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Millennials wollen Flexibilität, Selbstverwirklichung und Freiheit (Foto: Stock Adobe)
New Work Unternehmenskultur Jobs

Gig-Economy: Eine Lösung für Deutschlands Fachkräftemangel?

Laut dem Basler Forschungsinstitut Prognos werden bis 2030 in Deutschland bis zu drei Millionen Fachkräfte fehlen - eine Lücke die Entscheider zwingen wird, neue Wege zu gehen. Einer dieser Wege ist die Gig-Economy, glaubt Andres Schabelman, Vice President Global Expansion von Fiverr.

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Die derzeitige Fachkräftekrise wird durch zwei entgegengesetzt wirkende Kräfter angeheizt. Die zunehmende Überalterung unserer Gesellschaft und die voranschreitende Digitalisierung. Für sich allein stellen beide bereits eine Herausforderung für Unternehmen dar. Zusammen genommen bedeuten sie jedoch die radikalste Veränderung von Arbeit seit Beginn der Industrialisierung.

Die Krise lässt sich leicht erklären. Auf der einen Seite steht der demografische Wandel - für den der Begriff “demografischer Verfall” weitaus passender wäre. Die Bertelsmann Stiftung prognostiziert, dass er bis 2060 in Deutschland ein Drittel der derzeitigen Fachkräfte vom Arbeitsmarkt fegen wird. Ältere Generationen ziehen sich in den Ruhestand zurück und hinterlassen Lücken, die die Jungen niemals auffüllen können.

Der Hunger nach geeignetem Personal lässt sich immer schwerer stillen

Dem gegenüber stehen Unternehmen, die von Jahr zu Jahr neue Stellen schaffen müssen. Denn Digitalisierung und Wettbewerbsdruck verlangen stetig neue Produkte, Prozesse oder Vertriebswege, die sich ohne zusätzliche Mitarbeiter nicht umsetzen lassen. Der Hunger nach geeignetem Personal lässt sich immer schwerer stillen, wie eine Studie der ManPower Group zeigt. Über alle Branchen und Größen hinweg berichten 51 Prozent der deutschen Unternehmen, dass sie derzeit Schwierigkeiten haben, offene Stellen mit geeignetem Personal zu besetzen. Damit liegen sie leicht über dem weltweiten Durchschnitt von 45 Prozent.

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Als Hauptgründe nennen 34 Prozent der Entscheider in deutschen Unternehmen das generelle Ausbleiben von Bewerbungen. 27 Prozent geben als Grund den Mangel notwendiger Fähigkeiten bei Bewerbern an. Zusammengefasst: Unternehmen erhalten zu wenige Bewerbungen und die wenigen, die sie bekommen, sind auch noch schlecht.

Die derzeitige Situation aber allein mit gesellschaftlichen und technologischen Umbrüchen zu erklären, wäre zu kurz gedacht. Denn die Ansprüche der nachwachsenden Generation an Arbeit befinden sich ebenfalls im Umbruch. Zum Leidwesen frustrierter Personaler, die kaum noch in der Lage sind, junge Menschen für das eigene Unternehmen zu begeistern. Frühere Generationen ließen sich durch Einkommen, Sicherheit und Prestige motivieren.

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Millennials - die Generation geboren zwischen 1980 und 2000 - erwarten jedoch weitaus mehr von Arbeit. Karriere und Geld spielen für sie ebenfalls eine Rolle, aber keine allzu große. In ihrer “World of Work”-Studie hat die Jobbörse Monster herausgefunden, dass für 41 Prozent der jungen Menschen ein Job eine ausgewogene Work-Life-Balance bieten können muss. 34 Prozent von ihnen verlangen nach flexiblen Arbeitszeiten und 25 Prozent nach der Möglichkeit, regelmäßig von Zuhause aus zu arbeiten.

Millennials verlangen nach einer Form von Flexibilität, Selbstverwirklichung und Freiheit, die Unternehmen nicht bieten können. Nicht einmal, wenn sie es wollten. Schielten junge Akademiker früher noch auf begehrte Jobs in Konzernen, suchen heutige Absolventen nach Möglichkeiten, ein Leben zu ihren Bedingungen zu führen.

Ältere Generationen schütteln darüber den Kopf, doch im Gegensatz zu ihnen sind Millennials Mangelware und genießen somit ein beachtliches Mitspracherecht bei der Gestaltung ihrer Jobs. Die gesellschaftliche Überalterung und Digitalisierung zwingen uns schon heute, Arbeit umzudenken. Doch wie genau dieses Umdenken aussehen muss, wird maßgeblich von jungen Menschen und ihren Vorstellungen bestimmt.

Bis 2025 werden Millennials 75 Prozent der Arbeitnehmerschaft ausmachen und egal ob Fluch oder Segen: Sie werden die erste Generation sein, die ihre Ansprüche an Arbeit auch durchsetzen kann.

Bisherige Lösungen packen das Problem nicht an seiner Wurzel

Die Fachkräftekrise sorgt bei Unternehmen für Migräne und die schlechte Nachricht ist: Ihre derzeitigen Lösungen sind im besten Fall eine halbe Tablette Paracetamol. Insbesondere große Unternehmen begegnen dem derzeitigen Problem damit, Mitarbeiter intern weiterzubilden. Statt neue Führungskräfte auf dem freien Markt zu finden, werden sie aus den eigenen Reihen rekrutiert. Auf den ersten Blick eine gute Idee, auf dem zweiten fällt jedoch die nun unbesetzte Lücke auf, die der aufsteigende Mitarbeiter hinterlässt.

Weiterhin investieren Unternehmen immer stärker in das Klima ihrer Arbeitsplätze. Bewerber finden heute kaum noch Stellenanzeigen ohne die Versprechung von kostenlosen Getränken, Obst, Teamevents, moderner Soft- und Hardware und ausgefallenen Büros. Natürlich schadet es nicht, als cooler Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, doch am Ende des Tages wird das nicht reichen.

Für Millennials ist eine angenehmen Arbeitsatmosphäre kein nettes Extra mehr, sondern Grundvoraussetzung. Ob sie einen Job annehmen, hängt vielmehr davon ab, ob ein Arbeitsplatz ihnen Flexibilität, Selbstbestimmung und Verwirklichung bieten kann. Und immer öfter kann er das nicht.

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Immer häufiger schlagen Millennials also den Weg in die Selbstständigkeit ein. Sie realisieren, dass der einzige Job, bei dem ihre Ansprüche erfüllt werden, der ist, den sie selbst erschaffen. Statt sich fest anstellen zu lassen, beginnen sie zunehmend, ihre Arbeitsleistung als Freelancer an den Meistbietenden und Meist-Sinnstiftenden zu verkaufen.

Sie tauschen ein geregeltes Einkommen und Sicherheit gegen die Freiheit, das zu tun, worauf sie Lust haben. Eine Taktik, die mit zunehmendem Nachfrageüberschuss nach qualifizierter Arbeit immer rentabler wird.

Unternehmen glauben derzeit noch, dass ihre Herausforderungen sind, attraktiver für junge Menschen zu werden und mehr geeignete Bewerber für offene Stellen zu finden. Was sie dabei übersehen, ist, dass ihnen weder das eine noch das andere gelingen kann. Was ihnen jedoch gelingen kann, ist Arbeit in einer Art und Weise neu zu denken, die ihnen erlaubt, trotz Mangel an qualifizierten Bewerbern weiterhin wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben. Und das kann nur gelingen, wenn sie Arbeit neu denken.

Wir müssen Arbeit neu denken

Mutige Entscheider tun das bereits heute. Statt um die wenigen verfügbaren Talente auf dem freien Arbeitsmarkt zu kämpfen - eine zeit- und kostenintensive Strategie - denken sie Arbeit anders. Sie versuchen nicht mehr, Menschen zu binden, die die anfallende Arbeit erledigen können, sondern brechen diese in Projekte und Aufgabenpakete auf und verteilen diese an hochqualifizierte Freelancer in der sogenannten Gig Economy.

Ein Job wird nicht mehr als eine Stelle verstanden, auf die ein qualifizierter Bewerber passt, sondern als Gigs, eine Ansammlung von Arbeitspaketen, die erledigt werden müssen.

Das mag ungewöhnlich klingen, verbinden viele Menschen die “Gig-Economy” hauptsächlich mit Negativschlagzeilen über die prekären und schlecht bezahlten Arbeitssituationen von Foodora- oder Uber-Fahrern. Was bislang aber noch weitestgehend unbeachtet geblieben ist, ist folgende Erkenntnis der Boston Consulting Group: 50 Prozent der Gig-Economy besteht aus hochqualifizierten Freelancern, die diese neue Form der Arbeit nutzen, um ihre eigenen Wünsche und Ansprüche an Arbeit zu verwirklichen. Tendenz steigend.

Und das haben auch Unternehmen erkannt. Immer mehr Entscheider vertrauen wichtige Projekte aus allen Fachbereichen Freelancern auf Marktplätzen an. Statt darauf zu warten, bis eine Stelle besetzt wurde, geben sie ihre Aufgaben an die Freelancer auf den Marktplätzen und erhalten im Gegenzug fertig realisierte Projekte.

Diese neue Form ermöglicht es Unternehmen nicht nur, Dienst nach Vorschrift zu erledigen. Durch die Dezentralisierung von Arbeit erhalten sie auch Zugang zu Talenten, die für eine Festanstellung unerreichbar oder unerschwinglich sind.

Der Paradigmenwechsel hat begonnen

In den kommenden zehn Jahren werden wir massive Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt beobachten. Und wie bei allen großen Umwälzungen wird es am Ende Gewinner und Verlierer geben.

Mark Aurel hat in seinen berühmten Selbstbetrachtungen beschrieben, dass das, was im Weg steht, schlussendlich der Weg sein wird. Jedes Hindernis und jede Krise birgt in sich die Möglichkeit, neue Wege einzuschlagen. Doch werden Entscheider mutig genug sein, diesen unbekannten Weg zu gehen?

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Über den Autor: Andres Schabelman ist Vice President Global Expansion von Fiverr, einem Marktplatz für digitale Freelancer-Services mit 11 Millionen Nutzern. Er etabliert Fiverr mit lokalen Communities und Freelancern in Märkten auf der ganzen Welt. Zuvor arbeitete Andres für Google und leitete als einer der ersten 30 Angestellten die internationale Expansion von Airbnb und leitete die Büros in Los Angeles und New York.

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