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Portal Facebook
Portal heißt Facebooks eigener Smart Speaker mit Videofunktion (Foto: Facebook)
Facebook Smart Speaker Michael Gronau

Portal: Das ist Facebooks neuer Smart Speaker

​Der Markt der smarten Speaker ist hart umkämpft. Bekannte Unternehmen wie Amazon, Google und Apple drängen in dein Zuhause. Und seit heute mischt auch Facebook mit.

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Gamer sprechen mit Ehrfurcht von Portal. Das legendäre Videospiel wurde 2007 von der Entwicklerschmiede Valve auf den Markt gebracht. Portal war seitdem immer das Synonym für das First-Person-Spiel.

Bis heute. Ab sofort wird der Begriff Portal ganz sicher eher mit Facebook verknüpft.

Das Social-Media-Netzwerk hat sich den Namen Portal zu Eigen gemacht und am Nachmittag deutscher Zeit überraschend seine ersten smarten Speaker mit Videochat-Anbindung vorgestellt: Portal und Portal+.

Gerüchte über neue Hardware von Facebook gab es schon seit Monaten. Jetzt sind sie real: Portal und Portal+ lassen sich ab heute bestellen.

Portal und Portal+ kosten in den USA 199 Dollar (etwa 170 Euro) bzw. 349 Dollar (304 Euro). Wer das Portal-Doppelpack bestellt, spart 100 Dollar. Verkaufspreis fürs Duo: 298 Dollar (87 Euro). Vorerst nur in den USA, über einen Deutschland-Start ist (noch) nichts bekannt. Ausgeliefert wird in den Staaten „ab November".

Portal Facebook
Praktisch - und gruslig: Die Kamera folgt der Person durch den Raum, man muss also nicht an einem Platz sitzen (Foto: Facebook)

Portal und Portal+ sind sinnbildlich die Eintrittstore von Facebook ins smarte Zuhause. Dort war Facebook schon immer vorhanden, aber eben nur auf Smartphone und Tablet – während Konkurrenten wie Amazon mit dem Echo Show eindeutig schneller waren. Bereits im Juni 2017 präsentierte Online-Versandhändler Amazon seinen ersten Echo Show, einen vernetzten smarten Speaker mit Bildschirm. Geeignet fürs Wohnzimmer, aber auch für die Küche. Inzwischen ist schon die zweite Echo-Generation auf dem Markt. Auch der Google Assistant, die derzeit größte Echo-Konkurrenz, wird künftig in smarte Geräte mit Displays eingearbeitet. Lenovo und LG haben entsprechende Gadgets bereits vorgestellt.

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Während Apple seinen HomePod der 1. Generation noch ohne Screen auf den Markt gebracht hat, holt Facebook jetzt auf. Angesichts der Konkurrenz ein mutiger Schritt, aber eben auch ein folgerichtiger. Facebook war hinten dran.

Und musste in den letzten Monaten noch eine weitere Hürde überspringen. Im Zuge des Datenskandals um Cambridge Analytica hatte Facebook (wieder einmal) Kredit verspielt. In Deutschland hatte der Skandal zwar keine großen rechtlichen Folgen, doch die Glaubwürdigkeit des Unternehmens hat erneut gelitten, hierzulande wie auch weltweit.

Nahezu täglich kämpft der Konzern mit großen Sicherheitsproblemen. Ganz aktuell geriet beispielsweise der Account des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Thomas Geisel in die Hand von Facebook-Betrügern. Und Ende August hatte eine neu bekannt gewordene Cyberattacke 50 Millionen Accounts betroffen. Das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) riet zum wiederholten Mal zu einer Passwortänderung.

Ist das der richtige Zeitpunkt für ein mitsehendes Gerät?

Das Dilemma eines Projekts wie Portal bzw. Portal+: Lässt sich solch ein smartes mithörendes und auch mitsehendes Gerät an Tagen wie diesen überhaupt erfolgreich vermarkten? Intern dürfte die Hardware schon länger fertig gewesen sein, doch der richtige Zeitpunkt, die Geräte zu launchen, kam bisher nicht.

Gibt es – gerade bei Facebook – überhaupt einen optimalen Launchtermin? Wohl kaum. Daher hat Facebook das Produkt heute plötzlich gestartet.

Die Specs sind schnell aufgeschrieben und unterscheiden sich kaum von der Konkurrenz: zwei Modelle, Hoch- und Quer-Format.

Portal Facebook
Portal heißt Facebooks eigener Smart Speaker mit Videofunktion (Foto: Facebook)

Die technischen Details

Das Basismodell bietet einen 10-Zoll-Screen. Das Plus-Modell setzt mit 15 Zoll auf den größeren Bildschirm, unterscheidet sich ansonsten aber nicht vom Basic-Gerät.

Jedes Modell geht all-in, verfügt über KI-Technologie, smarte Kamera und smarten Speaker. Dabei kann die smarte Kamera den Bewegungen in einem Raum folgen, sie schwenkt und zoomt automatisch. Im Gegensatz zum Echo Show musst du also nicht zwingend direkt vor dem Gerät sitzen. Portal und Portal+ halten alle Anwesenden im Blick.

Das virtuelle Adressbuch von Portal entsteht durch die Verknüpfung mit der Freundesliste vom Facebook Messenger. Anrufe sind ebenfalls möglich. Die Telefonate über Portal-Geräte werden auch an die entsprechenden Facebook-Messenger-Apps auf iOS und Android gesendet. Gruppenchats lassen sich mit bis zu sieben Personen initiieren.

Gestartet werden Portal und Portal+ ganz simpel, mit einem HotWord wie man es von Alexa und Siri kennt. Facebook setzt hier wenig überraschend auf „Hey Portal“.

Facebook weiß um sein Glaubwürdigkeitsproblem

Bleibt die Frage aller Fragen: Würdest du einen Social Speaker von Facebook kaufen oder fehlt dir das Vertrauen in den Konzern?

Facebook hat diese Frage natürlich erwartet und beantwortet sie ganz klar: Das Unternehmen werde „alles für Sicherheit und Privatsphäre“ tun, was möglich sei.

In der Tat liest sich die Liste der Sicherheitsmaßnahmen überzeugend. So verweist Facebook darauf, dass Kamera und Mikrofon mit einem einzigen Tastendruck vollständig deaktiviert werden können. Mittels einer Abdeckung kann das Objektiv der Kamera jederzeit blockiert werden. Okay, aber klar ist auch: Wer diese Maßnahmen einleitet, braucht sich auch keinen Portal-Speaker ins Haus zu holen, wenn er die zwei wichtigsten Features gar nicht erst nutzt.

Wichtig für die Kids im Haushalt, aber auch für die eigene Sicherheit: Der Bildschirm lässt sich mit einem vier- bis zwölfstelligen Passcode sperren. Zudem verspricht Facebook, dass alle Gespräche über Portal verschlüsselt seien. Facebook werde auf seinen eigenen Servern keinerlei Gespräche speichern. Dies geschehe alles lokal auf dem Gerät.

Auch auf eine Gesichtserkennung, wie man sie von Face-ID auf neueren iPhones kennst, verzichtet Facebook. Man wolle keine Personen identifizieren. Der Verlauf der Aktivitäten soll auch „jederzeit im Aktivitätsprofil“ komplett gelöscht werden können.

Portal Facebook Foto 1
Portal hat keine Face-ID - aber Filter (Foto: Facebook)

Dies alles klingt vielversprechend. Aber galt Facebook selbst nicht auch als vielversprechend, als es 2004 als digitale Version der gedruckten Uni-Jahrbücher an den Start ging, in Form eines cleveren und durchaus interessanten Projektes für Studenten, die sich vernetzen wollten? Seitdem hat Facebook ein Gesicht bekommen: das der Datenkrake, die mit persönlichen Profilen Milliardenumsätze generiert. Nun werden die Gesichter ins Portal transferiert. Erfolgreich oder nicht? Das entscheidet die Facebook-Kundschaft.

In gewisser Weise schließt sich mit der Vorstellung von Portal und Portal+ auch ein Kreis. Facebook begann eigentlich schon 2003. Damals noch unter dem Namen „Facemash“. Mark Zuckerberg präsentierte im Facemash-Portal jeweils zwei Fotos von Studentinnen. Widerrechtlich, denn die Vorgestellten hatten ihre Erlaubnis nicht erteilt. Nutzer von Facemash sollten dann entscheiden, welche Studentin attraktiver war.

Das Projekt wurde nach wenigen Tagen aufgrund einer Protestwelle eingestellt. 15 Jahre später öffnet sich jetzt ein neues Portal.

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