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Social Media Vero App

Ello again? Eine Geschichte sozialer Blindgänger

Alle wollen Vero. Aber wie lange noch? Das Netz hat schon so viele soziale Netzwerke gefeiert, wie zerstört. LEAD hat die Kuriosesten herausgepickt.

Vero...Wer? Das Netz hat schon viele soziale Netzwerke kommen und gehen sehen (Bild: 123rf.de)
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Es war die Woche des großen Hypes. Keine Website ohne eine Geschichte über Vero, übers neue Instagram, über die Social-Media-App "ohne künstliche Zusatzstoffe", die angeblich die Privatsphäre ihrer Kundschaft schützen will. Die erste Million Nutzer hat Vero laut seiner Entwickler mittlerweile geschafft. Von der Abogebühr, die nach Erreichen dieser Marke fällig werden sollte, ist aber nach wie vor nichts zu sehen. Und mittlerweile häufen sich die kritischen Berichte über Vero-Gründer Ayman Hariri, der nicht nur wegen der skandalösen Pleite seiner saudischen Baufirma Oger überaus umstritten ist. Ob Vero auch noch nächste Woche der "hottest shit" im Netz ist, darf durchaus bezweifelt werden. Wenn das Interesse schnell nachlässt, wäre die App in guter (oder auch weniger guter) Gesellschaft von sozialen Netzwerken, die nach einem Höhenflug bald wieder abstürzten – oder die gleich am Boden blieben. Eines der bekanntesten Beispiel ist Ello, das 2014 als "neues Facebook" gefeiert wurde, und heute fast vergessen ist. Wir erinnern an gefloppte oder längst ausrangierte Social Networks. Geht es Vero genauso, nach dem Motto "Ello again"?

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Ello

Kam im Frühjahr 2014 genau zur rechten Zeit, als die Skepsis gegenüber Facebook wegen vieler Datenschutzpannen weltweit immer größer wurde. Gründer Paul Budnitz, der mit dem Kinderspielzeug "Kidrobot" zu Geld kam, machte einiges richtig. Er versprach ein Netzwerk ohne Werbeflut, ohne die zugemüllte Timeline von Facebook und ohne Klarnamenzwang. Motto gegenüber den Mitgliedern: "Du bist kein Produkt." Mit den vielen "ohne" war klar, worauf Ello verzichtet. Was es seinen Nutzern darüber hinaus bietet, blieb aber offen.

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Ello ist heute eine Plattform für Künstler (Bild: Ello)

 Schlussendlich fehlte Neues, Interessantes und – über den Datenschutz hinaus – ein echter Mehrwert gegenüber Facebook. Folge: Zu größten Hype-Zeiten verzeichnete Ello bis zu 45.000 Anmeldungen pro Stunde. Heute ist der einstige "Facebook-Killer" nur noch in einer Nische präsent, unter ello.co als Netzwerk "von Künstlern für Künstler" mit gerade mal rund 400.000 aktiven Nutzern pro Monat.

Google +

Wenn jemand Facebook, das größte soziale Netzwerk der Welt, herausfordern kann, dann doch Google. So sah es zumindest 2011 aus, als Google+ aus dem Stand innerhalb von zwei Wochen auf 10 Millionen Nutzer kam. Doch danach wurde schnell klar: Warum ein zweites Facebook, wenn es schon ein erstes Facebook gibt? Und wieso auf Google+ umsteigen, wenn alle Freunde und Bekannte schon auf Facebook sind? Was kann Google+, das Facebook nicht kann? Antwort: Leider sehr wenig. Und das anfangs reizvolle Design mit den Kreisen erwies sich schlussendlich als ganz schön unpraktisch. Ein lupenreiner Flop ist Google+ zwar nicht – aber mit momentan knapp 400 Millionen aktiven Nutzer pro Monat doch weit entfernt von einem Facebook-Killer.

Yo

Eine Hype-App aus dem Jahr 2014, die bis heute durchs Netz geistert. Einziger Zweck zu Beginn: Wer Yo auf seinem Smartphone hatte, konnte anderen Nutzern ein aufmunterndes oder zustimmendes "Yo" als Text- und Audionachricht schicken. Nette Idee – doch schlussendlich genügte so ein "Like" als einziger Daseinszweck nicht für langfristigen Erfolg. Später ließen sich auch Links und Ortsangaben zum "Yo" hinzufügen. Da hatte das Internet sein Urteil aber schon gefällt: Sag No zu Yo!

Highlight

Wollte 2012 ein früher Mix aus Facebook und Tinder sein – kurz bevor Tinder überhaupt seinen Höhenflug begann. Sinn und Zweck der App: Sie wollte Nutzer in der unmittelbaren Umgebung mit ähnlichen Interessen zusammenbringen. Nach einem kurzen Hype interessierte sich aber niemand mehr für Highlight. Daran änderte auch eine neue Strategie nichts mehr, die ab 2015 das Teilen von Fotos in den Vordergrund stellte. Die App scheiterte nicht zuletzt daran, dass sie als Alptraum in Sachen Datenschutz galt. Mittlerweile ist Highlight den Weg vieler Social-Media-Flops gegangen: Die Domain highlig.ht steht zum Verkauf.

Peach

Geht womöglich als das "Vero von 2016" in die Geschichte ein. Gründer Dom Hoffman, der schon den Videoschnipsel-Dienst Vine ausgeheckt hatte, wollte sich bewusst von Facebook oder Twitter abheben. Das Teilen von Nachrichten, Gifs oder Musik funktionierte hier völlig anders als gewohnt, mit so genannten "Magic Words". Durch das Tippen eines "G" wurde beispielsweise ein Gif verschickt, und ein "C" rief den Kalender auf. Die URL "Peach.cool" galt als besonders hip, doch innerhalb eines Monats ließ das Interesse schon wieder stark nach. Die App gibt es bis heute. Doch das letzte Update und die letzte Meldung der Entwickler stammt vom Oktober 2017: "Wir haben nicht die Absicht, Peach abzuschalten." Wobei: Wirklich stören würde das niemanden mehr.

Ping

Selbst Apple gelingt nicht alles. Rund ein Jahr vor seinem Tod 2010 kündigte Firmengründer Steve Jobs das Musik-Netzwerk  gewohnt selbstbewusst an: "Hier treffen Facebook und Twitter auf iTunes." Nutzer von Apples Musikdienst iTunes konnten hier sehen, welche Songs gerade bei Freunden laufen, oder sie konnten Künstlern folgen. Ein Netzwerk nur für Musik bot aber am Ende zu wenig. Und als sich Apple nicht mit Facebook auf eine Integration von Ping einigen konnte, brach das dem Netzwerk das Kreuz. Nach zwei Jahren war 2012 Schluss. Und das "One More Ping" ging als Flop in die Apple-Historie ein.

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Ping - gibt’s nicht mehr (Bild: Apple)

Diaspora

Hier klang schon der Name (altgriechisch für "Verstreutheit") nach Flop. 2010 gestartet, war Diaspora als eine Art Open-Source-Facebook geplant. Kein datenhungriger US-Konzern sollte die Kontrolle über das Netzwerk haben, sondern seine weltweiten Nutzer. Dazu war allerdings die Installation eines Programms auf dem eigenen Rechner oder auf einem Server notwendig. Und darauf hatten außer einigen Nerds, die 200.000 Dollar für den Start gesammelt hatten, nur wenige Nutzer Lust. Unter der Adresse diasporafoundation.org existiert das Netzwerk bis heute. Doch die wenigen Nutzer leben verstreut in aller Welt, quasi in der Diaspora.

Die Altstars

Es gibt jede Menge soziale Netzwerke, die große Zeiten erlebten – die aber schließlich von der Konkurrenz abgehängt wurden. Prominentestes Beispiel ist die Musik-Website MySpace – nach ihrer Gründung 2003 ein Riesenhit, heute in den Internet-Charts ganz weit hinten. Die Beschränkung auf Musik, zu viel Werbung und ein überaus dubioses Design sorgten für den Niedergang. 2016 wurde MySpace vom Time Magazine übernommen und existiert bis heute, was allerdings kaum mehr jemand merkt. 

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MySpace - gibt’s immer noch (Bild: Time)

Ein weiterer dieser Social-Media-Zombies, die bis heute nicht aufgeben, ist der einst recht bekannte News-Aggregator Digg. Längst eingestellt ist der Facebook-Vorgänger Friendster, der nach seinem Start 2002 weltweit bis zu 115 Millionen Nutzer hatte, und der nach dem Umbau zu einer Videospielewebsite 2015 aufgab. Immerhin: An den Namen Friendster erinnern sich noch viele. Aber was bitte war Orkut? Antwort: Hinter dem eigenartigen Namen verbirgt sich einer der ersten Social-Network-Versuche von Google. Hier konnten Nutzer bereits 2004 Freunden folgen und Inhalte teilen. Bedienung und Datenschutz spotteten aber jeder Beschreibung. Und so war 2014 Schluss, zugunsten von Google+. Orkut landete im Orkus, wie die alten Römer ihre antiken Entsorgungseinrichtungen nannten.

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