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How to Internet Journalismus

How to: Texte fürs Web

Gibt es Unterschiede in Texten für das Netz und für Print? Natürlich gibt es die. Allerdings sind sie wesentlich subtiler als gemeinhin gerne behauptet wird. Deshalb heute im How to: Tipps für bessere Texte im Netz.

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Wie textet man eigentlich für das Netz? Darauf gab es schon vor 20 Jahren eine simple Antwort: schneller, kürzer, leicht lesbar. Bei dem Thema erinnere ich mich immer daran, als 1998 ein Fachmagazin meinen damals neuen Job in einer Online-Redaktion vorstellte. Meine Hauptaufgabe, so hieß es damals, sei es, Texte aus der Zeitung von 150 Zeilen auf 15 Zeilen einzudampfen.

Wenn es nur so einfach wäre. War es nie, ist es nicht und wird es auch nie sein. Weil Internet ja nicht einfach bedeutet: alles kürzer und schneller. Wohl aber: fast alles anders. Schon alleine deswegen, weil die Nutzungssituation im Netz in den meisten Fällen eine ganz andere ist.

Bevor du also irgendeinen Text schreibst, befolge erst einmal ein paar Tipps.

In welcher Situation wird mein Nutzer diesen Text lesen?

Klingt banal. Ist aber umso wichtiger, wenn man sich vor Augen führt, dass Print-Texte höchstwahrscheinlich immer in ähnlichen Situationen gelesen werden. Man nimmt sich ein Heft, eine Zeitung, lehnt sich zurück – und liest. Digital hingegen kann ein Text in die unterschiedlichsten Kontexte eingebunden sein und auf verschiedensten Endgeräten gelesen werden.

Davon abgesehen: Möglicherweise hat ein Nutzer deinen Text aufgerufen, weil er ihn bei der Suche nach bestimmten Informationen gefunden hat. Deswegen sollte man davon ausgehen, dass der Digital-Leser schneller und zielgerichteter ist. Er wird grundsätzlich schnell von einem Text zum nächsten springen, wenn er ihm nicht taugt.

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Und schließlich: Wenn dein Nutzer vielleicht gerade im Zug sitzt und auf seinem Handy liest, wird sein Bedarf an langen und gemächlichen Geschichten überschaubar sein. Das eingangs zitierte "Eindampfen" von Texten ist also nicht das Allheilmittel, weil User im Jahr 2018 gerne auch bereit sind, längere und komplexere Texte im Netz zu lesen. Es geht demnach nicht zwingend um Kürze alleine. Trotzdem gibt es verschiedene Punkte, die man beachten sollte:

  • Präzision: Digital solltest du schnell auf den Punkt kommen, präzise und sauber formulieren. Geduld und Muse kannst du bei deinem Leser nicht voraussetzen.
  • Struktur: Online-Leser "lesen" immer weniger auf die Art und Weise, wie wir das aus Print-Tagen kennen. "Skimmen" und "scannen" sind mittlerweile zu alltäglichen Leseformen geworden. Soll heißen: Im Netz sind die Nutzer viel eher bereit, einen Text schnell daraufhin zu untersuchen, ob er überhaupt interessant sein könnte. Man überfliegt – um sich erst dann zu entscheiden, ob man sich auf den Text einlassen will. Mit ein paar optischen Kniffen kannst du den Leser auf deine Seite ziehen: Viele Absätze, Zwischentitel, Hervorhebungen. Ein langer Fließtext ohne Auflockerungen dagegen vertreibt den User schnell von der Seite.
  • Länge: Die goldene Textlänge gibt es nicht. Und Dogmen sind in kreativen Berufen ohnehin nie eine gute Idee. Trotzdem: Eine Leselänge von sechs bis sieben Minuten gilt als obere Grenze. Das wären bei einer durchschnittlichen Lesegeschwindigkeit rund 1500 bis 2000 Worte oder hochgerechnet irgendwas zwischen 6000 und 8000 Zeichen. Wenn du darüber hinaus gehen willst, brauchst du ein wirklich gutes Thema. Oder eines, dass man schichtweg nicht auf 8000 Zeichen erklären kann. Die Erfahrung zeigt allerdings: Die allermeisten Themen lassen sich ganz prima in einer solchen Länge abhandeln.

Sei besonders!

Was ist mit Überschriften, Teasern und den gängigen Regeln, mit denen man – angeblich – im Netz Unmengen an Aufmerksamkeit auf sich zieht? Vergiss sie einfach! Zum Beispiel gab es ein Allheilmittel, Zahlen in Überschriften zu setzen. Kurz darauf fanden sich unzählige "5 Gründe, warum…"-Überschriften im Netz. Gerne verwendet werden auch die Tipps, man solle seinen Nutzer direkt ansprechen ("So wirst du zum besseren Texter") oder ein wenig neugierig machen ("Als ich dieses Foto sah, musste ich weinen"). Das sind Dinge, die inzwischen verächtlich als "Clickbait" abgetan werden.

Ob das gerechtfertigt ist, mag ich nicht beurteilen. Wohl aber ist es kontraproduktiv, wenn du das machst, was alle machen. "5 Tipps für bessere Online-Texte" sind irgendwann nicht mehr aufmerksamkeitsweckend, sondern einschläfernd. Wenn alle das Gleiche tun, musst du dich absetzen.

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