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Aya Jaff
Im Interview verrät Aya Jaff, warum sie die Führungsrolle in ihrem Start-up abgegeben hat und warum ihre Zukunft an der Klimakatastrophe hängt. (Bild: Aya Jaff)
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Forbes "30 under 30": Programmiererin Aya Jaff im Interview

Mit 23 Jahren wurde die Programmiererin Aya Jaff von der Forbes ins Ranking "30 under 30" aufgenommen, steht kurz vor ihrem Doppel-Bachelor-Abschluss und bringt im kommenden Jahr ihr Buch "Moneymakers" über das richtige Investieren an der Börse heraus.

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LEAD: Wer dir eine E-Mail schreibt, bekommt eine automatisierte Antwort, die ihn davor warnt, dass du sie wegen deines begrenzten Zeitbudgets eventuell nicht beantwortest. Was hält dich gerade am meisten auf Trab?

Aya Jaff: Ich bin gerade in der Prüfungsphase für meinen Doppel-Bachelor in Sinologie und Ökonomie, deshalb bin ich jeden Tag in der Uni und oder lerne für die Prüfungen. Danach kehrt wieder Alltag ein und ich kümmere mich um die Finalisierung meines Buches "Moneymakers". Daneben bin ich auch beim Young Entrepreneurs' Program dabei. Das ist ein Mini-Programm mit Mentoren, bei dem man überlegen kann, was die nächsten Schritte im Leben sind. Ich habe Lust, ein anderes Projekt zu beginnen und ein Start-up aufzuziehen, wobei es noch gilt, die Richtung herauszufinden.

LEAD: Ungefähr ein Jahr nach der Gründung bist du gerade erst aus deinem Start-up Codesign Factory ausgestiegen, das Unternehmen mit einem Beraterteam bei der Digitalisierung unterstützen wollte. Wie ist es dazu gekommen?

Aya: Ausgestiegen ist so ein hartes Wort. Das Unternehmen hat sich einfach neu ausgerichtet. Wir sind als Digitalberatung gestartet und haben dann ziemlich schnell gesehen, dass einfach nicht viele Anfragen hereinkamen. Dafür sind die Köpfe, die wir als Berater eingesetzt haben, oft als Speaker angefragt worden. Wir sind also zu einer Speaker-Agentur geworden und da habe ich mich nicht mehr in der führenden Position gesehen. Meine Mitgründerinnen und ich sind aber weiterhin gut miteinander und ich bin auch über die Website als Speaker buchbar.

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LEAD: Woran liegt denn die Zurückhaltung der deutschen Firmen in Bezug auf die Digitalisierung, bei der sie nicht gerade als Vorreiter gelten?

Aya: Sie sind da wirklich weit hinten dran, kommen aber trotzdem nicht in die Gänge, um aktiv etwas zu verändern. Sie sind nicht bereit, größere Summen in die Hand zu nehmen und zu sagen: Ich werde jetzt ganz aktiv neue Wege erforschen. Und mich etwas trauen.

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LEAD: In welche Richtung denkst du, wenn du sagst, du möchtest wieder gründen?

Aya: Ich frage mich: Was, wenn Greta Thunberg mit allem Recht hat? Was, wenn wir den Klimawandel nicht umkehren können? Auf welche Technologien müssen wir dann setzen, wie können wir uns besser auf Naturkatastrophen einstellen? Wie müssen in der Zukunft Häuser gebaut sein? Welche Materialien müssen wir verwenden? Wie ernähren wir die Weltbevölkerung?

Im Moment versuchen wir, dieses Horrorszenario zu verhindern. Aber wir beschäftigen uns nicht damit, was wäre, wenn es eintritt. Die "Fridays for Future"-Bewegung hat wirklich beeinflusst und ich würde da gerne mitreden. Aber ich weiß noch nicht, womit genau ich den meisten Wert beitragen kann.

LEAD: Stimmt es, dass du als Jugendliche ein Poster der ehemaligen Yahoo-Chefin Marissa Mayer in deinem Zimmer hängen hattest?

Aya: Ja! Ich habe damals die „Fortune“ gelesen, in der immer Personen vorgestellt wurden und was sie geschafft haben. Einmal wurde dort Marissa Mayer porträtiert und da war dieses Foto, unter dem stand: "A young fashionable millionaire." Mit 15 dachte ich mir: "Krass, so möchte ich auch einmal beschrieben werden, meine Heldin." Ich habe das Foto ausgeschnitten und an meine Wand gehängt.

Ich hatte auch eine Schneekugel mit Bill Gates auf der einen und Warren Buffett auf der anderen Seite. Ich bin ein Mensch, den eher eine Person und ihre Biografie catcht als eine Idee und ich hatte einfach einen Zugang zu ihnen. Dass da jemand ist, der einfach macht, was er sich in den Kopf gesetzt hat, hart arbeitet und wahnsinnig selbstbewusst ist. Damit kann sich jeder Mensch identifizieren. Ich möchte auch jemand sein, der für seine eigene Vision kämpft.

LEAD: Wie weit war dann der Schritt zum Programmieren?

Aya: Nicht weit. Ich habe damals an sehr vielen Programmen und Wettbewerben teilgenommen, wo immer die Frage gestellt wurde: "Wie willst du die Welt verbessern?" Meine Ideen waren immer technischer Natur. Irgendwann habe ich mir dann gedacht: Ich muss erst einmal programmieren lernen, damit ich diese ganzen Ideen auch umsetzen kann.

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"Führe den Kampf nicht allein, sondern suche dir Mitstreiter. In deinem engeren Umfeld, über das Netzwerken oder Social Media. Suche dir Menschen, die dir helfen, an deinen Schwächen zu arbeiten."

LEAD: Dein erstes großes Ding war dann das Börsenspiel Tradity, wobei die Börse jetzt auch nicht unbedingt der Ort ist, von dem sich idealistische Jugendliche besonders angezogen fühlen.

Aya: Ich hatte am Anfang auch dieses Bild von der bösen Börse, an der nur die Skrupellosen dieser Welt aktiv sind. Aber Geld an sich ist ja nicht böse, sondern etwas Neutrales. Mit jedem Euro, den man in eine Aktie investiert, kann man ein Vote abgeben für etwas, das einem am Herzen liegt. Man kann schauen, ob der Investor nachhaltig ist und sich Aktienbündel heraussuchen von Unternehmen, die hinter etwas stehen, worin man selbst einen Sinn sieht.

Letztendlich brauchen wir die Wall Street einfach und ich habe keinen Bock auf eine Welt, die nur von Finanzhaien und Anzugträgern beherrscht wird. Darum darf man ihnen auch nicht das Traden allein überlassen.

LEAD: Du bist jetzt 23. Was war bisher die größte Herausforderung in deinem Leben?

Aya: Herauszufinden, wer ich wirklich bin, was ich will und wofür ich stehe. In der Tech-Branche ist man schnell umgeben von sehr selbstbewussten Menschen, die versuchen, einem den Ton anzugeben.

Die Challenge für mich bestand immer darin, meine eigene Stimme durchzuhören und für mich einige Fragen zu beantworten, zum Beispiel: Muss ich wirklich so ellenbogenmäßig im Business unterwegs sein und einen auf super hart machen oder kann ich das anders lösen? Muss ich wie ein Influencer alles auf Social Media übertragen oder kann ich auch ohne viele Follower als erfolgreich unter jungen Leuten gelten?

LEAD: Hattest du es als Frau schwerer?

Aya: Wenn man als einzige Frau einen Raum betritt, fällt man auf, daran habe ich mich schnell gewöhnt. Und daran, dass mich viele Leute erst einmal nicht für eine Programmiererin, sondern für eine Influencerin gehalten haben, weil ich mich modischer gekleidet habe als der Rest. Das ist aber nichts, was einen wirklich behindert.

Geholfen hat mir vor allem, dass es für Frauen so viele Stipendien gab. Ich war zum Beispiel im Silicon Valley und in Seattle. Das alles hätte ich nicht aus eigener Tasche bezahlen können und habe ich auch nur bekommen, weil ich eine Frau bin. Und oft die einzige war, die sich überhaupt beworben hat.

LEAD: Was würdest du jungen Frauen raten, die etwas Ähnliches machen wollen wie du?

Aya: Wenn man eine neue Fähigkeit wie Programmieren lernt, macht es am Anfang Spaß und wird dann zu einer Geduldsprobe, weil es dauert, bis man wirklich etwas machen kann. Mein Rat ist also: Führe den Kampf nicht allein, sondern suche dir Mitstreiter. In deinem engeren Umfeld, über das Netzwerken oder Social Media. Suche dir Menschen, die dir helfen, an deinen Schwächen zu arbeiten. Und dabei, dass du für deine Stärken gesehen wirst.

LEAD: Klischeefrage - warst du in deiner Klasse eigentlich der Nerd?

Aya: Nein, ich war wirklich ein normales Mädchen. Ich bin nur gerne etwas tiefer eingestiegen und habe nicht nach der ersten Frage aufgehört zu fragen.

Das waren so Sache wie: Wenn dieses Unternehmen mit Nestlé zusammenarbeitet, wo hat Nestlé noch seine Finger im Spiel? Möchte ich Nestlé weiter unterstützen? Wie könnte ich die denn boykottieren? Menschen, die einfach die nächste Frage stellen sind auch die, die motiviert sind, selbst zu handeln. Es geht einfach nur um Neugier.

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