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Das Imperium von Mark Zuckerberg: Facebook, Instagram und WhatsApp (Foto: Christoph Born)
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Facebook-Fusion: Effizient sein ist alles

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg will die Chats von Facebook, Instagram und WhatsApp miteinander verschmelzen. Eine Nachricht, die zu denken gibt. LEAD erklärt, was hinter den Plänen steckt.

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Es ist eine klassische Nachricht für den Freitag. Kurz vorm Wochenende: Medial sinkt generell die Aufmerksamkeitsschwelle. Redakteure bereiten sich gedanklich schon auf den freien Samstag und Sonntag vor. Freitag, ein beliebter Tag, an dem Verlage gern auch einmal unbequeme Personalien, respektive Entlassungen verkünden, aber in der Regel keine großen Geschichten zu vermelden haben. Wenn die Breaking News allerdings aus dem Hause New York Times stammen, kann es ein ungemütliches Wochenende werden. Und so ist es nun auch eines für Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Die New York Times, neben der Washington Post derzeit die investigative Stimme in Trump-Land, überraschte mit der Meldung, Facebook plane eine Fusion von Facebook, WhatsApp und Instagram, drei Side-Projekten des Hauses, die die Social-Media-Welt dominieren.

Bedenken auf den zweiten Blick

Der erste Blick auf die Meldung: Aha, es geht ja „nur“ um eine technische Zusammenlegung der Chat-Funktion der drei Programme. Schließlich ist es verwaltungstechnisch gar nicht sinnvoll, drei große Teams an drei verschiedenen Orten die gleiche Funktionalität (weiter-)entwicklen zu lassen – in einem Haus, bei Facebook. Ziel, so die New York Times in ihrem Report, sei es, alle drei Plattformen bis spätestens Anfang 2020, besser noch bis Ende 2019, mittels einer gemeinsamen Infrastruktur zu vereinen. Tausende Facebook-Angestellte seien mit dem Projekt der Zusammenführung aktuell bereits befasst.

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Zwar befände sich die angestrebte Reorganisation noch „in einem frühen Stadium“, aber der Plan sei bereits deutlich erkennbar: „eine möglichst gute Erfahrung“ für die Nutzer aller drei Plattformen zu schaffen. Und zwischen den Zeilen der Hinweis: Die einzelnen Apps würden offenbar auch jede für sich erhalten bleiben. Vorerst…

Alles also halb so wild? Doch eine typische Freitagsmeldung? Und für User eine wunderbare Sache, weil Zuckerberg ja auch anstrebe, dass sich zwischen den drei Diensten künftig direkt kommunizieren lässt?

Eben nur auf den ersten Blick. Denn wer die Pläne verstehen will, muss sie weniger technisch und mehr strukturell bewerten.

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Kunden lieben es bequem

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Der Fahrplan für die Effizienz des Mutterkonzerns

2012 kaufte Facebook das Fotonetzwerk Instagram für eine Milliarde US-Dollar (etwa 880 Millionen Euro), 2014 entschieden sich Zuckerberg und seine Mitstreiter für die Übernahme von WhatsApp – für umgerechnet damals utopische 16,7 Milliarden Euro.

Facebook war fortan ein Konglomerat, bestehend aus den beiden neuen Diensten und den Basics Facebook bzw. Facebook Messenger. Als Hobby mag Zuckerberg das Ganze noch bei der eigentlichen Facebook-Gründung angesehen haben, inzwischen trimmt er den Konzern aber nur noch auf Effizienz. Schwer genug: Instagram verdient inzwischen Geld mit Anzeigen, WhatsApp gelingt das nicht im Markt der Privatnutzer (auch wenn in Kürze erstmals Werbung, wenn auch nur im Status, angezeigt werden soll), sondern nur bei WhatsApp Business, der Geschäftsvariante des Messengers, mit der inzwischen fünf Millionen Firmen weltweit ihre interne Kommunikation führen.

Wie Facebook von der Fusion profitiert

Eine Zusammenlegung der Chats der drei Programme - erst recht, wenn diese künftig auch Plattform-übergreifend kommunizieren können - führt zu einer steigenden Gesamtreichweite von Facebook. Ähnlich wie Apple versucht Facebook dabei folgerichtig, die Nutzer seiner Tochterunternehmen noch mehr an das hauseigene Ökosystem zu binden. Und das wiederum führt zu steigenden Anzeigen-Erlösen.

Facebook selbst würde von der Chat-Zusammenlegung profitieren. Einerseits verliert die eigentliche Mutter derzeit weltweit an Reichweite – und die eigentlich junge Zielgruppe aus dem Auge. Die sieht Facebook inzwischen als Tummelplatz für aktive Senioren, die besonders hip sein wollen. Die jungen Leute selbst inszenieren sich lieber über Instagram. Junge Tochter soll also siechender Mutter helfen.

Hinzu kommt: Mit der Fusion kann Facebook auch die Reichweite von WhatsApp Business steigern, was wiederum eine Reaktivierung seiner Plattform Facebook Marketplace nach sich zieht.

Motto: Alles hilft allen. Crossover at its best.

Sicherheit ist für Zuckerberg zweitrangig

Zentraler Drahtzieher bleibt dabei Facebook bzw. Zuckerberg. Nach den zahlreichen Datenpannen der letzten Monate gibt es keinerlei Anzeichen, dass sich der Gründer aus dem operativen Geschäft zurückziehen wird. Im Gegenteil. Zuckerberg reißt auch mithilfe von Instagram und WhatsApp noch mehr Macht an sich: Die einstigen Unternehmensgründer von Instagram und WhatsApp hat er in den vergangenen Monaten aus dem Gesamt-Unternehmen gedrängt, durch seine eigenen Vertrauensleute ersetzt.

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Wie bitte?

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Mehr oder weniger entnervt äußerten sich Kevin Systrom (Instagram) und Jan Koum (WhatsApp) über ihren Rückzug. Sie sahen die Eigenständigkeit ihrer Marken nicht mehr gewährleistet. Koum erklärte dazu: „Ich habe mit dem Verkauf von WhatsApp an Facebook die Privatsphäre meiner User verkauft."

1,5 Milliarden Nutzer weltweit bei WhatsApp, eine Milliarde bei Instagram, weitere 2,2 Milliarden bei Facebook – da geraten (wieder einmal) sicherheitstechnische Aspekte in den Hintergrund. Nur WhatsApp bietet bisher die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an, bei Instagram und Facebook ist diese nicht gewährleistet. Allen Versprechen zum Trotz: Beobachter gewinnen derzeit nicht den Eindruck, als stünde Sicherheit bei Facebooks neuen Plänen vor Konzerneffizienz.

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Datenschützer längst alarmiert

Die Hürden für die Sicherheit und vor allem den Datenschutz sind aber gerade in Deutschland hoch, wie der Mutterkonzern Facebook in diesen Tagen immer wieder erfahren muss. Stichwort Regulierung und Privatsphäre.

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte, hierzulande für Facebook zuständig, lässt aktuell gerichtlich prüfen, ob ein Datenaustausch zwischen WhatsApp und Facebook rechtswidrig ist. Genau dieser Ansicht ist die Datenschutzbehörde nämlich. Auch das Bundeskartellamt ist längst auf den Mutterkonzern aufmerksam geworden. Strittig ist an dieser Stelle, ob Facebook gegen deutsches Wettbewerbsrecht verstößt, wenn Facebook und WhatsApp ihre Daten austauschen.

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Die Zukunft ist jetzt

Zukunftssicherung für den schwächelnden Facebook-Konzern dürfte somit das eigentliche Anliegen der Fusion der drei schwergewichtigen Netzwerke sein, unter dem Deckmantel einer besseren Nutzerfreundlichkeit.

Ein Indiz dafür ist auch der exorbitante Quotenanstieg bei Instagram im Jahr 2018. Er zog mehr Facebook-Verbindungen nach sich als je zuvor. Viele sehr auffällig platzierte Links auf Instagram zu Facebook scheinen als Testmodul für die jetzt bekanntgewordenen Pläne, die Facebook im übrigen gegenüber der New York Times bestätigt hat, gedacht gewesen zu sein. Hat ja funktioniert.

Gerade erst hat sich Bundesjustizministerin Katharina Barley (SPD) in einem Gastbeitrag für ZEIT Online dahingehend geäußert, es sei „kein Verlass darauf“, dass Facebook sein Bestes gebe. An gleicher Stelle hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg zuvor, ebenfalls in einem Gastbeitrag, betont, nur Werbung auf Facebook garantiere, dass sich jeder den Dienst leisten könne: „Ich glaube, dass jede und jeder eine Stimmen haben und in der Lage sein sollte, sich mit anderen auszutauschen.“

Die Frage, die jeder für sich selbst beantworten sollte, ist nur: Muss es unbedingt auf Facebook, WhatsApp und Instagram sein?

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