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Facebook kämpft nach den vergangenen Skandalen mit einem immer schlechteren Image (Foto: imago/Michael Candelori)
Facebook Social Media Hacker

Nach den Skandalen: Wie Facebooks Zukunft aussehen könnte

Bei Facebook folgt aktuell ein Skandal dem anderen. Das öffentliche Image hat sich zum Schlechteren gewandelt - vom innovativen Startup, das die Welt verbindet, zur Datenkrake, die Wahlen beeinflusst und ein beliebtes Ziel für Hacker ist.

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Facebook hat 2018 eine ziemliche Achterbahnfahrt hingelegt. Ich erkläre die Hintergründe der Ereignisse und analysiere, wie sich Facebook in Zukunft entwickeln wird.

Die Liste der Skandale von Mark Zuckerbergs Unternehmen ist mittlerweile lang geworden. Es begann, als Christopher Wylie, Ex-Mitarbeiter von Cambridge Analytica, im März 2018 behauptete, das Unternehmen habe mit den Daten von 90 Millionen Menschen die US-Wahl manipuliert und damit Präsident Trump den Sieg gebracht. Außerdem sei Cambridge Analytica wesentlich am Ausgang der Brexit-Abstimmung beteiligt gewesen.

Was ist genau passiert?

Aleksandr Kogan, Datenwissenschaftler an der Cambridge University, entwickelte eine App namens "This Is Your Digital Life". Er stellte die App Cambridge Analytica zur Verfügung. Cambridge Analytica wiederum organisierte ein Einwilligungsverfahren für eine Forschung, bei dem etwa 270.000 Facebook-Nutzer damit einverstanden wären, eine Umfrage für akademische Zwecke auszufüllen.

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Die Funktionsweise von Facebook ermöglichte es dieser App jedoch damals, nicht nur die persönlichen Daten von Personen zu sammeln, die der Umfrage zugestimmt haben, sondern auch die persönlichen Daten aller Freunde dieser Personen. Auf diese Weise hat Cambridge Analytica Daten von etwa 90 Millionen Facebook-Nutzern erfasst.

Wer ist Schuld?

Cambridge Analytica hat ganz klar die Richtlinien von Facebook gebrochen und die Daten missbräuchlich verwendet. Doch es handelt sich bei diesem Skandal nicht um einen “Hackerangriff” oder um gestohlene Daten, wie oft behauptet wird.

Alle 90 Millionen Menschen, deren Daten betroffen sind, hatten diese Informationen freiwillig auf Facebook veröffentlicht und in ihren Einstellungen nicht untersagt, dass diese Daten auch weitergegeben werden.

Die Führungskräfte von Cambridge Analytica versuchten anfangs, ihre Rolle im US-Wahlkampf und beim Brexit zu übertreiben, um dadurch Kunden zu gewinnen.

Es ist zwar möglich, mit den gewonnen Daten (Öffentliches Facebook-Profil, Gefällt-Mir-Angaben, Geburtstag und aktuelle Stadt) Persönlichkeitsprofile zu erstellen. Es ist aber technisch unmöglich, damit exakt targetierte Werbekampagnen zu erstellen. Facebook Benutzer-IDs kann man nicht mehr für die Zielgruppenauswahl verwenden.

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Russische Einmischungen und der nächste Skandal

Nach dem Cambridge Analytica Skandal folgte die vermutlich noch schwerer wiegende PR-Katastrophe mit der russischen Einmischung in die US-Wahlen. Es ist eigentlich unbestritten, dass russische Organisationen die US-Wahl zugunsten von Trump beeinflussen wollten, dafür Facebook-Seiten anlegten und damit Werbung schalteten. Die Werbekampagnen wurden sogar in Rubel bezahlt.

Der Vorwurf an Facebook ist, dass ein Unternehmen mit diesen Kapazitäten die russische Einmischung hätte bemerken müssen. Mark Zuckerbergs Antwort war, dass seine Firma auf alle möglichen Hackerangriffe vorbereitet war, aber die ganz normale Verwendung der Facebook-Werbefunktion durch ausländische Geheimdienste nicht mal überprüft wurde.

Das zeigt auch, wie mächtig Facebook-Werbung ist. Es ist gar nicht mehr nötig, wie Cambridge Analytica Persönlichkeitsprofile zu erstellen und damit zu versuchen, Menschen genau anzusprechen. Die Möglichkeiten, die Facebook selbst bietet, um eine Zielgruppe zu erreichen, sind sowieso besser.

Auch interessant: Portal: Das ist Facebooks neuer Smart Speaker

Der bisher letzte Skandal

Facebook kommt nicht aus den Negativschlagzeilen. Vor kurzem wurde bekannt, dass 30 Millionen Profile gehackt wurden. Hacker nutzten ironischerweise eine Funktion zur Verbesserung der Datensicherheit dazu aus, um private Daten von Facebook-Nutzern zu stehlen.

Das Problem betraf die "Ansehen als"-Funktion. Damit konnten Nutzer ihr eigenes Profil so sehen, wie es von anderen Menschen gesehen wird. Die Hacker konnten damit allerdings keine E-Mail-Adressen, Kreditkartendaten oder Passwörter stehlen. Es war auch – laut Facebook – nicht möglich, Änderungen am Profil vorzunehmen oder private Nachrichten zu lesen.

Der letzte Skandal ist im Vergleich zu den vorherigen relativ klein, aber das erste Mal, dass Hacker im großen Stil eine Sicherheitslücke von Facebook ausnutzen konnten, um massenhaft Daten abzugreifen.

Wie geht es mit Facebook weiter?

Trotz aller Skandale geht es Facebook wirtschaftlich sehr gut. Die Umsätze steigen und die Unternehmensstrategie funktioniert gut. Mit dem Kauf von Instagram und WhatsApp hat sich Facebook zwei Juwelen gesichert und damit auch sichergestellt, dass die Firma in den nächsten Jahren noch kräftig wachsen wird. Das Social Network von Google, Google+, ist komplett gescheitert und Instagram hat den Konkurrenten Snapchat erfolgreich ausgebremst.

Die größte Gefahr für Facebook ist nun nicht mehr die wirtschaftliche Konkurrenz, sondern einzig und allein die Gesetzgebung. Sollten die Skandale nicht stoppen, werden die Rufe immer lauter, Facebook zu zerschlagen und das Unternehmen zu zwingen, Instagram und WhatsApp zu verkaufen.

Das wäre ein schwerer Schlag für Mark Zuckerberg, denn die gesamte Unternehmensstrategie ist aktuell darauf ausgelegt, mit WhatsApp und Instagram gemeinsam zu wachsen, da das Wachstum an Facebook-Nutzern in Europa und den USA stagniert.

Auch wenn es zu keiner Zerschlagung kommt, gibt es auf Seiten der Gesetzgeber (EU und USA) immer mehr Bemühungen, in den Kern von Facebook einzugreifen und das Unternehmen zu regulieren. Es gibt Forderungen, dass Facebook seinen Algorithmus öffentlich machen muss.

Geringere Einnahmen für Facebook?

Um das zu vermeiden wird Facebook die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal erhöhen und auch seinen Werbepartnern und App-Entwicklern genauer auf die Fingern schauen. Das Unternehmen hat sogar schon damit begonnen.

Für Facebook bedeutet das kurz- bis mittelfristig geringere Einnahmen, da die Investitionen in bessere Analysetools, um Angriffe und Missbrauch frühzeitig zu erkennen, viel Geld kosten. Außerdem geben die Unternehmen weniger Geld bei Facebook aus, wenn die Prozesse Werbung zu schalten, schwieriger zu werden. Langfristig wird Facebook seine Position als Platzhirsch dadurch aber weiter ausbauen und nicht mehr zu verdrängen sein.

Facebook ist aktuell durch die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) schon stark reguliert. Es ist auch sehr fraglich, ob ein noch stärker reguliertes Facebook tatsächlich besser für die Allgemeinheit wäre, oder ob anlassbezogene Gesetzgebung in einem Bereich nicht Probleme woanders hervorrufen würde. Üblicherweise sind Behörden und Politiker nicht besonders schnell in der Reaktion auf neue Entwicklungen.

Für Facebook hängt viel davon ab, ob das Unternehmen es schafft, in den nächsten Monaten nicht in Skandale verwickelt zu sein und das Vertrauen der Nutzer und Behörden zurückzugewinnen. Geschäftlich ging es Facebook nie besser als bisher.

Über den Autor:Jakob Hager ist der Gründer der internationalen Performance Marketing Agentur on2performance.com, Buchautor und Social Media Experte. Er hilft Unternehmen dabei, ein System aufzubauen um automatisiert über das Internet neue Kunden zu bekommen. Der Unternehmer betreute NBA Vereine und einen Premier League Verein als Kunden und möchte mit dem Konzept seiner international verteilten Agentur den deutschen Mittelstand fit für die Digitalisierung zu machen.

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