollen dabei in Alltagssituationen gewappnet sein, sinnvoll auf kritische Aussagen zu reagieren, online wie offline.

Ebenfalls gegen den organisierten Massenhass engagieren sich die Initiativen „Fearless Democracy e.V.“, „Hate Aid“, „Hass hilft!“, „Debate:Dehate“ und die Vernetzungsstelle gegen Hate Speech.

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