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Andrea Buzzi Lead Digital Kolumne Virtuelle Assistenten
LEAD-Kolumnistin Andrea Buzzi mit Fidan Güntürkün, die als virtuelle Assistentin arbeitet. (Bild: Andrea Buzzi)
New Work Kolumne Sprachassistenten

Gestatten, ich bin deine virtuelle Assistentin!

Alexa, Siri oder Cortana - an virtuelle Assistentinnen aus Bits und Bytes sind wir langsam gewöhnt. Doch nicht immer liefern sie uns den gewünschten Service und besonders gut ausgebildet sind sie auch nicht. Ganz anders ist das bei echten virtuellen Assistenten, einem neuen Berufsbild, das sich im Zuge von New Work herausbildet. LEAD-Kolumnistin Andrea Buzzi hat eine getroffen.

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Ich traf mich auf Bali mit Fidan Güntürkün. Die 33-jährige Deutsche mit türkischen Wurzeln ist seit Januar 2017 offiziell als virtuelle Assistentin (VA) tätig und reist dabei um die Welt.

Fidan sitzt mir in Top und Shorts gegenüber. Das ist aber auch schon das einzig Legère an ihr. Ich bin erneut überrascht, wie fokussiert und klar die Menschen sind, die ich auf Bali treffe. Jeder scheint genau zu wissen, was er will und was nicht. Fidan freut sich über mein Kompliment und übernimmt gleich mal das Gespräch: "2013 wollte ich mein Leben verändern. Als Notarfachangestellte in Stuttgart spürte ich täglich meinen Alltagstrott. Will ich das wirklich noch 30 Jahre machen, fragte ich mich?" Nein, waren sich Fidan und ihr Freund Benjamin einig. Und packten erstmal für acht Monate ihre Koffer. "Das war eine längere Diskussion in meiner Firma, als ich um ein Sabbatical bat. Meine Chefs zeigten sich wenig begeistert über mein Ansinnen. Dann würde das jeder machen wollen, meinten sie. Aber nach ein bisschen Überzeugungsarbeit ging es dann doch."

Am Anfang stand das Sabbatical

Was dann folgte waren wunderschöne Monate in Australien. Mit Housesitting finanzierten die beiden ihre Reiselust, die auch nach den acht Monaten nicht enden sollte. "Erst hatten wir, wie viele Nomaden die Idee, mit einem eigenen Blog Geld zu verdienen." Dabei entstand das deutsche Housesitting-Blog www.besser-als-daheim.de. Dann kam die Idee mit der virtuellen Assistenz. "Mir wurde klar, dass sich viele meiner Tätigkeiten im Notariat mit einem Computer von überall aus erledigen lassen." Ihre ersten Kunden hat sie sich über Facebook-Gruppen für digitale Nomaden und spezielle deutschsprachige Jobplattformen wie www.dnx-jobs.de oder www.my-vpa.com gesucht. Inzwischen sind es bis zu 20 deutsche Unternehmen und Freelancer, die sie unterstützt.

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Zu ihren typischen Kunden gehören Einzelunternehmer, Online-Coaches, Websitebetreiber und Startups. Für diese erledigt sie auf Projektbasis klassische Backoffice-Aufgaben, macht die Korrespondenz, bucht Reisen und unterstützt bei der Content-Erstellung. 15 bis 65 Euro verlangt sie dafür pro Stunde, je nach Aufwand. Viele Dinge hat sie sich selbst beigebracht, wie etwa Social-Media-Marketing oder das Bloggen. "Was ich in meiner Zeit als virtuelle Assistentin schon gelernt habe, hätte ich in drei Arbeitsleben als Notarfachangestellte nicht gelernt."

Am Mittag wird gechillt

Fidan bestätigt mich in meiner Wahrnehmung, dass auf Bali wirklich was geschafft wird. "Daheim ist man ziemlich abgelenkt von den ganzen Alltagsdingen. Hier habe ich nichts anderes zu tun, als mich auf mein Business zu konzentrieren." Das macht sie täglich drei bis sechs Stunden und teilt sich den Tag so ein, dass sie morgens einen großen Schwung ihrer Aufgaben vorbereitet oder abschließt, eventuell noch Rückfragen nach Deutschland mailt und mittags eine Chill-Runde einlegt. Abends nimmt sie dann wieder Kontakt mit Deutschland auf, gern auch per Zoom-Videokonferenz. Die Auftragslage ist sehr gut: "Bald brauche ich selbst eine VA", scherzt Fidan.

Wir sprechen auch darüber, was nicht so paradiesisch ist im Paradies. "Die Zeitverschiebung ist schon eine enorme Herausforderung, Rückfragen müssen warten, bis die Deutschen wach sind." Auch die Arbeitsplatzgestaltung ist für Fidan ein Thema. "Wer den ganzen Tag auf einem Kaffeehaus-Stuhl vor seinem Laptop sitzt, bekommt Rückenschmerzen. Wenn ich Fotos von digitalen Nomaden sehe, die mit dem Laptop am Pool sitzen, muss ich schon lachen. Das ist Instagram, aber in der Praxis nicht realistisch. Man sieht nichts in der Sonne."

"Von flexiblen Arbeitsmodellen sind wir noch weit entfernt"

Auf Bali gibt es auch immer wieder Stromausfall, dann ist nix mit Internet. Aber alles nicht so schlimm wie in Stuttgart, erzählt sie mir. "Bei einer Stippvisite in der Heimat bin ich zwei Stunden rumgelaufen und habe kein Café mit Free-Wifi zum Arbeiten gefunden. Schließlich bin ich in die Landesbibliothek gegangen und habe mir dort einen Tagespass geholt. Von flexiblen Arbeitsmodellen sind wir in Deutschland allein technisch noch weit entfernt."

Hier auf Bali will Fidan in Kürze einen Stammtisch für weibliche VAs zum Erfahrungsaustausch organisieren. Denn es gibt viel zu besprechen. Wie machen die anderen das mit der Steuer und Versicherung? Muss man als VA ein Gewerbe anmelden? Braucht man einen Wohnsitz in Deutschland? Viele Fragen, zu denen es nicht immer rechtssichere Antworten, aber viel Erfahrung gibt.   

"Da entsteht ein völlig neues Berufsbild", bestätigt mir Fidan. Die Konkurrenz nehme täglich zu. Ebenso wie die Nachfrage.

Heute zählt übrigens auch ihr ehemaliger Arbeitgeber zu ihren Kunden. Das glaube ich sofort, wenn ich Fidan reden höre. Im Stillen mache ich mir schon mal eine Liste von Aufträgen und habe plötzlich gar keine Bedenken mehr, Arbeit ans andere Ende der Welt auszulagern. Im Gegenteil!

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