Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
20190712 183448
Chris Eberl berät an der TU München Studenten, wie man sein eigenes Business auf die Beine stellt (Bild: Chris Eberl)
Start-up Innovation Business

Gründen aus Wut

Wie man sein eigenes Business auf die Beine stellt, weiß Chris Eberl, der an der TU München Studenten berät. Im Interview mit LEAD stellt er Gründer-Methoden vor, die zum Erfolg führen.

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen, reizt viele - doch das Geschäftsmodell zu finden, ist nicht leicht. Chris Eberl, der an der TU München lehrt, wie man sein eigenes Business auf die Beine stellen kann, stellt die Methoden vor, die zum Erfolg führen. Für ihn entstehen die besten Gründungen aus einem inneren persönlichen Komplex.

LEAD: Du lehrst am Center for Innovation and Business Creation der TU München, wie man am besten ein eigenes Unternehmen aufbauen kann. Wie kommt man denn einer erfolgreichen Geschäftsidee auf die Schliche?

Chris Eberl: Da gibt es drei Ansätze. Der aus meiner Sicht schlechteste zuerst: Ein Gründer hat eine Technologie oder Lösung, für die er eine Zielgruppe sucht. Der bessere zweite Ansatz ist es, ein Problem einer Zielgruppe in den Fokus zu nehmen und zu lösen. Zum Beispiel wenn U-Bahn-Fahrgäste ihre Tickets nicht manuell oder am Schalter buchen müssen, sondern eine automatisierte Lösung per App dafür entwickelt wird.

Das Beste aber ist, ein Business zu entwickeln, bei dem man selbst sein bester Kunde ist: Das nenne ich die Center-Me-Strategie. Dabei wird auf Bereiche fokussiert, bei denen man selbst ein extremer Kunde ist, der kein Pardon kennt. Erkennen kann man das daran, dass man in Wut gerät, wenn etwas nicht so ist, wie man es sich wünscht.

Anzeige

Ein fanatischer Kaffee-Liebhaber akzeptiert keine schlechten Bohnen oder Maschine und wird schlechte Qualität auch lautstark äußern. Aus so einer Negativenergie heraus entstehen oft die besten Gründungen, da der Ist- nicht dem Soll-Zustand entspricht. Das will der Gründer dann ändern. Idealerweise adressiert der Gründer noch einen inneren persönlichen Komplex.

Auch interessant: Start-ups: Das Wichtigste ist Zuhören

Lead 4 Cta Mock Up 1200X1200 V2 92
Wer analysiert, führt!

Wann steigt der Kunde aus? Eine Website ohne Tracking kann funktionieren, muss aber nicht. Wie Analytics dabei hilft, den Kunden besser zu verstehen und die Basics des Trackings: Jetzt im aktuellen LEAD Bookazine 2/2019.

LEAD: Hast du dafür ein Beispiel?

Eberl: Da ist zum Beispiel Mark Zuckerberg, der sozial weniger integriert war und gerade deshalb als talentierter Programmierer das soziale Netzwerk Facebook startet. Jemand, der viele Freunde hat, würde so etwas nicht machen. Die Mischung aus Negativenergie und Talent ist unheimlich stark. Steve Jobs war ja Zen-Buddhist, und legte peniblen Wert darauf, alles simpel und aufgeräumt zu halten. Daraus entstand das Design des iPhones. Oder Thomas Edison, ein genialer Ingenieur, der tausende Versuche benötigte, um die Glühbirne zu entwickeln. Den langen Atem hatte er nur, weil er sich im Dunklen gefürchtet hat.

Einer meiner besten Freunde hat das Auto-Navigations-System mit erfunden. Er ist der orientierungsloseste Mensch, den ich kenne. Auf die Frage von mir, warum er sich gerade mit Navigation beschäftigte, antworte er mir "weil ich mein Problem verdammt noch mal fixen musste". Solche Gründer lösen ihr eigenes Problem, wobei sie die höchst möglichen Ansprüche an sich und die Lösung stellen. Als Abfallprodukt sozusagen schaffen sie dabei ungeheuren Mehrwert für viele Menschen.

LEAD: Die Idee ist gefunden - nun geht es ans Gründen: Was sind die wichtigsten drei Dinge, die ein Unternehmer braucht, um sein Start-up aufzubauen?

Eberl: Entgegen der landläufigen Meinung, dass ein gutes Team, eine solide Finanzierung und ein schlagkräftiges Sales das Wichtigste sind, sind aus meiner Sicht andere Dinge relevanter. Dazu zählt, dass man wie oben schon geschildert, seine eigene Zielgruppe kennt und sogar selbst Teil von ihr ist. Dann weiß man sehr genau, wie das Produkt auszusehen hat. Team und Investoren kommen bei einer stringenten Story von allein.

Zu Anfang ist eine hohe Summe über Venture Capital nicht unbedingt nötig. Für fast alle Geschäftsmodelle reicht es, wenn man 25.000 Euro anspart, um eine GmbH zu gründen, und damit genug Geld auf der Seite hat, um Mitarbeiter für die Anfangszeit verfügbar zu haben und sich über Wasser zu halten.

"Durch Übung und Ausprobieren lernt man überhaupt, worauf es ankommt."

LEAD: Wieviel braucht man dafür ungefähr?

Eberl: Jeder Gründer hat ein eigenes Sicherheitsbedürfnis. Wer sich zum Beispiel nur gut fühlt, wenn er ohne Einkünfte aus der Gründung für zwölf Monate sicher seinen Lebensunterhalt von zirka 2000 Euro netto für Miete und Sonstiges bestreiten kann, der braucht zusätzlich zwölf Mal 2000 Euro, also 24.000 Euro.

Wer das Geld nicht hat, der kann auch einem Halbtagsjob nachgehen und darüber die monatlichen Nettokosten decken. Als Unternehmer, der Produkte baut, die eher Geld verschlingen, dauert es oft mehrere Jahre, bis überhaupt signifikant Geld verdient werden kann, um davon zu leben. Rücklagen sind daher das A&O.

LEAD: Wie findet man heraus, ob ein Gründer in einem steckt?

Eberl: Entweder man fühlt es in sich, oder kennt Vorbilder im nahen Umfeld, die einen inspirieren und auch wissen lassen, was Unternehmertum bedeutet. Zum Beispiel die Eltern oder der Opa, der ein eigenes Business hatte. Wer das nicht hat, sollte sich mit Leuten umgeben, die selbst gegründet haben und von denen er lernen kann. Letztlich hilft nur, es auszuprobieren, ob ein Start-up etwas für einen ist: Je früher, desto besser.

LEAD: Trotzdem eine schwere Entscheidung...

Eberl: Wenn man nicht ins Handeln kommt, weil man so viele Optionen hat und sich nicht entscheiden kann oder sich zum Beispiel zwischen einer Festanstellung und einer Gründung hin- und hergerissen fühlt, demjenigen empfehle ich methodisch vorzugehen. Entweder über ein persönliches Coaching mit einem Unternehmer. Oder über die systemtheoretische Methode der Kübernetik.

Ein Modell, das ich aus dem Grund entwickelt habe, da paradoxerweise viele Optionen einen lähmen können, etwas zu starten. Das "ü" steht dabei fürs Üben. In der Kübernetik wie auch beim Gründen ist das Wichtigste, nicht länger zu zögern, sondern ins Handeln zu kommen. Durch Übung und Ausprobieren lernt man dann überhaupt, worauf es ankommt. Das ist im Vorfeld nicht möglich zu antizipieren.

Auch interessant: Gründer dringend gesucht - Warum fehlen Start-ups im Osten?

"Die meisten Gründer, wie ich auch, belügen sich selbst, wenn sie ein Produkt starten und dann meinen, sie selbst wären sehr gute Kunden ihres eigenen Produkts." Chris Eberl

LEAD: Nach Kontextr gründest du nun mit Abilitools dein zweites Unternehmen. Was hast du aus der ersten Gründung gelernt, was du bei der zweiten nun anders machen willst?

Eberl: Mit Kontextr habe ich ein Unternehmen gegründet, das eine Lösung für Verlage bietet und kontextbezogene Links in ihre Webseite integriert. Doch obwohl ich als Angestellter bei Microsoft die Verlagskunden betreute, kannte ich meine Zielgruppe nicht gut genug. Hinzu kommt, dass die Verlage Innovationen aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation nicht sehr offen gegenüber stehen und auch immer weniger Geld zur Verfügung haben. Daher würde ich nur noch gründen, wo ich selbst der beste Kunde bin.

Die meisten Gründer, wie ich auch, belügen sich selbst, wenn sie ein Produkt starten und dann meinen, sie selbst wären sehr gute Kunden ihres eigenen Produkts. Hier kommt der Bias ins Spiel, dass man meist das liebt, wofür man viel Zeit aufwendet. Das heißt, wenn einem das Start-up viel Zeit kostet, meint man, das Produkt auch zu lieben und wäre selbst ein guter Kunde bzw. Nutzer. Aber das ist Fake: Nur das, wonach man vorher schon vergeblich gesucht hat und das man nun selbst umsetzt, hat die höhere Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein.

LEAD: Wie ist das bei Abilitools - bist du hier wirklich dein bester Kunde?

Eberl: Dafür steht mir ein Kernteam zur Seite. Gemeinsam entwickeln wir nur Software, die mindestens einer im Team unbedingt braucht und bisher nur Workarounds angewandt hat, um sein anstrengendes Problem zu umgehen. Da Abilitools für digitale Barrierefreiheit steht, sind hier die ersten Produkte in Umsetzung, die es Online-Usern erlauben, online Content besser zu lesen.

Als jemand, der mehrere hundert Artikel pro Woche digital liest, bin ich hier, neben Silver Surfern und Blinden, mein erster bester User. Und wenn außer mir wirklich niemand unsere Tools nutzt, so war es dennoch ein Erfolg, da es wenigstens mein Problem löst. Die Erfahrung zeigt, dass es mehr Menschen wie einen gibt, die dankbar für die Lösung ihres Problems sind. Dann hat man glückliche treue Kunden und im Idealfall ein Geschäftsmodell.

Lead Rep 1 19 Ctab 1200X1200
Kompaktes SEO-Wissen für Einsteiger & Profis

Im LEAD Report „Workbook SEM/SEO“ lernst du alle grundlegenden Begriffe und Werkzeuge kennen, um erst mal loszulegen, um dann deine bestehenden Maßnahmen gründlich zu durchleuchten und um schließlich mit Dienstleistern auf Augenhöhe zu sprechen. Damit dir so schnell keiner mehr was vormachen kann!

Anzeige
Anzeige
Verlagsangebot
Anzeige
Anzeige
Aktuelle Stellenangebote
Alle Stellenangebote