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Video How to Tools

How to: Video

In der LEAD-Serie "How to" macht euch der Trainer und Journalist Christian Jakubetz fit für den Start in neue Formate und Erzählformen. Diesmal geht es um Bewegtbild.

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Zugegeben, die Sache mit den Videos ist schnell zu einem Hype geworden (wie so vieles im Netz). Und ebenfalls zugegeben: Die Zahl der gescheiterten Videoprojekte ist Legende. Was allerdings auch daran lag und manchmal immer noch liegt, dass vielen Videomachern kaum etwas anderes einfällt, als Formate und Ideen aus den Zeiten des klassischen TV ins Netz zu übertragen.

Auf der anderen Seite: Es gibt ja inzwischen so gut wie keinen Kanal mehr, auf dem Video nicht eine ganz entscheidende Rolle spielen würden. Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat und sogar die gute, alte Homepage: Videos sind zum Standard geworden. Aber natürlich sind sie mehr als Imagepflege. Mit Videos lassen sich wunderbare Geschichten erzählen, kurze Momente einfangen, User an neue Orte mitnehmen (360 Grad/VR) oder die User gleich Zeuge eines Ereignisses werden lassen (Livestreams).

Man ahnt bei dieser Aufzählung aber auch: Video ist nicht gleich Video. Für jeden Kanal, für jeden Anlass gibt es etwas Eigenes. Das gilt für Inhalte, Formate, Hard- und Software gleichermaßen. Was auch nahelegt, dass es den einen, für alles zuständigen Video-Spezialisten in der Redaktion oder in der Agentur kaum geben kann. Und dass man sich – mehr als bei jedem anderen Content-Thema – vorher sehr genau überlegen sollte, welche Idee, welche Strategie man verfolgt.

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☝🏻Tipp: Vergesst gebaute Beiträge, vergesst „Talking Heads“ vor einer Kamera. Bewegtes Bild ist auf vielen Kanälen wunderbar einsetzbar. Lassen wir also dem klassischen Fernsehen das, was es kann – und machen das, was die Leute im TV eben nicht finden.

Was kostet das?

Die Frage nach den Kosten. Tja. Mit der Antwort „kommt drauf an“ wirst du vermutlich nicht zufrieden sein. Versuchen wir also mal etwas genauer zu erklären, worauf es ankommt. Der wichtigste Aspekt: Es kommt darauf an, was man überhaupt will. Wer in erster Linie kleine Häppchen fürs Netz, für soziale Netzwerke produzieren, dem reicht ein gutes Smartphone mit ein bisschen Equipment. Da ist man gegebenenfalls mit 700 Euro schon gut im Rennen.

Ansonsten gilt: Je aufwändiger, desto teurer. Nach oben sind gerade beim Thema Video kaum Grenzen gesetzt. Zwar ist nach alter Weisheit die beste Kamera immer die, die man dabeihat. Und natürlich weiß ich auch, dass inzwischen sogar schon ein ganzer Kinofilm mit einem iPhone gedreht worden ist. Für hochwertiges Material würde ich aber trotzdem auch immer hochwertige Hardware verwenden, nicht nur bei der Kamera. Das Interview mit dem CEO der eigenen Firma beispielsweise daran scheitern zu lassen, dass man bei einem billigen Mikrofon arbeitet, ist schon eine ziemlich vertrottelte Variante der Sparsamkeit.

Für alle, die ein paar Richtwerte haben wollen:

  • Eine Smartphone-Standard-Ausrüstung gibt es für ca. 700 Euro.
  • Smartphone in der gehobenen Variante mit Mikros, Stativen, Kleinkram: ca. 1000 Euro
  • DLSR mit Wechselobjektiv, Funkstrecke, Mikro, Stativen: geht bei rund 1000 Euro los, man kann aber auch leicht 3000 loswerden (beispielsweise mit einer richtig guten Kamera)

Wie kann es aussehen?

Wie schon in der Podcast-Folge beschrieben: Die klassischen Formatlängen sind tot, gottseidank. Natürlich gibt es in sozialen Netzwerken technische Beschränkungen, wobei man von Instagram neuerdings hört, man wolle künftig auch Videos von bis zu 60 Minuten erlauben. Die andere Frage ist natürlich, wer sich einen 60-Minüter bei Instagram anschauen will.

Aber das ist generell der Maßstab, um den es geht: Will das jemand sehen? Eine andere Frage stellt sich nicht, was insofern ganz angenehm ist, weil man dann nicht darüber diskutieren muss, ob man sich jetzt an irgendwelche 2.30-Fantasie-Begrenzungen halten soll. Umgekehrt heißt das natürlich, dass man jetzt Endlos-Video-Monster produzieren darf. Wenn man also den Eindruck hat, eine Geschichte sei fertig erzählt: Cut, Schluss, aus.

Daneben gibt es bei Videos im Gegensatz zu Audios allerdings noch ein ziemlich komplexes Thema, wenn es um die äußere Form geht. Während man beim Podcast mit einem mp3 nie etwas verkehrt macht, ist das bei Videos schon deutlich schwieriger. Mit der Debatte um Formate könnte man Abende verbringen, wenn man das will (gottseidank wollen das aber meistens nur sehr technikgetriebene Menschen). Lass dich also nicht irritieren, wenn das Schnittprogramm beim Ausspielen des Videos gefühlte drei Dutzend Varianten vorschlägt.

In den Zeiten sozialer Netzwerke ist auch eine Debatte entstanden, die es früher nicht gegeben hätte: Quer- oder doch hochformatig drehen? Persönlich halte ich es ja mit dieser Logik hier, die sehr deutlich erklärt, warum man quer filmen sollte.

Trotzdem, im Zeitalter des Smartphones muss man zumindest darüber debattieren, warum man das eine oder andere Video auch hochformatig drehen kann. In der Praxis ist das alles allerdings reichlich schwierig. Bei der BBC gibt es Videos, die in insgesamt vier verschiedenen Formaten produziert werden (16:9, 9:16, 4:3, 4:4). Aber das ist die BBC mit ihrem gesamten Apparat. Für die meisten von uns im Alltag: kaum denkbar. Deshalb sollte man sich vorher genau überlegen, welches Format für welche Plattform geeignet ist.

Was? Wo? Für wen?

Nichts verführt so sehr zu wahlweise staatsmännischen, aufgeplusterten, manchmal auch stocksteifen Attitüde wie eine Kamera, die auf einen gerichtet ist. Vor kurzem lief ein Marketing-Video eines ziemlich großen deutschen Unternehmens u.a. bei Twitter, das in der Netzgemeinde für reichlich Spott sorgte. Und das nebenher das ganze Elend der Videoproduktion für soziale Netzwerke zeigt, vor allem, wenn diese Videos von Menschen gemacht werden, die von sozialen Netzen nicht so richtig was verstehen. In diesem Video also stand ein mittelalter Herr reichlich angespannt vor einer Kamera und ließ, als Interview getarnt, eine Plattitüde nach der anderen ab. Was sonst schon keine sehr gute Idee gewesen wäre, kommt bei Twitter gar nicht mehr gut.

☝🏻Tipp: Mehr als beim Thema muss man sich bei Videos klar machen, wo dieses Video für wen laufen soll. Das ist auch deshalb wichtig, weil Videos in sozialen Netzen zumeist ohne Ton gesehen werden – und Bewegtbilder dort anders aufbereitet sein müssen.

Equipment: Kamera

Was braucht man dafür? Man könnte diese Frage mit „eine Kamera“ beantworten. Was nicht falsch wäre, aber zumindest sehr unvollständig. Schon alleine deswegen, weil man ganz gut auch mit zwei, drei oder vier verschiedenen Kameras arbeiten kann. Weil eine Equipment-Empfehlung unvollständig wäre und außerdem immer Kritik hervorruft („Nikon? Canon ist viel besser!“) – hier meine aktuelle Ausstattung:

  • Iphone X: Lasst uns bitte nicht über das iPhone X als solches debattieren. Hier geht es nur um die Kamera und die ist großartig. Wer das X nicht mag, nimmt das 8, das hat die gleiche Kamera. Wer Apple nicht mag, nimmt was anderes. - zum Beispiel das Pixel2 von Google. Hauptsache mit hochwertiger Kamera. Die sind inzwischen so gut, dass sie einen normalen fotografischen oder filmerischen Alltag abdecken können. Zumal, wenn man Videos fürs Netz produziert.
  • Nikon D 600: Doch, ab und an darf es noch die DLSR sein. Es gibt ein paar Feinheiten im Bild, die sie besser kann als jedes Smartphone. Aber vor allem kann ich mit verschiedenen Objektiven drehen, das kann bei aufwändigen Sachen ein echter Vorteil sein. Auch hier der Hinweis: Wer Nikon nicht mag, nimmt halt eine Canon oder sonstwas. Hauptsache, man spart nicht an der falschen Stelle. Wer sich wirklich für eine DLSR entscheidet, der sollte sich für eine gute Kamera entscheiden. Und nicht das 300-Euro-Teil aus dem Abverkauf im Elektromarkt.
  • Nikon Keymission 360: 360 Grad? Kann man schon mal machen, zumal das mit solchen Kameras einfach und in guter Qualität geht. Die Nikon macht ordentliche Bilder. Wer allerdings die Software gebaut hat, müsste mit lebenslangem Berufsverbot belegt werden. Ich würde mich heute für eine andere 360-Grad-Kamera entscheiden, aber ganz so oft brauche ich sie nicht, dass ich mir alle zwei Jahre eine neue kaufe. Viel Gutes hört man beispielsweise über die Ricoh Theta V, Kostenpunkt etwa 450 Euro.

Equipment: Mikrofone

Ganz ähnlich wie beim Audio-Thema. Eine kleine Auswahl macht sich ganz gut. Lavaliermikros beispielsweise, gekoppelt mit Funkstrecke, das ist sowohl für Interviews als auch O-Töne und auch eigene Aufsager eine gute Sache. Funkstrecken gibt es schon im 150-Euro-Bereich, aber bei hochwertigen Produktionen sollte man besser die Finger davon lassen. Ich verwende eine Sennheiser-Strecke samt Mikro, die allerdings auch um die 800 Euro kostet.

Was ich persönlich sehr schätze: Meinen Zoom H4N-Recorder an die DLSR koppeln und dann mit einem externen Mikro verbinden. Überhaupt das Zoom: Lässt sich mit ein paar Handgriffen und etwas Zubehör auch ganz schnell zum Richt- oder Reportermikro für die DLSR umbauen.

Hier erklärt jemand, wie sowas grundsätzlich prima funktioniert.


Software für Rechner und Smartphone

Wer wissen will, wie sehr das Thema Video inzwischen boomt, der muss nur einen Blick auf die verschiedenen Programme werfen. Das sind so viele, dass man sich als Ratgeber zuverlässig in die Nesseln setzt, würde man ein paar heraussuchen und empfehlen. Deswegen auch hier der Blick auf das eigene Equipment.

  • Adobe Premiere Pro für den Videoschnitt am Rechner. Ist ohnehin in meinem Creative Cloud-Abo enthalten.
  • Adobe After Effects,wenn – der Name sagt es – mal noch ein paar besondere Effekte erzielt werden sollen.
  • iMovie, weil es eh auf meinem Mac ist, aber auch, weil man damit vergleichsweise schnell und deutlich weniger aufwändig als mit Premiere arbeiten kann.
  • WeVideo als App für das Smartphone. Ich produziere Videos eher ungern von unterwegs aus, aber wenn es denn mal sein muss, dann damit. Geht auch mit iMovie in der Mobil-Variante, aber mir persönlich ist das für ein schnelles Smartphone-Video schon wieder zu komplex.

Wie gesagt, speziell bei der Software gibt es für alles etliche Alternativen. Wo es möglich ist, Trial-Versionen testen. Und ansonsten ein vertrauensvolles Gespräch mit der IT-Abteilung führen.

Jakubetz empfiehlt

Comrade Stump: Nicht nur, dass diese (Satire-)Videos zum Thema Trump witzig sind. Sie sind auch ein schönes Beispiel dafür, wo der handwerkliche Unterschied zwischen TV und Netz liegt. Schade, dass der Kamerad nur sehr unregelmäßig veröffentlicht – dieses bisher letzte Ding zum Thema Nordkorea zeigt, warum das so bedauerlich ist…

OMR: Drei Minuten. Ein Trailer, der zeigt, wie Bildsprache, Schnitt und Ästhetik 2018 aussehen.

Christian Jakubetz ist Journalist, Berater (Jakubetz&Laban) und Dozent.

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