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Huawei Trump Apple

Geht es für Huawei noch weiter?

2018 noch Millionenumsätze und den Markt vor sich hergetrieben, 2019 Lieblingsgegner der USA: Immer Hua-weiter mit Huawei – oder treffen den chinesischen Staatskonzern die Folgen des Handelsstreits zwischen der Trump-Administration und Chinas diktatorischen Machthabern auch in Zukunft härter als erwartet?

Der chinesische Staatskonzern Huawei ist durch den Handelskrieg zwischen USA und China unter Druck geraten (Foto: GettyImages/NurPhoto)
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Im Frühjahr sah alles noch rosig aus im Huawei-Universum: Das Rekordjahr 2018 wurde gefeiert: Mit mehr als 200 Millionen verkauften Smartphones landete das chinesische Unternehmen knapp hinter Apple. Der Umsatz stieg damit zum ersten Mal auf über 100 Milliarden US-Dollar, genauer: auf 107,13 Milliarden. Das entsprach einem Sparten-Wachstum von 19,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Bereich mit dem größten Wachstum war jedoch das Geschäft mit den Endkunden: Es wuchs um sagenhafte 45,1 Prozent. Erklärtes Ziel war es, vor Samsung und Apple die neue Nummer 1 auf dem Weltmarkt zu werden. Große Hoffnungen wurden auch in den 5G-Ausbau gesetzt.

Mitte Mai dann der US-Boykott. Das chinesische Staatsunternehmen wurde – nicht zum ersten Mal – der Spionage verdächtigt. Die Folge: ein Handelskrieg zwischen den USA und China mit ungewissem Ausgang. Auch international geriet Huawei unvermittelt unter enormen Druck. In Deutschland riet die Deutsche Telekom ihren Mitarbeitern, keine Huawei-Smartphones mehr zu nutzen. In Japan und Großbritannien zogen große Netzbetreiber die Reißleine. Huawei-5G-Endgeräte werden bei den 5G-Planungen derzeit nicht mehr berücksichtigt. Einige Online-Marktplätze sahen ein Plus von mehr als 500 Prozent bei Trade-ins von Huawei-Smartphones.

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Asiatische Portale berichten, Huawei werde die Auslieferung und die Entwicklung von Notebooks vorerst einstellen.

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Huawei-Konzernchef spielt die Lage runter

Inzwischen hat US-Präsident Donald Trump nach dem G20-Gipfel in Japan angekündigt, den Boykott wieder zu mildern. Laut der britischen Financial Times soll Trump in den nächsten Tagen mit hochrangigen Security-Verantwortlichen der Regierung besprechen, wie der Druck auf Huawei verringert werden kann, berichtet Golem.de. Trump wolle bestimmte Lieferungen von US-Unternehmen an den chinesischen Smartphone-Hersteller wieder zulassen.

Auf dieses Hin und Her reagierte Huawei-Gründer und Konzernchef Ren Zhengfei scheinbar gelassen. Er sagte der Financial Times, die Aussagen hätten für ihn „wenig Bedeutung“. Sie seien nur „gut für amerikanische Unternehmen“. Allerdings ist es schon ein Hinweis auf den Ernst der Lage, dass sich Ren Zhengfei überhaupt äußert, scheute er doch bisher die Öffentlichkeit.

Er erklärte: „Huawei ist auch weiterhin bereit, Produkte von amerikanischen Unternehmen zu kaufen. Wir sehen jedoch keine großen Auswirkungen auf unseren derzeitigen Geschäftsbetrieb.“ Kein Wunder – sollen doch laut New York Times US-amerikanische Zulieferer wie die Chip-Hersteller Intel und Micron daran arbeiten, den Handelskrieg zu umgehen, indem sie ihre Produktion in neutrale Länder verlagern. Gerüchteweise umgehen US-Unternehmen auch das Embargo, weil sie auf Huawei-Komponenten in der laufenden Produktion angewiesen sind, vermeldete Cnet.

Huawei Smartphone
Eigentlich wollte Huawei weltweit die Nummer 1 im Smartphone-Markt werden (Foto: pixabay)

Ark OS: Eigenes Betriebssystem in der Schublade

Es ist auch noch offen, ob Huawei künftig in seinen Mobilgeräten Googles Betriebssystem Android nutzen kann. Google hatte angekündigt, keine Android-Updates mehr für Huawei-Geräte zuzulassen, hat das Verbot aber noch für eine Zeit ausgesetzt. So sollen die Bestandskunden mit Huawei-Geräten der letzten Jahre vom P20 bis zur aktuellen P30-Serie ein Update auf Android Q bekommen.

Berichten zufolge hat Huawei aber einen Plan B, sollte Google auf Druck des Handelsministeriums wirklich ernst machen: Das Unternehmen arbeitet schon länger an einem eigenen Betriebssystem namens „Ark OS“ (Codename: Hongmeng), samt eigenem App Store („App Gallery“). Diesen sollen Entwickler bereits mit Anwendungen bestückt haben.

Zahlen von Counterpoint Research belegen, dass im ersten Quartal dieses Jahres die vier größten chinesischen Smartphone-Hersteller Huawei, Xiaomi, Oppo und vivo zusammen 40 Prozent Marktanteil hatten. Eine Zusammenarbeit dieser Unternehmen mit einem unabhängigen eigenen Software-System wäre eine ernstzunehmende Bedrohung für Googles Android.

Huawei Zukunftsversprechen
Mit einem "Zukunftsversprechen" auf seiner Website will Huawei die aktuelle Lage entspannen (Foto: Huawei)

"30 Milliarden Dollar Umsatzverlust in den nächsten zwei Jahren"

Aktuell sendet Huawei Signale an seine Kunden, die beruhigend klingen sollen: Bekannte Apps würden sich weiter nutzen lassen, das gelte auch generell für Android. Auch die Sicherheit der Geräte sei gewährleistet. Die Hersteller-Garantie von zwei Jahren gelte natürlich weiter in vollem Umfang. Soweit die Sprüche auf der offiziellen Homepage. Geht es also doch noch weiter?

Bei nüchterner Betrachtung ist klar: Das erklärte Ziel, Smartphone-Hersteller Nummer 1 zu werden, ist erst einmal in die Ferne gerückt. Ren Zhengfei erwartet, dass seinem Konzern durch den Handelskrieg allein in den kommenden zwei Jahren mindestens 30 Milliarden US-Dollar an Umsätzen entgehen werden.

Trotzdem setzt Huawei seinen eingeschlagenen Weg zunächst offenbar unbeirrt fort. Der Fokus liegt weiterhin auf 5G, was sich beispielsweise in dem Angebot an Apple zeigt, es mit 5G-Modems für seine iPhones zu beliefern.

Und in den nächsten Tagen steht nicht nur die Entscheidung über die Lockerung des US-Boykotts an, die Chinesen bringen aktuell auch in Deutschland ihr Smartphone Mate 20X 5G (999 Euro waren einst angesetzt, bei MediaMarkt ist das Gerät derzeit schon für 599 Euro erhältlich) auf den Markt. Das neue Huawei P30 Pro wurde bei Amazon schon von 749 Euro auf unter 600 Euro reduziert.

Eine Schlagzeile ("Neue Geräte ja, Preisverfall aber auch") ist das allemal wert, weil der wegweisende 5G-Standard hierzulande noch in den Startlöchern steht – aber das ist eine andere Geschichte.

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