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New Work Kolumne

Im Paradies das Laptop aufschlagen

Agenturchefin Andrea Buzzi wird ab Januar drei Monate lang von Bali aus arbeiten. Für LEAD erzählt sie von ihren Beweggründen und wird regelmäßig von den Erfahrungen berichten.

LEAD-Kolumnistin Andrea Buzzi
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Jeder Morgen riecht nach Blumen, Meer und Räucherstäbchen, ich schaue auf ein großes Reisfeld und verliere mich in meinen Gedanken. So in etwa stelle ich mir meinen neuen Arbeitsplatz vor, den ich Anfang Januar beziehen werde. Doch so ganz festhalten kann ich die Bilder noch nicht. Noch sitze ich in Hamburg hinter meinem Schreibtisch und absolviere die Jahresend-Rallye meiner Agentur. Da noch ein Strategieworkshop, Mitarbeitergespräche, hier noch ein Rapport, dort zum dritten Mal das eh schon knapp kalkulierte Angebot überarbeiten. Besinnliche Tage zur Jahreswende – für mich seit Jahren ein unerfüllter Wunschtraum.

Ständiger Begleiter meines geschäftlichen Erfolges ist der Stress, der mich an manchen Tagen in eine emotionale Achterbahn drängt, deren schwindelerregende Auf und Abs an meinen Kräften zerren. Ich bin zum Workaholic mutiert, angetrieben durch meine Perfektion, die ich in jeder noch so erdenklichen Situation an den Tag lege. Das Credo meiner Firma lautet: 150 Prozent Kommunikation für unsere Kunden. Um mich herum habe ich folglich auch nur Menschen geschart, die ebenso „passionate“ sind wie ich.

Was ein wenig zu kurz kommt, ist die Zeit, sich auf neue Projekte und Strategien zu konzentrieren, geschweige denn, sich auf sie einzulassen. Obwohl genau das den Spaß an der Arbeit ausmacht – dann, wenn es anspruchsvoll wird. Schon lange versuche ich, meine Ideen für die Agentur zu kanalisieren, mich einzubremsen. Mir Zeit zu nehmen. Für ausführliche Briefing-Gespräche mit den neuen Mitarbeitern zum Beispiel oder um zum Lunchen mal vor die Tür zu gehen und nicht am Schreibtisch die letzten Reste aus dem Kühlschrank vertilgen. Dafür habe ich bereits zwei Achtsamkeitskurse absolviert. Auf neue Pfade haben sie mich nicht geführt.

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Was mir bisher fehlte war die Chance, Abstand zu gewinnen, mich und mein Tun mal aus der Ferne zu betrachten. Als neutraler Beobachter sozusagen. Nach zehn Jahren Selbstständigkeit habe ich jetzt den Schritt gewagt, auch wenn die Ferne in diesem Fall knapp 12.000 Kilometer von Hamburg entfernt liegt. Mitten im Indischen Ozean. Ich gehe für drei Monate nach Bali.

Die Entscheidung, hier alles stehen und liegen zu lassen, war keine wohlüberlegte. Sie war vielmehr die spontane Nachgeburt eines philosophischen Gespräches in einem italienischen Restaurant. Warum nicht mal abhauen, eine Auszeit nehmen, den Alltagstrott durchbrechen? Und zwar nicht in zwei Wochen mühsam vor- und nachgearbeiteter Urlaubszeit. Sondern ankommen und bleiben. Als digitale Nomadin neue Leute und ihre Business-Welt kennenlernen, im Paradies das Laptop aufschlagen und dabei auf das sonnendurchflutete Meer blicken. Einen Tag nach diesem Gespräch haben mein Mann und ich unsere Hamburger Wohnung gekündigt. Das Sicherheitsnetz war durchschnitten.   

Das ist nun vier Monate her und seitdem leide ich unter selektiver Wahrnehmung. Überall lese ich Geschichten über Internet-Unternehmer auf Bali, meine Sportfreundin hat auf der Insel Bekannte, bei denen ich einen Schreibtisch mieten könnte, und unser Kunde Socialbakers wird seine jährliche Social-Media-Konferenz für den asiatischen Raum im März auf Bali abhalten. Wenn ich etwas spiritueller wäre, würde ich sagen, die Dinge fügen sich zusammen. Aber ich bin und bleibe nun mal ein Bits- und Bytes-Typ.  

In der Firma sind die Weichen ebenfalls gestellt. Mitarbeiter und Kunden sind „einigermaßen neidisch“ und freuen sich schon auf die ungewohnte Kommunikation mit Zeitverschiebung und Skype-Calls. Und sind gespannt auf die Trends, die ich aus Asien für das Adtech- und Internet-Business mitbringe.  

Ich wurde natürlich gefragt, ob ich keine Angst vor dem Vulkan hätte, der vielleicht ausbrechen könnte. Als Optimist-Fatalist sehe ich da keine großen Probleme auf mich zukommen.  Nun sind die Koffer gepackt und meine Vorfreude stille ich mit Endlosschleifen auf YouTube, wo ich meinen Vorbildern auf Bali per Go-Pro-Video schon mal virtuell Gesellschaft leiste. Medial beziehungsweise visuell habe ich mir Bali schon erschlossen. Jetzt fehlt nur noch der Duft von Ozean und exotischen Blumen – und das Gefühl, endlich angekommen zu sein.

Mehr von meinen Abenteuern auf Bali gibt es in meiner wöchentlichen Kolumne hier auf LEAD.

Über die Autorin

Andrea Buzzi (46) ist Geschäftsführerin der Agentur Frau Wenk+++ und Herausgeberin von Clutch, dem Gesellschaftsmagazin für die digitale Welt. Mit ihrer Firma berät sie seit 2008 Internetunternehmen in Sachen Kommunikation. Ihre Passion für die digitale Wirtschaft treibt sie bis heute an. Sie ist mit dem Journalisten und Buchautoren Gerhard Buzzi verheiratet, der sie nach Bali begleitet. Ihr Hund Lulu muss leider in Deutschland bleiben. 

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