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Paddy Cosgrave, Mitgründer des Web Summits, spricht auf der Main Stage des Web Summits 2018 in Lissabon (Foto: Turbine Kreuzberg Portugal)
Künstliche Intelligenz KI AI

Fluch & Segen: Was wir von künstlicher Intelligenz erwarten können

Künstliche Intelligenz ist gerade das Trendthema der Tech-Branche. Die Digitalexperten von Turbine Kreuzberg Portugal waren beim Web Summit 2018 in Lissabon und geben einen Überblick über das, was wir von der Technologie erwarten können, und was das für unsere Zukunft bedeutet.

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Technologiekonferenzen sind keine Nerd-Veranstaltungen mehr. Der Web Summit 2018, der vom 5. bis 8. November in Lissabon stattgefunden hat, dürfte auch die letzten Zweifler eines Besseren belehrt haben. Auf der Main Stage und im Rahmen von nicht weniger als 23 Fachkonferenzen traten an die rund 1.000 Redner und Rednerinnen auf und besprachen “all things tech”.

Dabei drehte sich die Techbranche inhaltlich nicht nur um sich selbst, sondern immer öfter um viel Größeres. Insbesondere am Thema künstliche Intelligenz (KI,AI) kam in diesem Jahr in Lissabon niemand vorbei. Die Digitalexperten von Turbine Kreuzberg Portugal waren vor Ort und geben einen Überblick über das, was wir von der Technologie erwarten können, und was das für unsere Zukunft bedeutet.

AI-Forschung braucht ihre Zeit

Künstliche Intelligenz ist gar nicht so neu. Das erklärte Luc Julia, CTO von Samsung Strategy und Vice President Innovation bei Samsung Electronics. Mit der Frage, wie Computer zum Denken gebracht werden können, beschäftigte man sich erstmals in den 1950er Jahren. Nur, die Ergebnisse der Forschung rund um künstliche Intelligenz machten keine nennenswerten Fortschritte.

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Julia nennt diese Zeit des Auf-der-Stelle-tretens den “AI-Winter”. Erst in den letzten sieben bis acht Jahren ist die Wissenschaft im Bereich Machine Learning & Deep Learning vorangekommen und hat uns aktuell den Hype um AI beschert. Julia fordert deshalb eine nüchterne Sicht auf die Technologie. Man solle nur versprechen, was auch realisierbar sei.

Zeitnahe Fortschritte vor allem im Bereich Vision Processing

Die meisten Fortschritte dürfen wir den Experten nach im Bereich Vision Processing erwarten. Ein hoffnungsvolles Zukunftsfeld ist hier der Gesundheitsbereich, wo AI es bald ermöglichen könnte, die Früherkennung von Krebs zu verbessern.

Speech Processing hingegen, also Sprachverarbeitung, steckt erst in den Kinderschuhen. Denn um Sprache zu verstehen, reicht es nicht, den Sinn einzelner Wörter zu kennen. Mimik und Gestik spielen eine wichtige Rolle. Aktuelle Technologien sind noch weit davon entfernt, die tatsächliche Bedeutung von ganzen Sätzen zu verstehen.

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Mensch oder Maschine

Unternehmen experimentieren mit künstlicher Intelligenz. Ob im Kundenservice oder in der Medizin, KI kann fast überall eingesetzt werden. Sollte es bei den Anwendungsgebieten Grenzen geben? Im Gegensatz zum Menschen fehlt der intelligenten Maschine nämlich eine Sache – das Gewissen. Die Diskussion um Fragen der Ethik lässt sich im LEAD Bookazine nicht vermeiden.

Autonomes Fahren noch lange keine Realität

Auch im Bereich IoT-Forschung bremste Julia überzogene Erwartungen. In der Entwicklung, ursprünglich gedacht als “Internet of Things”, sei IoT zur “Interoperability of things”, und inzwischen vor allem zur “Intelligence of things” geworden.

Entsprechend groß sind die Herausforderungen, die sich im IoT-Bereich künftig zeigen. Es sei sehr schwer, einer Maschine wirklich Sprache beizubringen. Doch es sei noch zwölfmal schwerer, vollautonome Autos zu entwickeln. Autonomes Fahren sieht Julia erst in 500 Jahren als Realität. Nichtsdestotrotz werde die Technologie in Schritten einen Beitrag dazu leisten können, Autofahren sicherer und die Zahl der Unfälle geringer zu machen.

Es sei also noch ein weiter Weg, bis smarte Assistenten alles für uns übernehmen können. Insbesondere der Energieverbrauch zur Lösung komplexer Aufgaben sei für Computer ein echtes Problem. Die Zukunft drehe sich daher um “Small Data”, also Technologie, die es ermöglicht, dass Maschinen mit geringem Energieaufwand komplexe Aufgaben lösen.

AI-Ethik wird schnell zentrales Zukunftsthema

Welche Bedeutung AI-Technologie in naher Zukunft im Gesundheitsbereich haben wird, führte Young Sohn, Präsident und CSO von Samsung, in seinem Vortrag aus. Er geht davon aus, dass bald jedes Detail unseres Lebens, bis hin zur DNA, getrackt und innerhalb riesiger ”Bio-Datenbanken” gespeichert wird.

Die Daten dienen der Diagnose von Krankheiten, bieten Zukunftsprognosen und unterstützen bei der Krankheitsprävention. Gewonnen werden die Informationen über eine Vielzahl von Datensensoren, die nicht nur umfassende Informationen registrieren, sondern diese auch mittels AI miteinander teilen.

Diese Welt der “Sensor Pervasiveness”, wie Sohn sie nennt, ist alles andere als Zukunftsmusik. Bereits heute existieren rund 340 Sextillionen IP-Adressen (eine Sextillion entspricht einer 10 mit 36 Nullen) weltweit, die miteinander im Austausch stehen. Zum Vergleich: in unserer Galaxie gibt es “nur” 100 Milliarden Sterne, und ein durchschnittliches Gehirn hat “nur” 100 Milliarden Neuronen.

Sohn versteht künstliche Intelligenz in diesem Kontext in erster Linie als globale “Möglichkeit” mit Disruptionspotenzial. Er mahnt zu einem achtsamen Umgang mit gesundheitsrelevanten Daten, diese sollten vielmehr genutzt werden, um die Gesundheit aller nachhaltig zu verbessern. Missbrauch sei immer möglich. Bildung sei notwendig. Vor diesem Hintergrund sieht er AI-Ethik als zentrales Zukunftsthema an.

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Verantwortungsvoller Umgang mit AI ist entscheidend

Von “Möglichkeiten” durch AI sprach auch Brad Smith, Präsident von Microsoft, in seinem Vortrag, wählte dabei jedoch einen deutlich gesellschaftskritischeren Blickwinkel. Smith nahm den 100. Jahrestag des Ende des Ersten Weltkrieges zum Anlass, um vor der Gefahr des Missbrauchs technologischer Errungenschaften zu warnen.

“Heute ist jedes ethische Problem der Menschheit auch ein ethisches Problem der Computer.” Wie auch vor 100 Jahren befinde sich die Menschheit aktuell auf einem Schlachtfeld. Menschlichen Institutionen sei es nicht gelungen, aus der Vergangenheit zu lernen. Auf diese Weise könne die Menschheit keinen Frieden bewahren. Wie real die Bedrohung ist, das habe das Jahr 2017 mit globalen Cyberattacken wie dem Wannacry Virus verdeutlicht.

Im vergangenen Jahr waren Smith zufolge weltweit etwa eine Milliarde Menschen Opfer von Cyberattacken. Er forderte einen “digitalen Friedensvertrag”, es brauche Transparenz und Verantwortlichkeit. Cybersecurity sei nicht nur eine Herausforderung für Regierungen und die Gesetzgebung. Auch Unternehmen müssten sich damit auseinandersetzen, reflektieren und dann handeln.

“Was wir als Werkzeuge entwickelt haben, wird von anderen zu Waffen weiterentwickelt”, mahnte Smith. AI ist also nicht nur der Heilsbringer, der es in zehn Jahren vielleicht ermöglicht, Krankheiten wie Krebs zu heilen. Die Technologie ist das, was man aus ihr macht.

Intelligente Spracherkennung ist Chance und Risiko zugleich

Wie sehr die Technologie rund um künstliche Intelligenz mit ethischen Grundsatzfragen zusammenhängt, die es zu beantworten gilt, zeigte auch das Panel “They are listening: Children and voice recognition data”. Dabei ging es um lebenslange Spracherkennung und deren Bedeutung, speziell bei einer Nutzung durch Kinder.

Ein Fallbeispiel lieferte die vierjährige Tochter von Darren Shou, VP und Head of Research des Software-Riesen Symantec. Amazons Alexa hört ihr seit Geburt zu und weiß entsprechend alles über das Kind. Welchen Nutzen könnten solche Daten haben? Eine denkbare Möglichkeit ist, dass aus dem Datenschatz, den Systeme wie Alexa generieren, langfristig die Möglichkeit entsteht, Produkte basierend auf Lebensereignissen anzubieten.

Dies wäre eine neue Stufe der personalisierten Werbung und ist bezogen auf positive Ereignisse wie etwa eine Schwangerschaft leichter vorstellbar. Was aber, wenn aus negativen Lebensereignissen Profit geschlagen wird, etwa Krankheit oder dem Tod eines Menschen? Sollte man für einen solchen Fall eine regulierende Gesetzgebung haben? Das Panel warf am Ende mehr Fragen auf, als es Antworten gab. Viele von ihnen werden sich vermutlich nur im Zeitverlauf beantworten lassen.

Quo vadis, AI?

Die Bandbreite an Vorträgen zum Thema AI auf dem Web Summit war enorm. Sie zeigt nicht nur, welche Rolle die Technologie in den kommenden Jahren spielen wird. Sie vermittelt eine Vorstellung davon, wie tiefgreifend künstliche Intelligenz mit moralischen und sozialen Grundfragen verwoben ist, und welcher Einfluss auf unser gesellschaftliches und auch individuelles Leben künftig zu erahnen ist.

Dass Technologie nicht neutral betrachtet werden sollte, sondern es eine zentrale Rolle spielt, in wessen Händen und wofür sie genutzt wird, ist eine wichtige Erkenntnis. AI kann also alles sein. Ein Segen wäre dabei besser als ein Fluch.

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Über die Autorinnen: Vanessa Nascimento, Raquel Ponte und Patricia Ribeiro sind Teammitglieder der Digitalagentur Turbine Kreuzberg am Standort Faro in Portugal. Als erklärte Geeks beschäftigen sie sich mit technologischen Trendthemen. Alle drei sind Gründerinnen der Faroer Sektion der Geek Girls Portugal, die als internationale Bewegung Frauen in der Tech-Branche unterstützt und vernetzt. Für LEAD berichten sie vom diesjährigen Web Summit in Lissabon.

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