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(Bild: stock.adobe.com)
LEAD 03/18 Algorithmus Machine Learning

Empfehlungen sind bei der Partnersuche sinnlos

Mit Algorithmen lassen sich Zusammenhänge identifizieren und Muster erkennen - und nutzen. In Arbeitsabläufen, im Marketing - und auch bei der Liebe? LEAD hat dazu Christiane Lénard, Head of Scientific Development and Matchmaking bei Parship, befragt, inwiefern sich das Geheimnis der Liebe über Daten entschlüssen lässt.

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LEAD: Christiane, Du bist studierte Psychologin und Soziologin. Wie definierst Du Liebe: Schmetterlinge im Bauch, ein tiefes Gefühl der Verbundenheit oder ist es einfach eine Daten-Gleichung?

Christiane Lénard: Im glücklichen Fall beginnt eine Liebesbeziehung mit dem Verliebtsein und dem Gefühl, Schmetterlinge im Bauch zu haben, und geht dann in ein tiefes Gefühl der Verbundenheit über. Das ist völlig unabhängig davon, ob die Liebe online oder offline begann. Damit aber die Liebe von Dauer ist, gehört mehr dazu: Verständnis, Einfühlungsvermögen, Respekt und vor allem eine gute Kommunikation zwischen beiden Partnern.

LEAD: Wie lässt sich das Geheimnis der Liebe entschlüsseln?

Christiane Lénard: Das Parship-Prinzip bringt passende Partner in zwei Schritten zusammen. Zunächst erstellen wir auf Grundlage unseres Fragebogens ein Profil aus partnerschaftsrelevanten Persönlichkeitsmerkmalen. Anschließend erfolgt das Matching: Auf Basis der Persönlichkeitsprofile schlägt Parship Partner vor, mit denen es eine ausgewogene Mischung aus Gemeinsamkeiten und Ergänzungen gibt. Dass das funktioniert, dafür spricht unsere Erfolgsquote. 38 Prozent unserer Premium-Mitglieder haben während ihrer Mitgliedschaft einen Partner gefunden.

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LEAD: Wie lautet Euer Algorithmus und wie arbeitet er, um dem perfekten Match auf die Schliche zu kommen?

Christiane Lénard: Unser Grundsatz lautet: So viel Ähnlichkeit wie möglich und so viel Unterschied wie nötig. Dabei liegt unser Fokus auf Merkmalen, die wirklich für eine Partnerschaft relevant sind. Sie können sich selbst befragen, ob es wohl wichtiger für eine erfüllte Partnerschaft ist, ob ihr Partner braune, blonde oder schwarze Haare hat oder ob sie beide das gleiche Bedürfnis nach Nähe und Aktivität haben oder auch wie gut er in konflikthaften Situationen zuhören und Anteil nehmen kann. Diese wichtigen Merkmale, wir nennen sie partnerschaftsrelevant, finden Sie auf Basis unseres Fragebogens ausgefüllt haben, in Ihrem Profil. Das gibt Ihnen zunächst Auskunft darüber, wie Sie in einer Partnerschaft "ticken". Die Merkmale werden dann anhand von 136 Regeln in einem Matching-Algorithmus bewertet, woraus sich die Matching-Punkte ergeben. Je höher die Matchingpunkte, desto höher die Wahrscheinlichkeit für eine glückliche Partnerschaft.

LEAD: Welche Kriterien werden im Test bewertet?

Christiane Lénard: Mit unserem Test messen wir 32 partnerschaftsrelevante Merkmale. Daraus ergibt sich das individuelle Persönlichkeitsprofil, es enthält also z.B. Aussagen darüber, wie groß ihr Wunsch nach Partnernähe oder Kontakt ist, wie sie mit Frustrationen umgehen oder wie sehr sie sich ein geregeltes Leben wünschen und wie sie kommunizieren und eben noch viele weitere Merkmale. Die individuellen Ergebnisse der Persönlichkeitsmessung der Partnersuchenden werden gegenübergestellt und miteinander verglichen bzw. bewertet. Das ist das Matching, das heißt anhand von 136 Algorithmen wird zum Beispiel die Ausprägung bei Partner A in einem Merkmal der individuellen Ausprägung in diesem Merkmal bei Partner B gegenübergestellt und mit einer entsprechenden Punktzahl bewertet. Diese Bewertung kann so aussehen, dass es zum Beispiel in einem bestimmten Merkmal gut ist, wenn sich beide Partner ähneln, damit bekommen sie in diesem Merkmal eine entsprechend hohe Punktzahl. Bei anderen Merkmalen ist es für eine harmonische Partnerschaft hingegen von Vorteil, wenn sich die Partner ergänzen. Letztlich werden die Punkte aufsummiert, gewichtet und zum Gesamtmatchingergebnis zusammengefasst.

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LEAD: Wie überprüfst Du, ob dieser Algorithmus auch der richtige ist?

Christiane Lénard: Das von Professor Dr. Hugo Schmale entwickelte Verfahren zur Ermittlung und zum Abgleich partnerschaftsrelevanter Persönlichkeitsmerkmale beruht auf Erfahrungen, die er und sein Team der psychologischen Fakultät der Universität Hamburg in über 40 Jahren Forschungsarbeit gesammelt haben. Wir sind jetzt seit 2001 auf dem Markt. Regelmäßig befragen wir unsere Mitglieder und auch unsere Paare. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse nutzen wir, um unser System regelmäßig anzupassen und zu aktualisieren.

LEAD: Auf Basis welcher Technologie basiert der Algorithmus? Spielen künstliche Intelligenz oder Machine Learning eine Rolle?

Christiane Lénard: Unser Matchmaking-System ist in der Programmiersprache Java geschrieben. Unsere exakte Formel können wir Ihnen leider nicht verraten. Denn die ist - wie das Coca-Cola-Rezept - natürlich streng geheim. Machine Learning oder künstliche Intelligenz setzen wir nicht ein, denn Empfehlungen, wie sie große Online-Händler nutzen "Andere Kunden kaufen auch XYZ" machen bei der Partnersuche keinen Sinn. Anders als ein Online-Händler, der ganz genau weiß, wie viele Paar der bestellten Schuhe wieder retourniert wurden, erhalten wir kein so umfangreiches Feedback darüber, welche Singles sich bei uns gefunden haben und zu einem Paar wurden. Wir wissen jedoch bereits aus mehreren Vergleichsstudien zwischen Online- und Offline-Paaren, dass durch Parship gestiftete Beziehungen glücklicher sind, Paare schneller zusammenziehen und heiraten - auch ohne Machine Learning und Künstliche Intelligenz.

Parship Christiane Lenard Head Of Scientific Development Und Matchmaking
(Bild: Christiane Lénard)

LEAD: Was sind Deine Visionen: Werden sich Menschen künftig zunehmen auf eine Maschine verlassen, die ihnen den perfekten Partner berechnet? Wie würde das die Gesellschaft verändern? Ist es vorstellbar, dass man künftig auch so Freunde und Kollegen sucht?

Christiane Lénard: Es ist ja heute schon so, dass die meisten Singles auf Partnersuche das Internet dafür nutzen. Laut einer repräsentativen Umfrage von Parship und Innofact 2017 gehen 53 Prozent der deutschen Singles mit ihrem Wunsch nach einer Beziehung nicht mehr nur im Freundeskreis oder im Sportverein auf die Suche, sondern setzen auf die viel größeren Möglichkeiten des Netzes. Und sie tun gut daran. So haben sie die größte Auswahl und die besten Erfolgsaussichten. Dreiviertel aller Parship-Paare sind mit ihrer aktuellen Beziehung sehr zufrieden. Das gleiche gilt aber nur für die Hälfte der deutschen Paare, die sich nicht im Internet - also offline - kennengelernt haben. Das ist doch eine gute Nachricht und könnte langfristig für die Gesellschaft, glücklichere Paare und weniger Scheidungen bedeuten. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes deuten jedenfalls in diese Richtung.

LEAD: Woran mag das liegen?

Christiane Lénard: Wie bei allen Dingen, sind aber die Bedürfnisse und Absichten entscheidend, die Menschen mitbringen. Auf der Suche nach einem schnellen Date werden Singles andere Plattformen nutzen, als jemand, der einen ernsthaften Wunsch hat, einen Partner "fürs gemeinsame Altwerden" zu finden. Das gilt übrigens online wie offline. So kann ich sicher auch über die sozialen Netzwerke gute Freunde finden, entscheidend ist, wie ich mich gebe und was ich möchte. Und ob es dann auch bei meinem Gegenüber passt. Aber um wirkliche Beziehungen entstehen zu lassen, muss man den Schritt aus der virtuellen Welt in die reale wagen. "Maschinen", wie Du es nennst, erweitern dabei doch nur unseren Möglichkeitsraum. Auf unsere Grundbedürfnisse nach zum Beispiel Liebe und Geborgenheit, hat das erst einmal keinen Einfluss.

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