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Diversität in den Führungsetagen hilft im globalen Wettbewerb (Foto: stock.adobe.com)
Irmela Schwab Leadership Digitalisierung

Hierarchien sind gut - solange der Chef zum Dienstleister wird

Mittelständische CEOs übergeben das Zepter immer noch an den Sohn. Doch nicht nur der tradierte Generationswechsel macht den Untenehmen bei der digitalen Transformation zu schaffen: Franz Kühmayer, der beim Zukunftsinsitut in Wien zum Thema Leadership forscht, hat jüngst seinen "Leadershipreport" dazu veröffentlicht. Für LEAD stellt er seine besten fünf Insights vor - und leitet daraus konkrete Handlungsempfehlungen ab.

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1. Kultur sticht Struktur

Als Franz Kühmayer in diesem Jahr im Silicon Valley war, wurden seine Vorstellungen vom Technik-Mekka über den Haufen geschmissen. Eigentlich hatte er erwartet, dass bei Google, Facebook und jungen Startups flache Hierarchien herrschen.

Doch das ist nicht der Fall: "Die Strukturen sind sehr hierarchisch", sagt der Leadership-Experte beim Zukunftsinsitut in Wien. Der Unterschied liegt allein im Führungsverständnis. Bei Besprechungen etwa kommen Führungskräfte hinzu und fragen, bei welchen Prozessen und Projekten sie ihre Mitarbeiter unterstützen können.

Kontrolleur oder Kommandant eines Unternehmens zu sein, ist heute nicht mehr angebracht. "Europäische Unternehmen glauben oft, sie können die digitale Transformation meistern, indem sie die Struktur verändern."

Doch geht es um eine Änderung der Kultur: Der CEO muss sich selbst als Dienstleister verstehen - so wie das im Silicon Valley schon gang und gäbe ist. "Im Wort Dienstleistung steckt sowohl dienen als auch leisten drin. Das Leisten können wir in Europa schon, beim Dienen haben wir noch Nachholbedarf."

Was zu tun ist: "Anstatt die Struktur im Unternehmen zu verändern und flache Hiearchien zu implementieren, müssen die Unternehmer eine neue Haltung zum Thema Führung entwickeln."

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2. Vermeintliche Nachteile als Vorteile erkennen

Männlich, 30, Workaholic: So sieht laut Kühmayer der typische Silicon Valley-Manager aus. In Europa dagegen setzt man auf Work-Life-Balance und Vielfalt. Das verlangsamt die Prozesse: "Während man in den USA rasche Entscheidungen trifft und Projekte schneller umsetzt, ist man in Europa bedächtiger und sorgfältiger und wägt die Konsequenzen im Vorfeld ab."

Der Nachteil der Langsamkeit und des "Hinterherhinkens" kann aber auch als Vorteil interpretiert werden. "Es ist gut, dass wir überlegt an neue Dinge herangehen, wir sehen es oft nur nicht so." Die Debatte um Facebook und die Wahlbeeinflussung zeigen, welche Konsequenzen es haben kann, wenn man Datenschutz und -sicherheit leichtfertig handhabt. "Mit der Datenschutzgrundverordnung, die wir in Europa haben, wäre so etwas nicht passiert", meint Kühmayer.

Was zu tun ist: "Wir sollten aufpassen, dass wir uns in Europa nicht nur als Bremse hinstellen, sondern auch den Wert unserer Überlegtheit erkennen."

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3. Emotion und Empathie stärken

Die Algorithmen werden immer ausgefeilter, die Maschinen immer intelligenter. Müssen die Menschen das auch? Kühmayer verneint. "In den Wettbewerb mit Maschinen dürfen wir gar nicht erst eintreten und zum Beispiel mit den schlauen, schnellen Robotern um Arbeitsplätze kämpfen. Es wird uns nicht gelingen, eine bessere Maschine zu werden und dabei vielleicht noch die künstliche Intelligenz auszubremsen"

Vielmehr gilt: "Wenn Maschinen bessere Maschinen werden, müssen Menschen bessere Menschen werden." Kühmayer fordert ein Mehr an Humanismus. "Die großen Fragen der Zukunft, werden sich nicht mit Technologie lösen lassen, sondern mit Fragen der Ethik."

Ein Beispiel ist der Pflegeroboter im Altenheim. Wie soll dieser eingesetzt werden, dass sich die Senioren gut versorgt fühlen? Welche menschliche Komponente wünschen sich die Pflegebedürftigen? "Das sind Fragen, die mit Technologie zunächst nichts zu tun haben. Sondern damit, wie wir unseren Alltag gestalten wollen."

Was zu tun ist: "Unternehmen brauchen nicht nur analytisches Denken in Nullen und Einsen. Sie müssen eine Denkweise fördern, die emphatisch und emotional ist und das Menschliche ins Zentrum stellt. Als ein wichtiges Gegengewicht zur digitalen analytischen Welt."

4. Generationswechsel meint auch Genderwechsel

In vielen mittelständischen Unternehmen stehen Generationswechsel an."Momentan ist es noch so, dass Unternehmenschefs ihr Zepter überwiegend an ihre Söhne übergeben", beobachtet Kühmayer. "Töchter haben sie nicht auf dem Radar." Noch immer nicht. "Das sind Verhältnisse wie im Mittelalter."

Die Zeiten haben sich allerdings geändert. Lange schon. "Der Generationswechsel von vor 500 Jahren hat mit der heutigen Welt nichts mehr zu tun. In manchen Köpfen ist das aber noch so verankert." Das liegt laut Kühmayer auch daran, dass die Erfolgsrezepte lange nach Schema F funktioniert haben. Mit der digitalen Transformation ändert sich das aber.

"Unternehmer müssten sich nun bewusst werden, dass tatsächlich große Veränderung anstehen", sagt Kühmayer. "Die Erfolgsrezepte der Vergangenheit sind keine der Zukunft." Chefs müssen jetzt vor allem darüber nachdenken, wie sie mit dem globalen Wettbewerb und der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine umgehen."

Diversität hilft dabei. Wie Studien belegen, wirken sich Manager unterschiedlicher Ausbildung, Herkunft oder verschiedenen Geschlechts positiv auf die Gesundheit eines Unternehmens aus. "Je vielschichtiger ein Führungsteam zusammengestellt ist, desto mehr Lösungsansätze gibt es für Probleme."

Was zu tun ist: "Unternehmenschefs sollten nicht nur über den Generationswechsel, sondern auch über Genderwechsel nachdenken."

5. Bildung als sozialer Prozess

Weiterbildung ist eines der Schlüsselerfolgrezepte. "Viele Unternehmer glauben, wenn sie Mitarbeiter über Online-Plattformen und Intranet neue Lernmöglichkeiten anbieten, ist das schon gut." Gut, aber nicht gut genug: "Besser ist es, wenn Menschen gemeinsam lernen: miteinander und voneinander".

Kühmayer rät von einer Abkehr von reinem Online- hin zu mehr Offline-Lernen. "Um gesellschaftliche und politische Gräben zu überwinden, ist das gemeinsame Lernen viel besser geeignet, um ein Gefühl der Nähe zu erzeugen und darüber gegenseitiges Verständnis aufzubauen."

Was zu tun ist: "Unternehmer müssen Bildungsangebote etablieren - dabei sollten sie aber weniger auf Online allein setzen, sondern Bildung als einen sozialen Prozess etablieren."

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