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Google-CEO Sundar Pichai muss sich vor dem US-Kongress rechtfertigen (Foto: © Getty Images)
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Google-CEO Sundar Pichai: Die Wahrheit zwischen den Zeilen

Sexuelle Übergriffe, Datenmissbrauch und eine Zusammenarbeit mit dem kommunistischen Regime Chinas: Google-CEO Sundar Pichai musste sich in einer Anhörung kritischen Fragen von Abgeordneten stellen. Diese bezogen sich allerdings hauptsächlich auf negative Suchergebnisse zu Donald Trump.

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Spätestens seit Google den Satz „Don’t be evil“ aus dem Firmenmanifest strich, wurden die kritischen Vorhaben des Tech-Giganten immer deutlicher. Im August wurde bekannt, dass Google an einer zensierten Suchmaschine für China arbeitet.

Am 1. November trieb die 90-Millionen-Abfindung für Andy Rubin trotz sexueller Belästigung rund 20.000 Mitarbeiter weltweit auf die Straße. Und dem im Oktober veröffentlichen Daten-Hack bei Google+ folgte jetzt ein deutlich Größerer, der ebenfalls verspätet diesen Montag öffentlich gemacht wurde.

Pichai als SEO-Erklärbär

Bereits im September lud der US-Justizausschuss zur Anhörung. Die CEOs von Facebook und Twitter folgten ihr, Google lehnte ab. Bevor die Kontrolle im Repräsentantenhaus in Folge der jüngsten Wahlen zu den Demokraten wandert, zitierten die in der Mehrheit republikanischen Abgeordneten endlich den Google-CEO Sundar Pichai in den US-Kongress. Sie vermuten, dass Google die Suchergebnisse zum Vorteil der Demokraten beeinflusst.

Vor allem der Mehrheitsführer Kevin McCarthy und der Vorsitzende Bob Goodlatte sind skeptisch. Goodlatte sagte in einer Ankündigung: „Die Technologie hinter solchen Online-Services wie Social Media und Suchmaschinen kann genutzt werden, um bestimmte Perspektiven zu unterdrücken und die öffentliche Meinung zu manipulieren.“

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Darauf antwortete Google-CEO Pichai: „Ich führe diese Firma ohne politische Voreingenommenheit und arbeite daran, zu gewährleisten, dass unsere Produkte weiterhin so funktionieren. Alles andere würde gegen unsere Grundprinzipien und unsere wirtschaftlichen Interessen verstoßen.“ Ähnlich wie bei der Anhörung des Facebook-CEOs Mark Zuckerberg verbrachte der Google-Chef einige Zeit damit, zu erklären, wie SEO und der Google-Algorithmus funktionieren. Dass dieser vorurteilsfreie Ergebnisse liefert, sei von einer unabhängigen Studie geprüft worden.

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Nach einer ausführlichen Erklärung, warum bei der Suchanfrage des Stichworts „Idiot“ Bilder von Donald Trump erscheinen, gibt die demokratische Abgeordnete Zoe Lofgren zu: „Es ist offensichtlich, dass eine Voreingenommenheit gegen konservative Stimmen nicht zu den Problemen Googles gehört.“ Demokrat Ted Lieu wird noch deutlicher: „Wenn Abgeordnete mehr positive Suchergebnisse sehen wollen, müssen sie mehr positive Dinge tun.“

Mitarbeiter-Proteste gegen sexuelle Übergriffe und China-Pläne

Google-CEO Pichai betonte, dass in seiner Firma freie Meinungsäußerung gelte: „Wir sind eine Firma, die Plattformen für diverse Perspektiven und Meinungen bietet – und wir haben keinen Mangel daran unter unseren eigenen Mitarbeitern.“

Die Meinungsstärke seiner Mitarbeiter bekommt Pichai immer deutlicher zu spüren. 20.000 Mitarbeiter weltweit protestierten am 1. November gegen die 90-Millionen-Abfindung von Android-Erfinder Andy Rubin, der gehen musste, weil er eine Mitarbeiterin zum Oralsex zwang. Schon jahrelang duldete das Unternehmen Affären am Arbeitsplatz, meist mit der Konsequenz, dass die weibliche Beteiligte ihren Posten aufgeben musste.

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Seit den Protesten versprach Google, bessere Feedback-Prozesse einzuführen, sodass sich Mitarbeiterinnen sicher fühlen, über sexuelle Übergriffe zu sprechen. Dass Diversität und damit faire Behandlung nicht bis in alle Hierarchiestufen durchgedrungen sind, zeigt auch der Google-eigene Diversitäts-Bericht. In der Kongress-Anhörung befragte die Abgeordnete Pramila Jayapal den CEO zur Diskriminierung der Mitarbeiter. Pichai sagte dazu nur vage, dass „wir uns definitiv damit weiter beschäftigen werden“.

Dass sich Google zwischenzeitlich auch mit einer zensierten Suchmaschine für China beschäftigte, gab Pichai zwar zu, allerdings behauptete er, daran aktuell nicht mehr zu arbeiten. „Project Dragonfly“ ist der nicht mehr allzu geheime Deckname für die China-Suchmaschine. Wer sie benutzt, wird keine Ergebnisse zu den Themen Menschenrechte, Demokratie, Religion und friedlichen Protest finden. Google dementierte 2010 erste Gerüchte zu der Zusammenarbeit mit dem kommunistischen Regime.

Jetzt wurden Details bekannt, die suggerieren, dass die chinesische Regierung Zugang zu den Suchanfragen der Bürger haben könnte. In der Anhörung am Dienstag behauptete Pichai wieder, Google habe „keine Pläne, in China zu starten“. Google-interne Proteste gegen das Projekt könnten also Wirkung gezeigt haben. Sollte es Pläne für eine chinesische Suchmaschine geben, werde sich die Firma mit Politikern dazu beraten, behauptete Pichai.

Wie evil Google wirklich ist, steht zwischen den Zeilen

Auch in anderen Ländern scheinen die Daten, die Google sammelt, nicht ganz sicher zu sein. Ein Grund für das Einstampfen der Social-Plattform Google+ war das Bekanntwerden eines Hacks, der 500.000 Accounts betraf. Diesen Montag gab Pichai zu, dass es zusätzlich einen Daten-Klau bei 52,5 Millionen Accounts gab.

In der Senats-Anhörung meinte Pichai, dass Google die Verantwortung habe, solche Bugs den Usern innerhalb von 72 Stunden mitzuteilen. Den ersten Google+ Bug hatte die Firma allerdings erst nach sieben Monaten zugegeben, den aktuellsten jetzt nach drei Wochen.

Insgesamt erinnerte die Anhörung stark an Angela Merkels Statement diese Woche, das Internet sei immer noch „eine Sphäre, in der wir uns nicht so gut auskennen“. So scheint es auch einigen US-Abgeordneten zu gehen. Zu leicht fällt es dem Google-CEO, vage Ausflüchte zu finden und die Zeit als SEO-Erklärbär verstreichen zu lassen. Wie evil Google wirklich ist, steht zwischen den Zeilen.

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