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Harmony Os Logo
Das offizielle Harmony-OS-Logo (Screenshot: Gronau/Huawei-Event)
Huawei HarmonyOS Android

Huawei kontert Trump: HarmonyOS in unharmonischen Zeiten

Gut vorausgedacht: Zwei Jahre lang hat Huawei sein eigenes Betriebssystem heimlich entwickelt. Jetzt wurde HarmonyOS vorgestellt – als starke Antwort auf die Straf-Aktionen der Trump-Administration gegen den chinesischen (Staats-)Konzern. LEAD erklärt Details, Hintergründe und Perspektiven.

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Lange Jahre war es wie Pingpong. Das chinesische Unternehmen Huawei und der US-Konzern Google spielten sich über Googles Betriebssystem Android die Bälle zu und machten beiderseitig gute Geschäfte. Die Huawei-Devices liefen unter Android und rollten bei den Smartphone-Marktanteilen das Feld auf. Die Firma aus China wurde nicht nur zur Gefahr fürs Android-treue Samsung.

Auch der US-Konzern Apple war betroffen. Dessen iOS ist ein streng kontrolliertes System, das unter der Defragmentierung des Android-Marktes, der nicht nur teure, sondern auch sehr viele günstige Android-Smartphones hervorbrachte, gelitten hat. Wir erinnern uns: Steve Jobs wünschte Googles Bosse nach der ersten Präsentation von Android "zur Hölle", wie der US-Autor Fred Vogelstein in seinem brillanten Buch Dogfight: How Apple and Google went to war nachwies.

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"Zukunftssicher und eine Verbindung von morgen"

Doch Samsung und Apple sind längst nicht mehr die Lieblingsfeinde des chinesischen Konzerns, der laut Brancheninsidern vom diktatorisch organisierten Staat gelenkt wird (auch wenn Huawei immer wieder gebetsmühlenartig seine Eigenständigkeit betont).

Huaweis Dogfight 2019 hat die US-Administration um Präsident Donald Trump zum Gegner. Harte Hunde. Auf beiden Seiten. "Zukunftssicher und eine Verbindung von morgen", das sind die Kernbotschaften von Huawei derzeit welt gegenüber Kunden. Doch diese Sicherheit ist in Gefahr.

Strafzölle, Spionage-Vorwürfe gegen Huawei, Angst, den Zugang zu Android komplett zu verlieren: Aus dieser Furcht heraus hat Huawei aktuell Harmony OS, sein eigenes Betriebssystem, präsentiert.

Harmonie in unharmonischen Zeiten: Was kann HarmonyOS?

Bislang laufen die Geräte des chinesischen Herstellers bekanntlich mit Googles Android. Harmony OS ist ein vorausschauender Masterplan, der in Krisenzeiten zwischen USA und China wichtiger denn je für das Unternehmen wird.

Harmony in unharmonischen Zeiten: Entwickler erhalten viel Freiheit. So kann Code aus verschiedenen Programmiersprachen wie C++ oder Java mit einem Compiler von Huawei für das OS umformatiert werden. Eine Entwicklungsumgebung macht es möglich, Programme direkt für mehrere Gerätetypen, nicht nur Smartphones, sondern auch TVs oder Smartwatches, bereitzustellen. Huawei soll dazu in Zukunft auch Open Source werden.

Huawei will zudem die Sicherheitsmaßnahmen, die in der Luft- und Raumfahrt bei Chipsätzen benutzt werden, einsetzen. Für eine bessere Leistung als bei Android oder Betriebssystemen, die auf Linux basierten, forciert Huawei ein neues vereinfachtes Protokoll, "um die Nutzlasteffizienz bei Verbindungen von Hardware wie Display, Kameras, Lautsprechern usw. zu steigern".

HarmonyOS lässt keinen Root-Zugriff zu. Laut Huawei sei dies das größte Sicherheitsrisiko von Android und Linux-basierten Betriebssystemen. Durchaus wahr.

Zudem will der Konzern eine "präzise Ressourcenplanung mit Echtzeit-Lastanalyse sowie Prognose- und App-Eigenschaften" bieten. So verbessere HarmonyOS die Antwortlatenz um 25,7 Prozent und die Latenzschwankung sogar um 55,6 Prozent.

Das Entscheidende: Harmony sorgt für eine Entkopplung des Betriebssystems von der Hardware. Entwickler werden dies begrüßen. So werden beispielsweise Drag-and-Drop-Vorgänge und eine Vorschau-orientierte visuelle Programmierung ermöglicht.

Huawei spricht von "einem völlig neuen Betriebssystem", weil HarmonyOS auch KI-Funktionen in verschiedenen Szenarien von PCs über Tablets bis hin zu anderen Geräten ermögliche."

Nicht nur dank HarmonyOS geht Huawei nach eigenen Angaben trotz des Handelskriegs gestärkt ins zweite Geschäfts-Halbjahr 2019. Erst am 30. Juli hatte der Konzern seine Geschäftsergebnisse für das erste Halbjahr 2019 bekanntgegeben: 401,3 Milliarden chinesische Yuan Umsatz (umgerechnet 50,7 Milliarden Euro), das ist eine Steigerung von 23,2 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Nettogewinnmarge des Unternehmens für das erste Halbjahr 2019 betrug satte 8,7 Prozent.

Huawei-Vorstand Liang Hua sprach von "einer hervorragenden Leistung bei allen Finanzindikatoren, einem reibungslosen Betrieb, einer soliden Organisation und einem robusten Halbjahr".

Zwar bleibt Android für Huawei zunächst das "Mobile to go", wie der Konzern auf seiner Entwickler-Konferenz erklärte. Aber wer HarmonyOS unter den aktuellen Umständen trotzdem immer noch für eine wacklige Kampfansage hält, der dürfte sich wundern: Schon 2020 will Huawei die zweite große Version des Systems vorstellen, 2021 ist Version 3 geplant. Alles nach chinesischer Art durchgeplant und vorausschauend.

Festzuhalten bleibt: In Sachen Reaktionslatenz soll HarmonyOS, im August 2019 präsentiert, schon jetzt besser als ein anderes Betriebssystem sein, das im September 2008 erstmals vorgestellt wurde. Dessen Name damals: Android.

Aufgrund der schnellen Fortschritte traut sich der Konzern sogar jetzt schon zu, neue Geräte mit HarmonyOS auszustatten. Noch nehme man Rücksicht auf die aktuellen Android-Partner, aber:

"Wir könnten in ein bis zwei Tagen von Android zu HarmonyOS wechseln."

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