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Zahl Der Existenzgruender Auf Rekordtief 87668784 C Stock Adobe Com
(Bild: stock.adobe.com)
Startup Innovation

Existenzgründer im Rekordtief

Die Zahl der Existenzgründer befindet sich in einem Rekordtief. Immer weniger Menschen wollen raus aus der festen Arbeitsstelle, um sich selbstständig zu machen. Und dennoch: Innovation und Digitales wachsen.

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Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt dämpft das Interesse der Menschen in Deutschland an einer Selbstständigkeit. Die Zahl der Existenzgründer sank 2017 im Vergleich zum Vorjahr unerwartet deutlich um 17 Prozent auf das Rekordtief von 557.000, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten "Gründungsmonitor" der staatlichen Förderbank KfW hervorgeht.

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(Bild: KfW-Gründungsmonitor)

Besonders kräftig war der Rückgang bei Menschen, die sich mit einem Nebenjob selbstständig machten. Deren Zahl verringerte sich um 24 Prozent auf 323.000. "Eine abhängige Beschäftigung auch für den Hinzuverdienst zu finden, ist derzeit so einfach wie nie", heißt es in der Studie. KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner rechnet nicht mit einer Trendwende in diesem Jahr. Derzeit seien keine Impulse in Sicht, die die Gründungstätigkeit in Fahrt bringen könnten. "Erwerbstätige haben aktuell die Qual der Wahl", so die Studie. Die Entscheidung falle immer häufiger gegen eine Selbstständigkeit aus.

Auch die Gründer wurden den Angaben zufolge vom leer gefegten Arbeitsmarkt gebremst. Die Hälfte der Neugründer mit Mitarbeitern hatte 2017 Probleme bei der Stellenbesetzung - "ein beispielloser Rekordwert". Selbstständige, die im vergangenen Jahr mit einem neuen Unternehmen starteten, schufen insgesamt mehr als 170.000 Vollzeitstellen entsprechende Jobs.

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Wachstum von Innovation und Digitalem

Auch wenn die Gründungstätigkeit im Tief ist, sind Gründer sind ideengetriebener, wachstumsorientierter und innovativer. Die strukturelle Qualität der realisierten Gründungen hat sich 2017 allerdings deutlich verbessert. So nahm die Zahl ideengetriebener Chancengründer um acht Prozent auf 333.000 zu.

Chancengründungen sind in der Regel überdurchschnittlich bestandsfest und beschäftigungsintensiv und haben daher volkswirtschaftlich einen besonderen Stellenwert. Darüber hinaus ging es bei der Zahl innovativer Gründer (76.000, plus 31 Prozent), digitaler Gründer (144.000, plus drei Prozent) und Wachstumsgründer (127.000, plus 10 Prozent) aufwärts.

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Gründer häufiger ideengetrieben, innovativ, digital und wachstumsorientiert. In Prozent an allen Gründern (Bild: KfW-Gründungsmonitor)

Anmerkung zur Grafik: Chancengründer sind Personen, die aufgrund einer Geschäftsidee gründen; Innovative Gründer sind Personen, die Forschung und Entwicklung betreiben, um eine technologische Innovation zur Marktreife zu bringen; Digitale Gründer sind Gründer, deren Angebot nur durch den Einsatz digitaler Technologien nutzbar ist; Wachstumsgründer sind Personen, deren Unternehmen "so groß wie möglich" werden soll.

An die genannten Gründergruppen sind jeweils bestimmte volkswirtschaftliche Erwartungen geknüpft. Aufgrund ihrer Nähe zu neuen Technologien kommt innovativen

Gründern und digitalen Gründern die Rolle von Schumpeters "schöpferischem Zerstörer" zu. Denn insbesondere sie greifen etablierte Märkte an oder kreieren gänzlich neue Märkte und treiben so den strukturellen Wandel voran.

Die Erwartungen der Neugründer

Mit Wachstumsgründern ist aufgrund ihres Wunsches "so groß wie möglich" zu werden die Hoffnung verbunden, dass sie langfristig einen nachhaltigen Beschäftigungsbeitrag leisten. Auch Gründer, die mit Marktneuheiten an den Start gehen, haben das Potenzial zur "schöpferischen Zerstörung". Bei den meisten von ihnen geht es allerdings darum, bereits existierende Angebote neu auf einen räumlich anderen Markt zu bringen: aus anderen Regionen in die eigene oder aus anderen Ländern nach Deutschland.

Im langjährigen Durchschnitt bieten 16 Prozent der Gründer Marktneuheiten an. Die meisten davon (neun Prozent) im regionalen und deutschlandweiten (vier Prozent) Kontext. Weltweite Marktneuheiten sind definitionsgemäß tatsächlich "noch nie dagewesen" und somit am seltensten (drei Prozent).

2017 ist der Anteil von Gründern mit Marktneuheiten leicht auf 15 Prozent gestiegen. Er bleibt damit aber das vierte Jahr in Folge unter seinem langjährigen Mittel. Der leichte Anstieg ist maßgeblich ein Effekt davon, dass Gründer mit regionalen Marktneuheiten wieder häufiger wurden. Ihr Anteil hat sich erholt, nachdem er im Jahr davor überraschend deutlich eingebrochen war. Die Anteile von Gründern mit deutschlandweiten oder weltweiten Marktneuheiten sind dagegen geringfügig gesunken.

Gründer befürworten Koalitionsvorhaben

Die Politik möchte Start-ups und Innovation fördern. Bei der Zusatzbefragung zum KfW-Gründungsmonitor wurden die Gründer gefragt, was sie von diesen Vorhaben halten. Insgesamt haben sie die Vorhaben in großem Ausmaß befürwortet. Die Zustimmung (d. h. eine Bewertung mit mindestens "gut") zur Befreiung von der Umsatzsteuervoranmeldung beträgt 83 Prozent (dabei 48 Prozent mit "sehr gut").

Die Abkehr von einer monatlichen Umsatzsteuervoranmeldung könnte eine merkliche zeitliche Entlastung für Gründer bringen. Die Erfüllung von Bürokratiepflichten beschäftigt die Hälfte der Gründer mindestens zwei Stunden in der Woche. Die Zustimmung zur Senkung des GKV-Mindestbeitrags ist mit 87 Prozent noch höher (45 Prozent "sehr gut")

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(Bild: Zusatzbefragung zum KfW-Gründungsmonitor 2018; ungewichtete Einschätzung der Befragungsteilnehmer)

Die Absenkung der Mindestkrankenversicherungsbeiträge bringt eine finanzielle Entlastung mit sich und könnte dazu führen, dass wieder mehr Selbstständige umfassender versorgt sind. Die Unterstützung für Eltern in der Gründungsphase durch Zuschüsse für haushaltsnahe Dienstleistungen erhält eine Zustimmung von 92 Prozent (40 Prozent "sehr gut"). Von diesem Vorhaben dürften insbesondere so genannte "Mompreneurs" profitieren, also Gründerinnen mit Kindern. 15 Denn bei Gründungen durch Männer spielen Kinder kaum eine Rolle dabei, wie die Gründung ausgestaltet ist.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für Mompreneurs besonders bedeutend. Sie setzen sich beispielsweise als Vollerwerbsgründerinnen deutliche Grenzen bei der Arbeitszeit. Zuschüsse für haushaltsnahe Dienstleistungen könnten hier also eine deutliche Entlastung bringen, sodass sich Mompreneurs besser um ihr Gründungsprojekt kümmern können. Die Einführung einer Gründerzeit erfährt immer noch eine Zustimmung von 74 Prozent (26 Prozent "sehr gut").

Eine Gründerzeit könnte positiv auf die Gründungtätigkeit wirken. Ein Anspruch auf eine Auszeit vom Job, um ein Gründungsprojekt anzugehen, könnte mehr Menschen anreizen, den Versuch zu wagen, da sie ihren Job dafür nicht gleich aufgeben müssen – die Finanzierung ihrer Lebenshaltungskosten vorausgesetzt.

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