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IoT Internet of Things Digitale Transformation

Empathie und Gefühle: Wie IoT das Produktdesign verändert

Der Mensch war und ist es größtenteils noch gewohnt, sich Maschinen zu eigen zu machen. Doch spätestens mit dem Internet der Dinge muss diese Rollenverteilung neu gedacht werden. Das spiegelt sich auch im Produktdesign wider, schreibt Enes Ünal von Candylabs.

Der Mensch war und ist es größtenteils noch gewohnt, sich Maschinen zu eigen zu machen. Doch spätestens mit dem Internet der Dinge muss diese Rollenverteilung neu gedacht werden (Bild: Peer astock.adobe.com)
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22 Milliarden Geräte sollen bis 2025 mit dem Internet der Dinge (IoT) verbunden sein – das prognostiziert jedenfalls das Forschungsunternehmen IoT Analytics. Sollte es tatsächlich soweit kommen, würde das bei gleichbleibendem Wachstumstrend der Weltbevölkerung in etwa bedeuten: Drei Dinge für jeden für uns.

Eine echte Hausnummer, wenn man bedenkt, dass das Thema IoT vielerorts noch immer auf Unbehagen trifft. Inwieweit sind wir noch Herr unserer selbst, wenn Dinge plötzlich mit- und untereinander kommunizieren, Daten hin- und hersenden und sogar autonome Entscheidungen treffen?

Dass sich mit der Evolution des IoT die neue Generation von Maschinen kontinuierlich vom Menschen emanzipiert, bedeutet nicht, dass wir die Hoheit über unser Leben abgeben. Auch wenn das Internet der Dinge zunächst nicht den Anschein erweckt: Der Mensch sollte mehr denn je im Mittelpunkt stehen.

Zwar stellt das IoT aus technologischer Sicht eine der größten Errungenschaften unserer Zeit dar – gesellschaftsfähig wird dieser Fortschritt aber nur, wenn wir IoT-Schnittstellen sinnvoll und wertbringend in unseren Alltag integrieren. Eine entscheidende Rolle kommt hier den Produktdesignern zu.

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First things first: Kontrolle und Sicherheit

Im Internet der Dinge kommuniziert alles mit allem – nur der Mensch ist außen vor. Die Folge: Nahezu jede Tätigkeit - etwa das Steuern der Kaffeemaschine oder das Ein- und Ausschalten des Lichts - wird durch raffinierte Algorithmen unterstützt oder ersetzt und somit unser Alltag durch-automatisiert.

Was zunächst bequem und faszinierend erscheint, kann mit der Zeit im Kontrollverlust über alltägliche Prozesse enden. An dieser Stelle kommen wieder die Produktdesigner ins Spiel: Sie müssen dafür Sorge tragen, dass der Nutzer stets in der Lage ist, in das vernetzte Geschehen einzugreifen und die Kontrolle zu übernehmen.

Mit Blick auf den viel diskutierten Faktor Sicherheit ist eines ganz klar: Daten, die wir im Internet der Dinge erzeugen oder nutzen, werden nie hundertprozentig sicher sein. Nur ein Aus-Knopf reicht nicht aus, um einem smarten Produkt zu untersagen, mir zuzuhören. Genauso sind Hackerangriffe auf Kühlschränke keine Hirngespinste, sondern theoretisch denkbare Szenarien. Doch darauf können wir uns vorbereiten.

Eine Möglichkeit, die Privacy im IoT zu erhöhen, ist eine Unterteilung des Raumes in Zonen. Interactive Media Design-Studenten der Hochschule Darmstadt haben beispielsweise das Umfeld ihres Devices “juno” in vier "social distance zones" gegliedert: die öffentliche, die soziale, die persönliche und die intime Zone. Abhängig davon, in welcher sich der Nutzer befindet, teilt juno mehr oder weniger Informationen mit ihm.

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Veränderte Sichtweise!

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Vertrauen durch Persönlichkeit und Empathie

Spätestens wenn es um das eigentliche Design eines Produktes geht, wird ein Shift unseres Designer-Mindsets immer wichtiger. Die Zeiten, in denen wir digitale Produkte isoliert entwickelt haben, sind ein für allemal vorbei. Vielmehr ist es heute unerlässlich, dass sich Innovationen in ein ganzes Ökosystem integrieren lassen und mit dem Menschen interagieren können. Damit der Konsument sich also auf ein gesamtes, bislang weitestgehend unbekanntes System einlässt, liegt es in der Verantwortung des Designers, eine Grundlage zu schaffen, auf der Vertrauen wachsen und gedeihen kann.

Gerade angesichts der weit verbreiteten Sicherheitsbedenken ist Vertrauen die Basis für die Marktakzeptanz eines neuen IoT-Devices. Für unseren Berufsstand heißt das: Auch in einer maximal vernetzten Welt muss es menscheln.

Das heißt nicht zwangsläufig, dass jedes IoT-Device emotional aufgeladen werden muss, sondern dass beispielsweise ein "Nein" akzeptiert wird. Siri und Alexa hätten sich kaum als treue Helferinnen im Alltag etabliert, wenn sie uns wie “klassische” Maschinen pausenlos und ungefragt mit Rat zur Seite stehen würden.

Und dennoch darf es zwischen Mensch und Gegenstand mitunter noch etwas intimer werden. Während für mehr als ein Jahrzehnt der Touchscreen unseres Smartphones – im wahrsten Sinne – das Allerhöchste der Gefühle war, hat das Internet der Dinge auch bezüglich des körperlichen Austausches eine neue Zeitrechnung für das Produktdesign eingeläutet. Ein brillantes Beispiel für entsprechendes Design liefert hier Vai Kai mit seinen smarten Holzpuppen, deren Herzschlag man spüren kann. Wenn derartige Cases zur Regel werden, wird das Fühlen auf absehbare Zeit zu einem essentiellen Bestandteil des Internets der Dinge.

Mehr als die gefühlte Wahrheit

Die immer wichtigere Bedeutung der Haptik beim digitalen Produktdesign bedeutet auch, dass das Zeitalter der Apps irgendwann vorbei sein wird. Noch ist die Integration des Smartphones als “Fernbedienung” zur Steuerung des IoT vielleicht noch unersetzbar - mit Blick auf das Potenzial unserer immer vernetzteren Welt perspektivisch jedoch nicht mehr als Mittel zum Zweck.

Die Integration des Tastsinns hingegen ist quasi der Türöffner für Vertrauen und Authentizität in einer vernetzten Welt. Denn während das Auge Dinge übersehen und das Ohr Dinge überhören kann, ist das, was wir anfassen können, mehr als nur die gefühlte Wahrheit.

Bei aller Euphorie über die Möglichkeiten, die uns das Internet der Dinge bietet: Zur Verantwortung eines Designers gehört auch, den Sinn neuer Produktideen kritisch und ehrlich zu hinterfragen. Dass Technologie im Allgemeinen immer mehr Raum in unserem Alltag einnimmt, ist wiederum nicht von der Hand zu weisen.

Zwar ist meine Großmutter nicht gleich ein Cyborg, nur weil sie einen Herzschrittmacher trägt. Doch in der Tat werden zunehmend auch Organismen kompatibel mit der digitalen Welt. Entsprechend verändern sich die Anforderungen an das Produktdesign - eine Verantwortung, die ein Umdenken erfordert, aber riesiges Potenzial für kreative Lösungswege bietet.

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Über den Autor: Enes Ünal verantwortet als Head of Experience Design die Bereiche Konzeption und Gestaltung bei Candylabs und unterstützt Start-ups, Mittelstand sowie Corporates bei der digitalen Produktentwicklung. Zuvor studierte er Interactive Media Design (B.A.) und Leadership in the Creative Industries (M.A.) an der Hochschule Darmstadt, wo er heute als Dozent tätig ist. Zudem ist Ünal Initiator und Co-Host der internationalen Interaction Design Association (IxDA) für den Chapter Frankfurt.

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