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Sänger Lukas Rieger, YouTube-Stars Heiko Lochmann und Romann Lochmann alias Die Lochis und Influencerin Pamela Reif - Goldene Henne 2018 (Foto: Isa Foltin/WireImage/GettyImages)
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Influencerinnen: hübsch, passiv und unterrepräsentiert

Ein Frauenbild der 50er Jahre bescheinigt Schauspielerin Maria Furtwängler der allgemeinen Darstellung von Influencern und Influencerinnen auf YouTube und Instagram. Ihre Stiftung MaLisa hat Geschlechterbilder in den sozialen Medien untersucht und festgestellt: Frauen sind unterrepräsentiert, passiv und auf ihr Äußeres festgelegt.

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Die Nachricht ist angesichts der zahlreichen berühmten Influencerinnen wie Dagi Bee und Pamela Reif erst einmal überraschend: Bei den 100 erfolgreichsten Angeboten von YouTube, Instagram und in Musikvideos tauchten Frauen nur halb so oft auf wie Männer. Nach einer Studie der von Schauspielerin Maria Furtwängler mitgegründeten MaLisa-Stiftung sind Frauen aber nicht nur stark unterrepräsentiert, sondern auch sehr einseitig dargestellt.

Erfolgreiche YouTuberinnen und Influencerinnen kommen laut Furtwängler vor allem in den Bereichen Beauty, Schminktipps, Basteln, Kochen und Datingtipps vor.

Männer hätten deutlich mehr Ausdrucksmöglichkeiten. "Die können erstens dünn sein, dick sein, lustig sein, klug sein, die können Entertainment machen, die können auch Beauty machen, die können aber auch Politik und Comedy machen", sagte Furtwängler. Sie habe das Gefühl, dass hier das Frauenbild der 50er Jahre gefördert werde.

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Die erfolgreichsten Frauen entsprechen meist einem normierten Schönheitsideal

Das Überraschende: Die Online-Plattformen bieten erst einmal jedem und jeder neue Chancen, sich darzustellen, die eigene Identität zu zeigen und sich eine Stimme zu geben.

Doch die Frauen, die es in die Top 100 geschafft haben, entsprechen meist einem normierten Schönheitsideal: Sie sind dünn, langhaarig und beschäftigen sich hauptsächlich mit den Themen Mode, Ernährung und Beauty. Die Selbstinszenierung findet also nur in einem sehr begrenzten Korridor statt.

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"Je plakativer das Klischee, umso besser wird es geklickt"

Ein Blick in die Branche zeigt, dass diese stereotypen Darstellungen nicht allein persönlichen Interessen geschuldet sind. Die befragten YouTuberinnen verweisen auf Hürden, die es erschweren aus dem Themenumfeld Beauty auszubrechen und sich neue Genres wie Comedy oder Politik zu erschließen:

"Je plakativer das Klischee, umso besser wird es geklickt. Je mehr du einem gewissen Schönheitsideal entsprichst oder einer gewissen Erwartung, verdienst du natürlich besseres Geld“, sagte eine YouTuberin der Stiftung.

Die Influencerinnen berichten außerdem von engen Zuschauererwartungen und damit verbunden kritischen, mitunter bösartigen Kommentaren, sobald sie den normierten Erwartungen widersprechen.

In Musivideos sind die stereotypen Darstellungen noch schlimmer: Frauen werden darin oft stark sexualisiert inszeniert und als dem Mann untergeordnet dargestellt. 53 Prozent der Videos zeigen Frauen ohne Kopf.

Mädchen empfinden ihr natürliches Aussehen als unzureichend

Das in den sozialen Medien gezeigte Bild wirkt sich auch auf die junge Nutzerinnen aus: Insbesondere Mädchen, die Influencerinnen folgen, bearbeiten ihre eigenen Bilder stärker als solche, die keinen Influencerinnen folgen. Sie empfinden ihr natürliches Aussehen zunehmend als unzureichend.

So "optimieren" 100 Prozent der Mädchen, die Dagi Bee folgen, ihre Haut. Und: 69 Prozent der befragten Mädchen, die Heidi Klum folgen, hellen ihre Zähne auf. Zum Vergleich: Die Mädchen, die Klum nicht abonniert hatten, taten das zu 36 Prozent.

Maria Furtwänglers Tochter Elisabeth, ebenfalls Stifterin und Vorstandsmitglied, sagte: "Warum sind die erfolgreichen Akteure und Akteurinnen in den neuen sozialen Medien, ausgerechnet die mit den rückwärtsgewandt erscheinenden Geschlechterrollen und wie können wir eine größere Vielfalt sichtbar machen? Dieses Thema geht uns alle an und darüber müssen wir diskutieren."

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Mit Material der dpa

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