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Influencer sein hat auch seine Schattenseiten (Bild: stock.adobe.com/Aaron Amat)
Influencer Influencer Marketing Job

Influencer sein ist eine Burnout-Falle

Immer online, immer auf der Suche nach dem perfekten Bild: Influencer sein, ist ein unterschätzter Job. Die Schattenseiten kennen die wenigsten. Ein Gespräch mit der Psychologin Carolin Müller.

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Heute am Strand von Miami, übermorgen auf der Fashion-Show in Paris. Dabei strahlen sie um die Wette, sehen wunderschön aus und sind niemals müde. Weltweit werden Influencer*innen wie Caro Daur, Leonie Hanne und Chiara Ferragni beneidet. Sie jetten um die Welt, sehen die schönsten Orte und teilen alles mit ihren tausenden von Followern. Doch das Influencer-Dasein hat auch seine Schattenseite.

Unruhe, Nervösität, Burnout sind die Leiden, mit denen immer öfter Influencer zu kämpfen haben. Zuletzt gab die bekannte Influencerin Sophia Thiel bekannt, dass sie eine Auszeit vom Social-Media-Leben braucht. Ihr Rückzug kommt überraschend, offenbart aber auch die negative Seite des Influencer-Daseins. Wer dauernd online ist und selten abschaltet, kommt schnell an seine Grenzen.

Online-Psychologin Carolin Müller weiß, warum. "Der Konsum von Medien, aber auch der ständige Konsum über einen Bildschirm hat natürlich Einfluss auf unsere Konzentrationsfähigkeit", sagt sie. Unser Gehirn müsse sich ständig umstellen, die Aufmerksamkeitsspanne werde geringer, das ständige Starren auf einen blauen Bildschirm führe zu schlechterem Schlaf. "Das große Problem ist aber, dass wir nicht gemacht sind, die ganze Zeit auf einen Bildschirm zu starren, der Mensch ist ein soziales Tier."

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Was Social Media mit unserer Gesundheit macht

In den vergangenen 15 bis 20 Jahren hat sich unser Medienkonsum sowie der Zugang zum Bildschirm grundlegend geändert. Vieles, was vorher offline stattfand, hat sich ins Digitale verlagert. Gerade Influencer*innen sind heutzutage nonstop am Telefon. "Das ganze Leben dreht sich dann um Likes und Kommentare, doch das ist nicht das echte Leben", sagt die Psychologin. Man verliere nach und nach den Bezug zum realen – oder sogenannten Offline-Leben. Der Drang nach mehr Followern, mehr Reichweite und Likes steige, und damit auch der mediale Konsum. "Doch das, was man dann lebt, die Welt der bearbeiteten Fotos, ausgewählten Szenen und einem kuratierten Feed, ist nicht real", sagt sie.

Das ständige Online-Sein, die ständige Abwesenheit und Zerrissenheit zwischen Offline- und Online-Leben führe dann zu Unruhe und Nervösität. Wer dann laut Carolin Müller nicht aufpasst, rutscht schnell in ein digitales Burnout.

Die Folge: Es entsteht eine innere Leere. "Wer an einem Burnout leidet, bekommt Schlafstörungen, leidet unter Antriebslosigkeit, Unruhe, sieht langfristig keinen Sinn mehr in seiner Tätigkeit als Influencer*in", sagt die Online-Psychologin. Viele Influencer*innen fühlen sich ausgebrannt, trotz Schlaf nicht erholt und finden keine Ruhe. Aber auch das Beiseitelegen des Telefons, das Offline-Sein führe dann zu Stress. Ein klassischer Fall von digitalem Burnout, in dem man Offline- wie Online-Leben nicht mehr gleichmäßig verteilt bekommt. Das Abschalten fällt schwer.

Ab ins Digital Detox Retreat?

Wie groß das Problem einer ganzen Internet-Generation ist, zeigen Selbsthilfekurse zum Digital Detox oder Offline-Retreats, die einen zwingen, das Smartphone zur Seite zu legen und sich ganz bewusst für eine Zeit aufs reale Leben konzentrieren. "Solche Retreats können helfen", sagt die Online-Psychologin. "Wenn man es richtig für sich nutzt."

Wichtig sei es, dass man in dieser Auszeit lerne, dass das Online-Dasein nichts mit dem echten Gefühl zu tun habe. "Auch wenn wir uns vorgaukeln, dass ein Chat genauso ein Gespräch ist, kann es niemals ein echtes Zusammentreffen mit Freunden ersetzen."

Echte Erlebnisse mit Familie und Freunde, Hobbies und die Natur seien wichtig, um dem Leben eine tiefe Bedeutung zu geben. "Jene Erlebnisse geben unserem Leben Sinn, nicht die steigenden Follower-Zahlen."

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Hilfe bei der Partnerwahl!

Noch viel zu oft gilt im Influencermarketing: Hauptsache, irgendwen! Aber wie den Richtigen finden? Das LEAD Bookazine 1/2019 zeigt, wie Unternehmen bei der Partnerwahl richtig vorgehen. Es ist eigentlich gar nicht so schwer. Außerdem #alltagohnefilter: Influencer und Marketer über Instagram.

In Bus und Bahn einfach nur dasitzen

Was laut der Psychologin hilft, sind feste Offline-Zeiten. "Man kann bewusst Auszeiten suchen, in denen man das Handy ausmacht und sich mit Menschen und Natur verbindet." Ob ein ganzer Sonntag oder einfach ein klassischer Feierabend, wichtig sei es, eine regelmäßige Auszeit zu haben. "Wie stark der Schweregrad der eigenen Sucht ist, erkennt man schon in den ersten Tagen, wenn man das Handy zur Seite legt und ganz unruhig ist", so Müller. "Wir sind oft so abhängig von ständigem Input, dass das normale Leben nicht mehr ausreicht." Der Drang nach dem Griff zum Smartphone wäre dann so groß, dass man sich kaum dagegen wehren kann.

Was der Mensch gelernt hat, kann er auch wieder verlernen. Der erste Schritt: Ab in die Natur, sich mit Freunden umgeben. Feierabend mit dem Handy machen und auch die Benachrichtigungen weitestgehend ausschalten, sodass man nicht mehr ständig aus dem realen Leben gerissen werde. "Wenn dauernd Nachrichten reinkommen und man immer wieder rausgerissen wird, verliert man ein Stück Freiheit", sagt Müller. "Oder einfach mal nur dasitzen und nichts tun. Einfach bei sich sein und seine Gedanken kommen lassen. Wieder lernen, alleine mit sich zu sein."

Das Rezept gegen Stress und Burnout

Influencerin Julia Hansen, die den Blog Julispiration betreibt, weiß, wie stressig ein Leben zwischen Influencer-Dasein und normalen Job als Social-Media-Managerin bei Edeka sein kann. "Wenn ich Stress habe, bin ich schlecht organisiert. Ich arbeite viel mit Redaktionsplänen und lehne oft Kooperationen ab, wenn ich weiß, dass ich sie nicht schaffen werde. Das ist ehrlich und bringt mir selbst eine enorme Entspannung. Ich muss nichts annehmen, wenn ich nicht möchte", sagt sie.

Ihr Rezept gegen zu viel Stress und Burnout: Auf seinen Körper und seine Laune zu hören. Sich perfekt zu organisieren und auch mal nein sagen. "Und ganz wichtig: Sich nicht zu sehr von den anderen, wunderschönen immer nur im Urlaub und von Sonnenschein umhüllten Instagram-Accounts blenden zu lassen. Das Gras ist auch auf der eigenen Seite wunderschön und grün. Und ist es das nicht: Gelb ist auch gut, Erde ist auch gut, gar kein Rasen ist auch gut. Mach einfach dein Ding", sagt Hansen.

Wv Report Influencermarketing 2018

Wissenswertes zum Thema findet ihr im Report "Influencer Marketing - rechtskonform und sicher", den W&V zusammen mit dem auf Onlinerecht spezialisierten Rechtsanwalt Dr. Carsten Ulbricht umgesetzt hat. Der ausführliche Report gibt Checklisten zu Vertragsabschluss und Kosten sowie eine große Übersicht zur Kennzeichnungspflicht an die Hand.

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