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(Bild: Colin Anderson/Getty Images)
Startup Innovation 2021

Frischer Wind für deutsche Start-ups

In Deutschland ist die Gründung eines Start-ups besonders umständlich und mit viel Bürokratie verbunden. Seit Jahren kündigt die Politik in ihren Koalitionsverträgen an, Gründer mehr unterstützen zu wollen. Laut dem Start-up-Barometer von Ernst & Young steht es nun besser um die kleinen Firmen.

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Gründer und ihre Start-ups sollen es einfacher haben in Deutschland, verspricht die Politik in ihrem Koalitionsvertrag. Die Bilanz aus dem Start-up-Barometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) bestätigt: Es hat sich tatsächlich etwas getan.

Deutsche Start-ups konnten im ersten Halbjahr 2018 insgesamt 2,4 Milliarden Euro von Investoren einsammeln – das waren sieben Prozent weniger als im Vorjahr, als vor allem der Börsengang von Delivery Hero für einen Rekord gesorgt hatte. Das Transaktionsvolumen reiner Risikokapitalinvestitionen – ohne Berücksichtigung von Börsengängen – stieg im ersten Halbjahr hingegen um 3,5 Prozent auf den neuen Höchststand von 2,2 Milliarden Euro. Bei der Zahl der Investitionen gab es mit insgesamt 272 Transaktionen – drei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum – einen neuen Rekord.

EY berücksichtigte Unternehmen, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt. Neben klassischen Risikokapitalinvestitionen werden für die Studie auch Mittelzuflüsse aus Börsengängen und ICOs (Initial Coin Offerings) berücksichtigt.

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Initial Coin Offerings tragen 250 Millionen Euro bei

Erstmals sind in diesem Jahr ICOs signifikant als neue Finanzierungsform in Erscheinung getreten – trotz starker Kritik von vielen Seiten. Insgesamt nahmen deutsche Start-ups im ersten Halbjahr bei 13 ICOs insgesamt 250 Millionen Euro ein. Im Vorjahr war nur eine derartige Transaktion gezählt worden, die elf Millionen Euro einbrachte.

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Ergebnis aus dem Start-up-Barometer von Ernst & Young (Bild: Ernst & Young)

Ob diese Finanzierungsform allerdings weiter an Bedeutung gewinnen wird, bleibt abzuwarten."Nach dem Hype im ersten Halbjahr und negativer Publicity aufgrund fehlender Regulierungen ist es aktuell wieder etwas schwieriger für Start-ups, sich über ICOs zu finanzieren", sagt Peter Lennartz, Partner bei EY. "Allerdings beschäftigen sich inzwischen auch Konzerne, Investitionsbanken und die Regulatoren mit dieser Finanzierungsform und den damit zusammenhängenden Geschäftsmodellen, die auf der Blockchain-Technologie basieren, so dass hier durchaus ein großes Wachstumspotenzial besteht."

Die Start-up-Städte in Deutschland

Berlin ist und bleibt die Start-up-Hauptstadt und der internationale Leuchtturm Deutschlands – aber gerade Bayern, Nordrhein-Westfalen und auch Hessen haben im ersten Halbjahr aufgeholt. "In Berlin hat sich in den vergangenen Jahren das wichtigste und größte Ökosystem für Start-ups etabliert – hier stimmen die Rahmenbedingungen auch im internationalen Vergleich, ausländische Investoren haben Berlin längst auf dem Schirm", beobachtet Lennartz. "Berlin ist zudem ein Labor für Experimente und schnelle Entwicklungen – daher hat sich die Stadt in den Jahren 2017 und 2018 im Bereich Kryptowährungen und ICOs zum erfolgreichsten Standort in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa entwickelt."

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(Bild: Ernst & Young)

Andere Start-up Ökosysteme in Deutschland haben es dagegen grundsätzlich schwerer. Die aktuellen Entwicklungen zeigen aber, dass die Spezialisierung auf bestimmte Schwerpunkte, die intensive Zusammenarbeit zwischen Universitäten, Forschungseinrichtungen, etablierten Konzernen und Start-ups sowie die regionale Förderung durch die Politik zu bemerkenswerten und für die Zukunft hoffnungsvoll stimmenden Erfolgen führen."

E-Commerce-Unternehmen erhalten weiterhin das höchste Investitionsvolumen

Das meiste Geld floss im ersten Halbjahr 2018 erneut in E-Commerce-Unternehmen. Insgesamt kamen die Start-ups aus diesem Bereich auf 975 Millionen Euro – nach knapp 1,4 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Gestiegen sind hingegen erneut die Investitionen in FinTech-Unternehmen: von 332 auf 396 Millionen Euro. Ebenfalls deutlich zugelegt haben die Investitionen in den Bereichen Software und Analytics – von 207 auf 386 Millionen Euro – und Mobility – von 62 auf 150 Millionen Euro.

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(Bild: Ernst & Young)

"Das meiste Geld wird nach wie vor im Bereich E-Commerce bewegt – hier werden hohe Investitionen für den Aufbau von Strukturen und Marketing benötigt. Insbesondere ausländische Investoren versprechen sich in diesem Segment die größten Marktchancen bei begrenztem Risiko", sagt Lennartz. "Innovativere und stärker technologiegetriebene Segmente haben es zwar traditionell schwerer – aber auch hier haben wir zuletzt sehr ermutigende Signale gesehen. Insbesondere Investitionen in Start-ups mit innovativen Geschäftsideen im Bereich Data Analytics, Software as a Service, Künstliche Intelligenz, Blockchain oder Cyber Security ziehen wesentlich mehr Investoren als früher an, was für den Standort Deutschland nur positiv sein kann."

Die größten fünf Transaktionen im bisherigen Jahresverlauf betrafen durchweg Berliner Start-ups im Bereich E-Commerce und FinTech. Im Januar sammelte die Gebrauchtwagen-Plattform Auto1 460 Millionen Euro ein. Im Juni flossen dem Möbel-Versender Home24 bei seinem Börsengang 172 Millionen Euro zu, im März konnte das Banken-Start-up N26 132 Millionen Euro einwerben.

Verbesserung der Rahmenbedingungen für Start-ups nötig

Nach Lennartz‘ Einschätzung bedarf es nicht nur einer stärkeren Finanzierungsaktivität gerade im Bereich kleiner und mittlerer Finanzierungsrunden. Auch die vom Staat gesetzten Rahmenbedingungen hätten sich zuletzt nicht gerade positiv entwickelt, obwohl einige Defizite schon lange bekannt seien: "Bessere Abschreibungsmöglichkeiten für Investitionen in Start-ups würden die Attraktivität von Start-ups erhöhen. In Großbritannien gibt es Steuerförderungen für Investoren – diese bekommen 20 Prozent der Investitionen in Start-ups auf die Steuern gutgeschrieben." Der Staat könnte zudem Vorschriften in Bezug auf Arbeitserlaubnis und Visa für internationale Talente vereinfachen, so Lennartz. "Zudem binden bürokratische Vorschriften wie Mindestlohn oder Datenschutz-Grundverordnung enorme Kräfte bei den jungen Unternehmen, die sich eigentlich ganz auf ihre Gründung konzentrieren wollen und sollen."

Ganz zentral seien zudem bessere Datennetze: "Wir müssen die digitale Infrastruktur in Deutschland ausbauen. Sie ist die Basis dafür, dass digitale Geschäftsmodelle überhaupt in der Praxis funktionieren können. Da hinkt Deutschland anderen Staaten hinterher", sagt Lennartz.

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