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Ethischer Umgang Mit Ki 1093002144 I Stockphoto Web
Künstliche Intelligenz kommt schon heute in vielen Bereichen zum Einsatz und wird das immer mehr tun (Foto: iStockphoto)
Künstliche Intelligenz Ethik KI

Wie gelingt ein ethischer Umgang mit KI?

Von der Gesichtserkennung bei Smartphones über intelligente Assistenten wie Alexa oder autonome Autos – Künstliche Intelligenz kommt schon heute in vielen Bereichen zum Einsatz und wird das immer mehr tun. Im Interview spricht Helmut Scherer, Managing Director von Futurice, über den verantwortungsvollen Einsatz von KI und die Gefahren, die von ihr ausgehen.

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LEAD: Was kann KI heute schon leisten?

Helmut Scherer: Wenn man KI hört, denken viele, das sind Computersysteme, die sich benehmen wie menschliche Intelligenz. So weit sind wir aber in den meisten Fällen noch nicht. Was heute Anwendung findet, ist Machine Learning. Eine Tool-Box, die aus Daten Regeln lernt, um sogenannte KI-Systeme zu implementieren. Die Maschine kann relativ eng gefasste Fragen beantworten, in der Industrie etwa im Bereich der Maschinenwartung.

Helmut Scherer Managing Director Futurice
Helmut Scherer, Managing Director Futurice

Hier kann ermittelt werden, welche Teile voraussichtlich als nächstes ersetzt werden müssen. Auch kann eine solche Technologie in der Automatisierung beispielsweise selbstfahrenden Autos vor einer Kurve vorhersagen, in welche Richtung das Steuerrad eingeschlagen werden muss. Es herrscht oft ein grobes Missverständnis: Dass die Beantwortung solch eng gefasster Fragen auf Basis von großen Datenmengen die menschliche Intelligenz ablösen könnte.

LEAD: Die Maschinen unterstützen den Menschen also nur?

Helmut Scherer: Absolut. Menschen treffen oft Entscheidungen, die aus emotionalen Gründen getroffen werden. Gerade hier ergibt es Sinn, die eigenen Fähigkeiten mit KI zu kombinieren und Wissen über verschiedene Gebiete hinweg miteinander zu verbinden. Es ist also keineswegs so, dass menschliche Intelligenz durch KI ersetzt wird.

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LEAD: Auf welchen Gebieten wird KI heute vor allem eingesetzt?

Helmut Scherer: Für mich gibt es vier Punkte, bei denen KI zum Einsatz kommt: Vorhersage, Personalisierung, Erkennen von Objekten und Erfassen von Strukturen. Ein Beispiel für die Vorhersage ist das oben genannte Wartungsbeispiel in der Industrie. Hinsichtlich der Personalisierung haben wir für einen großen Medienkonzern zum Beispiel ein Tool entwickelt, das Artikel-Empfehlungen auf persönliche Interessensbereiche abstimmt.

Wenn es darum geht, Menschen zu erkennen, haben wir mit Finnair mittels Gesichtserkennung einen schnelleren Check-In-Prozess für Business-Reisende erfolgreich umgesetzt. Der vierte Bereich ist das Erfassen von Strukturen. Dieses wird besonders in wissensintensiven Umfeldern eingesetzt, zum Beispiel im Customer-Service von Maschinenbauern. Dort erkennt die KI Muster in Informationen aus E-Mails und Datenbanken und hilft, die gängigsten Kundenfragen zu ermitteln, damit die Mitarbeiter im Customer-Support schneller Lösungen finden können.

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LEAD: Wie weit ist KI schon im Alltag angekommen und wie wird sich das Ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Scherer: Durch die Nutzung verschiedener Geräte und digitaler Assistenten wie Alexa oder Siri ist KI bereits jetzt oftmals schon ein fester Bestandteil des Alltags. Viele Menschen sind sich dessen nur noch nicht bewusst. Ich denke, dass KI in Zukunft noch weitaus mehr genutzt wird als es jetzt schon der Fall ist. Dabei ist es wichtig, dass KI nicht nur einigen wenigen Anwendern zugänglich ist. Eine Voraussetzung für den richtigen Umgang mit der Technologie ist natürlich auch das richtige Bewusstsein dafür.

LEAD: Wie sollte das aussehen?

Scherer: Das verhält sich ähnlich wie die Medienverbreitung. Vor 20 Jahren war beispielsweise die Produktion eines Videos äußerst kostenintensiv und nur für ganz wenige umsetzbar, ganz zu schweigen von der Verbreitung. Heute kann quasi jeder ein Video erstellen und verbreiten. Ich denke, so muss man das auch mit der KI sehen. Man muss auch Personen, die keine Technologie-Experten sind, verständlich machen, welche Möglichkeiten und Risiken es im Zusammenhang mit KI gibt.

LEAD: Was bedeutet das konkret?

Scherer: Teams, die Machine-Learning- oder KI-Lösungen in Unternehmen erarbeiten, sollten möglichst divers angelegt sein, um eine hohe Transparenz und Streuung zu erlangen. Es sollten sowohl Anwender als auch Entscheider, Technologen und Design-Experten zusammengebracht werden, um ein bestmögliches Verständnis zu schaffen. Man sollte zum Beispiel in einer Sprache kommunizieren, die jeder versteht.

Bei KI hat man immer einen Satz von Daten, einen Algorithmus, der einen bestimmten Output besitzt und eine definierte Aktion ableitet. Da muss man gemeinsam Fragen erarbeiten wie: Was wollen wir erreichen? Was optimiert der Algorithmus eigentlich? Sind die Daten gut genug? Stellen wir die Fragen in der richtigen Art und Weise oder gibt es eine Befangenheit? Wofür benutzen wir den Output? Was sind die Konsequenzen und können wir uns verantwortlich dafür fühlen?

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"Man kann mit Machine-Learning-Technologie eng gefasste Fragen beantworten. Die tatsächliche Entscheidung wird jedoch immer noch vom Menschen getroffen." Helmut Scherer

LEAD: Und genau hier kommen auch ethische Grundsätze und Fragen ins Spiel?

Scherer: Wir bei Futurice haben für den ethischen Umgang mit KI vier Richtlinien entworfen, die von Unternehmen zunehmend angewendet werden. Erstens: Man sollte sich bewusst sein, welchen Zweck man mit der KI verfolgt – und wie dieser andere Dinge beeinflusst. Zweitens: Transparenz muss immer priorisiert werden. Es ist wichtig, dass die Anwender der Technologie vertrauen. Drittens: Wir müssen inklusiv sein und auch verstehen, wer von dem System beeinflusst wird. Und viertens: Persönliche Daten müssen wirklich sicher gespeichert werden, damit ein hohes Level an Privatsphäre sichergestellt werden kann.

LEAD: Welche Risiken birgt der Einsatz von KI?

Scherer: Risiken gibt es, wie bei jeder Technologie, natürlich auch. Beispiele hierfür wären das Thema Bias, aber auch Fairness. Im Recruitment-Prozess werden bereits Machine-Learning-Algorithmen eingesetzt. Da gibt es auch Fälle, in denen zum Beispiel bestimmte Personengruppen bevorzugt werden. Das sollte natürlich vermieden werden. Wenn man sich einen Polizeieinsatz vorstellt, dann sollte die eingesetzte Technologie keine falschen Personen erkennen oder unwahre Schlüsse ziehen. Ein KI-System sollte sicher und zuverlässig sein und keine grenzenlose Anzahl persönlicher Daten akkumulieren.

LEAD: Für wie realistisch halten Sie die Angst von Menschen wie Elon Musk, die KI könnte eines Tages die Kontrolle übernehmen?

Scherer: KI ist ja schon seit einigen Jahren ein absolutes Hype-Thema und ist es auch immer noch. Im Hier und Jetzt sind die Einsatzzwecke und der Funktionsumfang von KI aber noch relativ begrenzt. Die mathematischen Fähigkeiten, die es heute gibt, sind nicht viel besser als vor einigen Jahren. Allerdings gibt es heute bessere Möglichkeiten, Daten auszuwerten und zu nutzen. Aktuell sehen wir hier: Man kann mit Machine-Learning-Technologie eng gefasste Fragen beantworten. Die tatsächliche Entscheidung wird jedoch immer noch vom Menschen getroffen.

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LEAD: Aber könnte das nicht in zehn Jahren schon ganz anders aussehen?

Scherer: Wenn Sie das Skynet-Szenario ansprechen, halte ich das zum aktuellen Zeitpunkt für unwahrscheinlich. In den nächsten zehn Jahren werden aber viele Entwicklungen auf uns zukommen, gerade wenn es um Automatisierungstechnologie geht oder um Predictive Analytics. Alle Trends weisen darauf hin, dass hier die größten Potenziale gesehen werden.

LEAD: Und darüber hinaus?

Scherer: Da bräuchte ich jetzt eine Glaskugel... Aber man sieht ja in zahlreichen Bereichen, dass sich die Menschen der ethischen Verantwortung im Umgang mit Technologie durchaus bewusst sind. Im Moment sehen wir mit der Datenschutzgrundverordnung, dass die Menschen verantwortlicher mit ihren Daten umgehen und auch wissen möchten, was mit ihren Daten passiert. Das wird sich auf andere Bereiche ausweiten. Auch sehen sich politische Institutionen und die Unternehmen selbst in der ethischen Verantwortung. Es gibt verschiedene internationale Initiativen, die auf die Ethik im Umgang mit KI eingehen und dazu kann man nur beitragen.

LEAD: Trotzdem sieht man am Beispiel von China, dass Regierungen KI nutzen können, um die Bürger komplett zu überwachen und daraus auch Sanktionen abzuleiten. Man kann sich also durchaus vorstellen, wie weit das führen kann.

Scherer: Absolut. Deswegen ist es für Unternehmen umso wichtiger, genau zu überlegen, welche ethischen Grundsätze man befolgen will.

LEAD: Trotzdem sind wir mit den rechtlichen Grundlagen zum Umgang mit KI ziemlich hinten dran, oder?

Scherer: Ich denke, die Politik ist auf einem guten Weg. Die EU-Kommission geht ja bereits die ersten Schritte und entwickelt derzeit Empfehlungen für ethische Richtlinien für den Umgang mit KI in Europa. Konkrete Gesetzesvorschläge sollen ab 2020 folgen.

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